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Freitag, 1. Januar 2021

Muttergefühle 2 von Rike Drust - Rezension



Ein Rezensionsexemplar von "Muttergefühle. Zwei" wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom C. Bertelsmann-Verlag zur Verfügung gestellt.

Schönes Scheitern

"Muttergefühle. Zwei - Neues Kind, neues Glück" ist der volle Titel des Buches, der "Muttergefühle. Gesamtausgabe" ad absurdum führt. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Die Autorin, Rike Drust, hat ein zweites Kind bekommen und sie ist wahnsinnig glücklich. Zum Glück ist sie nur bis Seite 48 wahnsinnig glücklich. Nicht, dass man Rike das Glück nicht gönnt und es auch mal genießt, wie sie sich und Eltern im Allgemeinen abfeiert, aber genialer ist es, wenn sie von ihrem Scheitern berichtet. Erstens weil einem beim Lesen vor Lachen der Rotwein aus der Nase läuft und zweitens, weil sich das so kaum eine traut. Das Buch ist sozusagen die "Fuck-Up-Night" der Eltern-Ratgeber. Und wie immer lernt man da am meisten.

Wattsefacko?

Aber wer ist die Frau auf dem Foto im Klappentext, die viel zu jung für die Geschichten in Ihrem Buch ist? Morgens soll sie wie Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" aussehen? Hm. Schwer zu glauben, wenn man nicht weiß, dass das auch schon das Autorenfoto im letzten Buch war. In dem von 2011. Jetzt ahnt man, dass die Frau auf dem Foto das Gesamtpaket an Muttergefühlen noch nicht abbekommen hat. Zumindest nicht Teil 2. Allerdings verstehe ich tatsächlich nicht, wieso der Verlag dieses uralte Foto verwendet hat. Denn erstens versichert Rike Drust in Ihrem Buch und auch auf ihrem Blog glaubhaft, dass sie mittlerweile jegliche Eitelkeit abgelegt hat und zweitens sieht diese lebensfrohe Frau jetzt noch viel fröhlicher und interessanter aus.

Rike Drust, Autorin, Foto

Mein Lieblingssatz

Wie im ersten Buch begleitet man mit Rike wieder eine Mutter, die das richtige Leben für sich und ihre Familie findet. Sie wurschtelt sich durch den Dschungel aus Erziehungscredos von Färbern bis Attachment Parenting, bleibt entspannt, blockt die Dogmatiker ab und findet ihren eigenen Weg. Mein Lieblingssatz ist (selbstverständlich) aus dem Kapitel "Penis! Hahahaha. Penis! Hahahaha.". Eigentlich geht es in dem Kapitel um die gewöhnungsbedürftigen Gesprächen mit Kindern über ihre Entstehung. Weil Rike Drust aber gerne und schön über Liebe schreibt und wie sie sein sollte, ist der letzte Satz dieses Kapitels: "Und dann spüren wir, dass es auf den ersten Blick vielleicht kompliziert ist, aber auf den zweiten großartig, weil alles geht was glücklich macht." Dieser Satz ist im ursprünglichen Zusammenhang wahr, aber darüber hinaus auch für alles, was Kindererziehung betrifft. Sozusagen die Essenz des Buches.

 

Worte für die Liebe

Grundsätzlich betont Rike Drust, dass sie keinen Wert darauf legt, Ratgeber zu schreiben. Jetzt hat sie doch aus Versehen (wieder) einen geschrieben.
Der beste Rat aus diesem Buch ist, einen Ehevertrag zu schließen. Aus irgendeinem Grund ist die gemeinsame Eigentumswohnung der Drusts nämlich im Grundbuch nur auf ihren Mann eingetragen. Um sich und die Kinder trotzdem abzusichern, haben sie und ihr Mann einen Ehevertrag geschlossen. Im Buch finden sich zwar auch gute Tipps zur Ausgestaltung eines Ehevertrages, aber das ist ja eigentlich nicht das Schwierige an Eheverträgen. Da kann man sich einfach beim Anwalt beraten lassen.

Rike Drust, Lovers

Das Schwierige an Eheverträgen ist, sich zunächst selber zu überzeugen, mit seinem Partner über das Thema zu sprechen. Im zweiten Schritt muss man dann auch noch seinen Partner überzeugen, ebenfalls einen Ehevertrag zu wollen. Das in Erwägung ziehen des Scheiterns der eigenen Beziehung ist leider derart unangenehm, dass viel zu wenige Paare Eheverträge schließen. Selbst mir als Juristin erschien das lange pessimistisch, hölzern und unsexy. Meistens sind es dann später natürlich die Frauen, die nicht nur alleinerziehend, sondern auch arm dastehen. Deshalb ist das Wichtigste an diesem Buch, dass Rike Drust, die so fabelhaft mit Worten umgehen kann, in dieses Buch die Worte reingeschrieben hat, mit denen man seinem Mann erklären kann, wieso ein Ehevertrag gut für die Liebe ist. Kann man auch einfach vorlesen. Diese Worte hätte ich nie allein so finden können und so wird es vielen gehen. Deshalb sollte sich jede Mutter, die zu Gunsten der Kindererziehung ihre Arbeitszeit verkürzt und sich und ihre Kinder noch nicht entsprechend für den Fall einer Trennung abgesichert hat, dieses Buch kaufen. Damit man am Ende nicht Opfer und nicht Arschloch ist, aber vor allem nicht Opfer.

Ein Buch wie ein Kopfstreicheln

Dieses Buch tat mir beim Lesen gut. Und ich behaupte, dass es den meisten Leserinnen so gehen wird. Da Rike so offen aus ihrem Alltag und von ihren Muttergefühlen berichtet, kann man sich immer entweder freuen, dass es bei anderen genauso verquer läuft, wie bei einem selber oder dass es bei anderen noch viel schlimmer läuft.
Und wenn einem nicht gerade das Herz überfließt, weil die Worte, die Rike für die Liebe zu ihren Kindern findet, so treffend sind, dann kann man sich aus vielen Kapiteln auch etwas für sich mitnehmen und vielleicht das Miteinander mit seinen Kindern auch etwas liebevoller und intensiver gestalten. Oder einem ist das alles zu undogmatisch und man regt sich auf, dass alle ständig Netflix gucken. Was man lieber mag.

Muttergefühle in allen Bereichen

In diesem Buch bleibt kaum ein Bereich des Familienlebens mit innerem oder äußerem Konfliktpotential ausgespart: Meckern, Liebe für zwei Kinder, Schlafen, Zuständigkeit bei krankem Kind, Aufklärung, Medienkonsum, Kaiserschnitt, Genderquatsch, Mobbing, Conni, Essen, der Tod, Arbeitsteilung, Duschen, Wüteriche  und natürlich Brettspiele.
Zur Auflockerung kommen dazwischen aber auch immer wieder Kapitel, die gesungen werden müssen. So wie das Danke an die Kitaerzieher, die Ode an die Familie und die Lobpreisung des Mannes.
Überhaupt der Mann. Er kommt nicht mehr so gut weg, wie in Teil 1. Trotz der Eingeschobenen Lobpreisung muss man nicht ständig denken, dass man auch gerne so ein tolles Modell hätte. Hat mir gleich gute Laune gemacht, dass er in diesem Buch auch ein paar Aussetzer hat.

Fazit

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass "Muttergefühle. Zwei" genau wie der erste Teil sehr viel Laune macht beim Lesen. Das erste Buch muss man übrigens nicht gelesen haben, um sich bei "Muttergefühle. Zwei" damenhaft kichernd, den Wein durch die Nase laufen zu lassen.
Für sich selbst kann man aus dem Buch jede Menge mitnehmen, gerade wenn die eigenen Kinder noch jünger sind und man die Kämpfe erst noch fechten muss, von denen Rike berichtet. Ich kann das Buch also allen Kleinkindeltern sehr ans Herz legen. Es hilft, die Dinge entspannter zu sehen und seinen Kindern im Alltag mit mehr Liebe zu begegnen.

Muttergefühle. Gesamtausgabe - Rezension



Muttergefühle. Und dann auch noch in einer Gesamtausgabe.

Wer beim Kauf ein mehrbändiges Buch im Format Brockhaus erwartet, wird sofort sehr enttäuscht oder sehr erleichtert feststellen, dass diese fundamentalen Emotionen in einem Paperback zusammengefasst werden konnten. Die Autorin, Rike Drust, nähert sich dem Thema ohnehin angenehm leichtfüßig, da sie weder Anspruch auf abschließende Vollständigkeit erhebt, noch darauf, die einzig Erleuchtete zu sein. Wer also einen Ratgeber sucht, der einem präzise Anleitungen zur Handhabung eines Kindes und den damit verbundenen mütterlichen Gefühlen an die Hand gibt, sollte nicht zu diesem Buch greifen.

Nicht so richtig zu empfehlen ist das Buch auch für Mütter, die schon zwei oder mehr Kinder haben. Ich hatte das Buch ursprünglich als Geschenk für eine Freundin gekauft, die einen 3jährigen Sohn hat und dann Zwillinge bekam und musste nochmal umdisponieren, nachdem ich aus Versehen reingeschmökert hatte. Wenn man mit mehreren Kindern überhaupt noch Zeit zum selbstbestimmten Lesen findet, wird man sich zwar gut unterhalten fühlen, aber man wird nicht mehr den gleichen Aha-Effekt haben wie als Erstmutter. Eher wird man sich lächelnd und mit leichter Wehmut daran erinnern, wie verrückt alles mal war. Und mit Zwillingen braucht man sowieso etwas Stärkeres.

Auch Schwangeren kann ich nicht empfehlen, das Buch zu lesen, da sie ohnehin nicht glauben würden, dass sie selbst auch einmal ähnlich nah am Rande des Wahnsinns entlang schrammen werden. Klassischer Fall von vergebener Liebesmüh. Sicherheitshalber könnte man es aber schon kaufen und zusammen mit einer Notfallration Schoko-Cookies in der Nachttischschublade verstauen.

Menschen mit bloßem Kinderwunsch ist gänzlich von der Lektüre abzuraten, da sich der Kinderwunsch sonst verflüchtigen könnte.

Absolute Zielgruppe dieses Buches hingegen sind Erstmütter, die sich folgende Fragen stellen:
"Ist mein Leben vorbei?", "Wie bin ich nur Hausfrau und Mutter geworden?", "Mach ich alles falsch?", "Wie bin ich nur in diese Lage gekommen?", "Bin ich verrückt?", "Sind das die Hormone?", "Werde ich jemals wieder eine Nacht durchschlafen?" oder auch "Wieso nur?".

All diese Fragen beantwortet das Buch selbstverständlich nicht, aber man erfährt in wohltuender und äußerst aufmunternder Weise, dass man nicht alleine damit ist. Beim Lesen begleitet man die Autorin sehr amüsant durch die Babyzeit. Dabei ist sie so erschreckend ehrlich, wie man es sich selbst im Gespräch mit Freundinnen nicht immer traut. Manchmal habe ich mich beim Lesen gefragt, wie einer Person (zumal mit nicht unerheblich vielen Tattoos, die von älteren Leuten ja gemeinhin mit Knasterfahrung gleichgesetzt werden) so viele Leute dumm kommen können. Ganz so schlimm war es bei mir tatsächlich nie, aber viele der beschriebenen Situationen hat man dann doch am eigenen Leib erfahren.

Auch der Aufbau des Buches ist hervorragend auf frische Mütter angepasst. Die Kapitel sind um die drei Seiten lang, so dass man abends eins schaffen kann, bevor man ins Koma fällt oder wieder angeschrien wird. Dazu kommt, dass am Ende jeden Kapitels Tipps oder gute Vorsätze von Rike Drust zusammengefasst wurden, die aufzeigen, wie man die jeweilige Situation angehen kann, ohne geistige Gesundheit einzubüßen.

Letztlich ist das Buch allein schon deshalb lesenswert, weil die Art, in der Schwangerschaft und Babyzeit beschrieben werden, zum Schreien komisch ist. Die Sprache des Buches ist derart bildreich, dass man die Autorin eigentlich ständig mit einem Blaulicht auf dem Kopf Nacktradeln sieht und dazu verzückt rufen hört: "ER MACHT DIE BIMMELBAHN! ER MACHT DIE BIMMELBAHN!". Dazu ist auch das Bild im Klappentext sehr nützlich.
Jedes Mal, wenn übergriffige Fremde beschrieben werden, treten in meinem Kopf übrigens Loriot und Evelyn Hamann auf, was die Szenen noch weiter bereichert. Und es gibt seeeehr viele übergriffige Fremde.

Fazit:

Das Buch ist beste Unterhaltung und kann im Wahnsinn der ersten Monate mit Baby Leben und/oder Verstand retten. Daher ist es auch eine echte Geschenkempfehlung, wenn man zur Geburt nicht den 48. Babybody in Größe 56 schenken will (obwohl die schon sehr süß sind), sondern etwas, das der Mutter hilft.

Für mich selber war die Schilderung, was passiert, wenn Väter echte Elternzeit machen und das Kind voll betreuen, eine Erleuchtung. Ich kann jeden verstehen, der in den zwei Monaten Elternzeit, die die meisten Väter machen, verreist und die Zeit gemeinsam als Familie verbringt. Aber ich finde es wirklich toll, wenn der Mann sich ganz der Herausforderung stellt, sich voll um das Kind zu kümmern (und dann auch rumzickt).

Außerdem hat das Buch mich angefixt, nicht doch auszuloten, ob mein Mann nicht auch einen Tag in der Woche die Kinder von der Kita abholen kann. Ich finde es eine schöne Vorstellung, dass sie auch mal einen ganz normalen Tag teilen und nicht nur die Wochenenden an denen oft etwas Besonderes los ist.

Es ist also nicht nur verrückt und aberwitzig, wenn eine normale, Hamburger Frau ihre täglichen Herausforderungen mit Kind beschreibt. Rike Drust reflektiert die eigenen verdrehten und überraschenden Muttergefühle klug und trifft entsprechende Folgerungen, so dass man aus dem Buch viele Anregungen ziehen kann, um gelassener durch den Alltag als Mutter zu gehen. Außerdem ist es einfach schön zu wissen, dass andere Mütter genauso durch den Wind sind, wie man selber.

Sonntag, 20. Dezember 2020

Das festliche Stillkleid und wie es im Internet zu finden ist - oder auch nicht.



Knapp zwei Monate nach der Geburt meiner zweiten Tochter waren wir im Mai zur Hochzeit meiner Schwägerin eingeladen. Eigentlich wollte ich mich ungern im Wochenbett noch um ein Kleid kümmern und habe daher frühzeitig angefangen zu suchen. Zum Glück. Auf der Einladung wurde um "formal attire", also festliche Garderobe gebeten.

Mein Plan war, im Internet nach etwas Schönem und trotzdem Bezahlbarem zu suchen und wenn ich da nicht fündig würde, nach Eppendorf in einen Laden für Schwangeren- und Stillmode zu fahren und einfach nur etwas Schönes zu kaufen.

Die Internetsuche

Bei ersten Suchen im Internet habe sehr schnell festgestellt, dass es unfassbar viele, tolle Schwangerschaftskleider gibt, aber keine große Auswahl an Stillkleidern. Wenn man Pech hat, sind die Schwangerschafts- und Stillkleider auch noch in einer Kategorie zusammengefasst und man muss dank mangelhafter Beschreibungen raten, ob das Kleid auch eine Stillfunktion hat. Außerdem muss man sich auf den Bildern immer einen Bauch im achten Monat wegdenken und stattdessen zwei Körbchengrößen und Babyspeck dazu. Ein Traum.

Bei der Suche nach "Stillkleid + Hochzeit" findet man naturgemäß hauptsächlich weiße Kleider. Meist freut sich allerdings die Braut nicht so, wenn noch jemand in weiß auftaucht. Bleibt die Suche nach "Stillkleid + festlich". Mit diesen Suchbegriffen stellt man schnell fest, dass festliche Stillkleider offenbar einfarbige, knielange Jersey- oder Chiffonkleider in Wickeloptik sind. Zu Beginn meiner Suche habe ich Jerseykleider allerdings kategorisch ausgeschlossen, weil Jersey für mich einfach nicht unter festliche Garderobe fällt. Lange Stillkleider gibt es anscheinend überhaupt nur in Jersey oder leichter Baumwolle und dann auch nur im Strandlook. Zu diesem Zeitpunkt habe ich kurz erwogen, nach einem Maxidress mit Neckholder zu suchen. Aber wenn man da nicht aufpasst, steht man plötzlich ganz oben ohne da, obwohl man nur dezent stillen wollte. Außerdem untragbar mit Still-BH. Also doch offizielles Stillkleid.

Der lokale Dealer

Nachdem langwierige Googlesessions mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben, bin ich einfach gleich nach Eppendorf gefahren. Der Slogan "Expect in Style" hat mich hoffen lassen, aber leider stand da ja nicht "Nurse in Style". Es gab also viele tolle Schwangerschaftskleider, aber nur zwei Stillkleider. Aus Jersey und zum Wickeln. Es wäre aber auch noch sehr früh in der Saison...

Hochzeit Einladung Dresscode

Dann wieder Internet

Frustriert habe ich die ganze Sache einfach auf die lange Bank geschoben. Leider hat Prokrastination einem noch nie ein Kleid gekauft. Also habe ich, als meine Kleine da war, irgendwann wieder angefangen, im Netz nach einem Kleid zu suchen. Da Shopping als Wöchnerin und mit Baby ohnehin nicht ratsam ist, war das auch meine einzige Möglichkeit. Nach einiger Zeit hatte ich alle Seiten im Inland und im lieferwilligen Ausland durch. Um es kurz zu machen: Ich hatte die Wahl zwischen Jerseykleidern und Chiffonkleidern im Wickellook, die allesamt von Schwangeren getragen wurden. Überraschender Weise habe ich mich dann für ein einfarbiges, knielanges Jerseykleid in Wickeloptik entschieden. Die schnöde Überlegung, die dem zu Grunde lag, war, dass ich Chiffon zwar etwas festlicher als Jersey, aber leider doof finde. Außerdem konnte ich das dunkelblaue Jerseykleid den ganzen Sommer über gut tragen. Ich also in casual, statt formal attire. Es war am Ende die richtige Entscheidung, aber doof fühlt man sich trotzdem. Bisschen dick, mit Spucktuch über der Schulter, Augenringen und nüchtern... und in einem Jerseykleid, während alle anderen richtig schick sind und Cocktails schwenken.
Hochzeiten sind nicht meine Lieblingsevents in der Stillzeit.

Die 3 Top-Shops für Stillkleider

Damit ihr euch Zeit und Nerven spart, kommen hier meine drei Online-Shop-Tipps für "festliche" Stillkleider:

Envie de Fraise: Hier findet ihr einfarbige, knielange Jerseykleider in allen Variationen und manchmal auch eine Perle dazwischen, günstige Preise, Qualität fand ich trotzdem gut, 8€-Gutschein bei Anmeldung für den Newsletter

ASOS: Bei ASOS hat sich einiges getan. ASOS hat jetzt die Kategorie "Maternity Nursing", wo man alle Stillkleider von verschiedenen Marken findet. Hier findet man mit Abstand die breiteste Range an verschiedenen Kleidern, allerdings sind auch einige fragwürdige Styles darunter. Natürlich gibt es viele knielange Jerseykleider in Wickeloptik, aber es werden auch schickere Sachen angeboten. Kostenloser Versand und Rückversand ab 30€.

Mamarella: Dieser Shop hat eine schöne Auswahl an klassischen Stillkleidern und ist übersichtlich gestaltet. Kostenloser Versand und Rückversand ab 50€.

Für einen ersten Überblick habe ich die tragbarsten Styles für euch auf einem Board auf Pinterest zusammengefasst.

Viel Spaß beim Stöbern!

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Brauche ich eine Hebamme im Wochenbett




Seit einiger Zeit ist es schwierig, eine Hebamme für die Betreuung nach der Geburt zu finden. Daher wird von Schwangeren immer öfter die Frage gestellt: Brauche ich überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Nicht nur von Erstmüttern, die noch gar nicht genau wissen, was da auf sie zu kommt. Diese Frage habe ich auch schon von Freundinnen gehört, die ihr drittes Kind erwarteten. Nach dem Motto: Das Baby könne man ja auch alleine wiegen.

Es geht bestimmt auch ohne Hebamme. Sollte es aber nicht!

Die Krankenkasse zahlt

Damit Hebammenversorgung kein Luxus ist, den sich nur wohlhabende Familien leisten können, werden in Deutschland die allermeisten Hebammenleistungen von den Krankenkassen getragen. So hat man bis zum 10. Tag nach der Geburt Anspruch auf mindestens einen täglichen Besuch durch die Hebamme und weitere 16 Besuche bis zur zwölfen Lebenswoche des Kindes. Auch bei Still- oder Ernährungsproblemen kann man darüber hinaus noch die Hilfe seiner Hebamme in Anspruch nehmen. Um das Finanzielle braucht man sich also keine Sorgen machen.
Selbst wenn Kinderarzt und Gynäkologe erreichbar sind, ist es gerade im Wochenbett ein unschätzbarer Vorteil, wenn jemand zu einem nach Hause kommt. Im Wochenbett steht die Welt kopf und teilweise ist man in den Tagen nach der Geburt noch nicht wieder besonders mobil.

Neugeborenenversorgung

Natürlich ist es für die frischen Eltern das Wichtigste, dass sich die Hebamme um das Neugeborene kümmert. Sie überprüft, ob euer Baby im richtigen Rahmen zunimmt, ob der Nabel gut abheilt, ob das Baby an Neugeborenengelbsucht leidet und wie sich das Kind allgemein entwickelt.
In den ersten Lebenstagen unterstützt die Hebamme euch auch dabei, dass eine liebevolle Bindung zu dem neuen Familienmitglied entsteht. Das hört sich so einfach an, aber auch hier haben Hebammen wertvolle Tipps, wie das Bonding gut klappt und sich euer Baby bei Euch sicher und geborgen fühlt.
Beim ersten Kind oder auf Wunsch weist die Hebamme die Eltern auch in die Säuglingspflege ein und zeigt einem ein paar Kniffe und Griffe beim Wickeln, Beruhigen, Massieren und auch bei Babys erstem Bad.

Still- und Beikostberatung

Auch wenn es immer so friedvoll und schön aussieht, kann Stillen leider ziemliche Probleme bereiten. Zu Anfang kann es sehr schmerzen, es kann Probleme mit der Milchmenge geben oder mit der Halteweise. Bei all diesen Problemen steht einem ebenfalls die Hebamme helfend zur Seite und berät natürlich bei Bedarf auch in Sachen Flaschenernährung. Diese Hilfe sollte man auch beim zweiten oder dritten Kind noch dankend annehmen. Zum einen gibt es keine Garantie, dass Geschwisterkinder sich genau gleich verhalten und zum anderen ist es unfassbar, was man alles vergessen kann zwischen zwei Geburten. Am Ende der Stillzeit ist das Stillen meist derart zur Gewohnheit geworden, dass man eventuelle Startschwierigkeiten mit dem Winzling völlig verdrängt hat.

Leider kann es mit dem Stillen auch zwischendurch akute Schwierigkeiten geben. So hatte ich z. B. meinen ersten Milchstau auch erst beim zweiten Kind. Gerade in solchen Situationen ist es dann unbezahlbar, wenn man sich nicht mit 40°C Fieber und empfindlichen Schmerzen ins Auto setzen muss und zum Frauenarzt fahren muss. Meine Hebamme ist stattdessen zu mir gekommen und hat mir auch gleich Quark zum kühlen und Medikamente und Kompressen aus der Apotheke geholt, so dass ich die Entzündung wieder wegbekommen habe, ohne dass ich zum Frauenarzt musste.

Die Hebamme ist auch Ansprechpartner bei der Beikosteinführung. Wie schwierig sich das Essen von fester Nahrung gestaltet hängt sehr individuell vom Kind ab. Es gibt natürlich auch viel Literatur zu dem Thema, aber die Hebamme kann euch ebenfalls einweisen und über neue Entwicklungen und Empfehlungen informieren.

Versorgung und Betreuung der Wöchnerin

Das Baby kommt für die Mutter natürlich immer an erster Stelle und darüber wird dann oft vergessen, dass die Hebamme noch eine sehr wichtige weitere Aufgabe hat. Sie kontrolliert auch wie die Mutter die Schwangerschaft und Geburt verkraftet hat. Bildet sich die Gebärmutter zurück? Schieben sich die Organe wieder an den richtigen Platz? Heilen etwaige Geburtsverletzungen gut ab? Staut sich der Wochenfluss nicht? Schont sich die Wöchnerin ausreichend? Heilt die Narbe nach einem Kaiserschnitt gut?
Eine Selbstdiagnose ist an dieser Stelle ziemlich schwierig und gerade wenn man dann bei Dr. Google oder in Internetforen Rat sucht, vergrößert das die Verunsicherung meist nur. Es ist daher auch hier sehr hilfreich, wenn die Hebamme einem sagen kann, dass z. B. das schmerzhafte Ziehen in der Leiste normal ist oder ob man damit einen Arzt aufsuchen sollte. Viele Hebammen kann man heutzutage auch per SMS oder per Messenger erreichen, so dass man schnell Antworten auf seine Fragen erhält, wenn man sich Sorgen macht.
Meistens bekommt man von der Hebamme auch schon die Anleitung zu ersten sanften Rückbildungsübungen.

Letzter, aber sehr wichtiger, Punkt ist die psychologische Betreuung der Wöchnerin durch die Hebamme. Rund um Schwangerschaft und Geburt macht man derart große körperliche und seelische Veränderungen durch, dass man sich manchmal selber nicht wieder erkennt. Insbesondere die Geburt kann auch ein traumatisches Erlebnis sein. In dieser Situation kann es sehr gut tun, wenn man einfach jemanden zum Reden hat, der einen versteht und einem auch sagen kann, dass das nicht nur einem selber so geht. Es ist auch Aufgabe der Hebamme eine Wochenbettdepression vom (normalen) Babyblues zu unterscheiden und eine entsprechende Behandlung anzuschieben. Ich hatte zum Beispiel auch vergessen, dass man im Wochenbett sogenannte "Heultage" hat. Da ist es beruhigend, wenn man einfach jemanden hat, der sich auskennt und einem sagt, dass das es normal ist, dass man sich so verrückt fühlt und es wieder nur an den Hormonen liegt.

Die Betreuung durch eine Hebamme steht euch übrigens auch nach einer Adoption und gerade auch nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch zu!

Hebammen sind auch nur Menschen

Wie alle Menschen machen Hebammen auch Fehler und erkennen nicht immer alles richtig. Manchmal kommt man mit der Art der einen nicht klar oder findet einen der Tipps blödsinnig. Vielleicht ist einem die eine zu ruppig oder die andere zu esoterisch ausgerichtet.
Wenn man Glück hat und mehrere Hebammen findet, die einen betreuen könnten, kann man sich zu einem Vorgespräch treffen und sich für diejenige entscheiden, mit der man sich besser versteht. Findet man sowieso nur eine, die für einen Zeit hat, sollte man sie trotz etwaiger Bedenken festhalten. Hier gilt ganz klar, dass eine Hebamme besser ist, als keine Hebamme, zumal ihr ja auch beim Frauen- und Kinderarzt feste Kontrolltermine habt.

Macht euch die Mühe, es lohnt sich!

Ich hoffe, ich konnte euch überzeugen, dass sich die Suche nach einer Hebamme immer lohnt, auch wenn sie sich etwas nervenaufreibend gestaltet! Bei meiner ersten Tochter war ich heilfroh, dass ich noch eine Hebamme gefunden habe, weil ich sehr spät angefangen habe zu suchen. Es war vielleicht nicht genau die, die ich mir gewünscht hätte, aber gerade beim ersten Kind steht man ja bei vielen Dingen wie der Ochs vorm Berg, so dass ich mehr als dankbar war, dass ich eine Ansprechpartnerin für meine ganzen Fragen hatte. Bei meiner zweiten Tochter hatte ich dann (zufällig) eine tolle und sehr einfühlsame Frau, die sich so lieb um uns gekümmert hat, dass ich ganz gerührt war. Von daher wünsche ich keiner Frau, dass sie während des Wochenbetts ohne eine Hebamme auskommen muss.
Mittlerweile gibt es in Hebammenpraxen und Kliniken auch Hebammensprechstunden. Das sollte aber das letzte Mittel sein, weil man natürlich gerade während des Frühwochenbetts auch im Bett bleiben sollte.

Falls ihr noch auf der Suche seid, habe ich euch hier meine 10 ultimativen Tipps zusammengestellt, damit ihr auch eine Hebamme findet! Viel Erfolg!

Wie finde ich eine Hebamme für die Nachsorge?




In letzter Zeit ist es wieder etwas stiller geworden um die Hebammen. Mittlerweile hat aber wahrscheinlich jeder mitbekommen, in welcher Misere die freiberuflichen Hebammen in Deutschland stecken. Auf Grund des Risikos durch einen Fehler bei der Geburtshilfe einen Schaden am Kind zu verursachen, sind die Beiträge zur Haftpflichtversicherung für Hebammen in astronomische Höhen gestiegen. Viele Hebammen sind daher mittlerweile bei einer Klinik angestellt oder betreuen Frauen nur noch zur Vor- und Nachsorge. Viele führen aber selber keine Geburten mehr durch.

Jetzt könnte man denken, dass es daher unproblematisch sein sollte, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung und Nachsorge zu finden. Pustekuchen. Als Frau hat man zwar von gesetzes wegen einen Anspruch auf Hebammenhilfe nach der Geburt, die Suche gestaltet sich aber tatsächlich schwierig. Leider ist der Hebammenberuf, wie die meisten "Frauenberufe", nicht gut bezahlt, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und der Beruf ist emotional sehr fordernd.
Kurz: Obwohl es eigentlich ein toller Beruf ist, sind die äußeren Anreize für junge Menschen, diesen Beruf zu ergreifen, gering. Daher besteht in vielen Teilen Deutschlands bereits eine Unterversorgung in diesem Bereich.

Die Suche nach einer Hebamme wird immer schwieriger

In Hamburg, wo ich wohne, steigen seit einigen Jahren die Geburtenzahlen. Folglich suchen jedes Jahr mehr Schwangere nach einer Hebamme. Die Versorgung ist natürlich im Vergleich zu ländlichen Bereichen gut und es gibt viele Kliniken und auch Hebammenpraxen. Trotzdem war bereits ein deutlicher Unterschied zwischen 2012, als ich zum ersten Mal eine Hebamme gesucht habe und 2015, als ich zum zweiten Mal schwanger war, spürbar.

2012 war die Suche auch zäh, aber hauptsächlich deshalb, weil meine Frauenärztin mir zwar alles Mögliche an Empfehlungen beim ersten Termin gegeben hat, aber nicht, dass ich mir sehr zeitnah eine Hebamme suchen sollte. Zudem lag mein Stichtag im August. Die Sommermonate sind generell schwierig, da Hebammen ungern Geburten mit Stichtag um ihren Urlaub herum annehmen. Das gleiche gilt für Weihnachten. Irgendwann hatte eine Hebamme aber den Tipp für mich, dass eine ältere Kollegin von ihr nur Winterurlaub machen würde. Sie hatte dann zum Glück im Sommer Zeit für mich und mein Baby.

Als ich das zweite Mal schwanger war, habe ich sofort angefangen eine Hebamme für Vor- und Nachsorge zu suchen. Trotzdem bin ich nicht gleich fündig geworden. Über die Liste meiner Geburtsklinik hatte ich dann schließlich irgendwann Erfolg. Ich höre aber immer öfter, dass die Suche sich sehr langwierig gestaltet oder im Extremfall auch mal keine Hebamme gefunden werden kann.

Wenn man im Netz sucht, findet man viele Artikel dazu, wie man die richtige Hebamme für sich findet. Das ist leider auch in Hamburg kaum noch die Frage. Es ist die Ausnahme, wenn man überhaupt noch zwei Hebammen findet, die einen im Wochenbett betreuen könnten. Meistens ist man tatsächlich froh, wenn man endlich eine Hebamme findet, so dass man dann auch nicht mehr weiter sucht.

Um euch bei der Suche zu helfen, habe ich hier die Dinge zusammengefasst, die man bei der Suche nach einer Hebamme beachten sollte und wo man Hilfe finden kann.

10 goldene Tipps

1. Keine Zeit verlieren

Sobald ihr beim Gynäkologen wart und Gewissheit habt, dass ihr schwanger seid, solltet ihr beginnen, euch umzuhören.

2. Telefonieren

Bei der Hebammensuche müsst ihr telefonieren, telefonieren, telefonieren. Schreibt keine Emails! Einigen Hebammen liegt das Digitale vielleicht vom Typ her nicht, aber hauptsächlich sind Hebammen einfach den ganzen Tag unterwegs und haben dann abends nicht unbedingt noch Zeit und Lust Emails zu beantworten. Deshalb ruft sie an und sprecht auf jede Mailbox.

3. Lasst Euch Tipps geben

Hebammen sind gut vernetzt. Wenn eine euch also absagt, fragt sie gleich, ob sie nicht noch eine Kollegin weiß, die vielleicht noch Kapazitäten zur fraglichen Zeit hat oder die du zumindest fragen könntest.

4. Hebammenpraxen

Fragt in Hebammenpraxen nach. Die Betreuung durch eine Hebammenpraxis hat den Vorteil, dass jemand anders einspringen kann, wenn deine Hebamme krank ist. Vielleicht kann euch die Praxis auch eine Kollegin vermitteln.

5. Nachbarinnen fragen

Um eine Hebamme zu finden, die in Eurem Stadtteil tätig ist, ist es auch günstig, die Nachbarinnen mit Kindern zu fragen, ob sie ihre Hebamme empfehlen können. Einfach mal ansprechen. Vielleicht habt ihr ja auch eine Freundin mit Kind im gleichen Stadtteil.

6. Hebammenlisten der Kliniken und Geburtshäuser

Die meisten Krankenhäuser verfügen über Listen mit Hebammen, die dort tätig sind. Viele von diesen Hebammen machen auch Nachsorge. Diese Listen findet ihr entweder im Internet oder könnt sie vor Ort bekommen. Im Zweifelsfall ruft ihr einfach bei der Geburtsstation an und fragt.
Glückliche Städte und Gemeinden haben noch ein Geburtshaus. Dort könnt ihr euch ebenfalls erkundigen, meistens haben Geburtshäuser ebenfalls Hebammenlisten.

7. Hebammenverband

Hebammen sind in Verbänden organisiert. Euer Hebammenverband kann euch ebenfalls bei der Suche helfen. In Hamburg gibt es auf der Hompage z. B. eine Hebammenliste, wo man Hebammen nach Stadtteil, Fremdsprachenkenntnissen und Leistungen suchen kann. Neuerdings gibt es dort auch eine Liste freier Kapazitäten, wo sich Hebammen eintragen können.

8. Social Media

Nutzt eure Social Media-Kanäle und fragt eure dortigen Freunde und Bekannten. Meistens kennt jemand jemanden, der jemanden kennt. Möglicherweise gibt es für euren Wohnort auch eine entsprechende Facebook-Gruppe für Schwangere oder Mütter, wo man sich weitere Tipps holen kann. Für Hamburg gibt es z.B. "Schwanger in Hamburg".

9. Schwangeren-Kurse

Ihr besucht einen Aquagymkurs, einen Fitnesskurs, einen Yogakurs, einen Pilateskurs für Schwangere oder einen Vorbereitungskurs? Dann fragt dort auf jeden Fall auch die Kursleiterin und die anderen Teilnehmerinnen, ob nicht noch jemand einen heißen Tipp für euch hat.

10. Der Notnagel

Hebammen sind notorisch gute Menschen, weshalb sie euch nicht gerne absagen. Viele bieten euch am Telefon auch an, dass wenn ihr wirklich gar keine Hebamme findet, ihr euch nochmal melden sollt. Sie springen dann vielleicht ein und machen zumindest zwei oder drei Termine mit euch. Notiert euch das und kommt im Notfall darauf zurück!

Jetzt bleibt mir nichts, als euch noch viel Glück bei der Suche zu wünschen!

Brauche ich überhaupt eine Hebamme?

Wenn die Suche lang und frustrierend ist, wird oft die Frage gestellt: Benötigt man überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Das Kind könne man doch auch alleine wiegen...
Wieso eine Hebamme toll ist, was sie alles für euch tut und wieso niemand darauf verzichten sollte, könnt ihr hier bei mir nachlesen!

 

Sonntag, 8. November 2020

Checkliste für den Kinderwagenkauf



Der Kinderwagenkauf - definitiv eines der größeren Projekte vor der Geburt des ersten Kindes. Da ich täglich mit vielen Kinderwagenmodellen und Müttern in Kontakt komme, werde ich von Freunden und Bekannten, die ein Baby erwarten, oft gefragt, worauf man achten sollte. Das ist überraschend viel.

Oft sind es leider die Kleinigkeiten, die man beim Kauf nicht auf der Rechnung hat und die dann im täglichen Umgang mit dem Kinderwagen fürchterlich nerven. Das ist besonders ärgerlich, da man beim Kauf eines Kinderwagens mehrere hundert Euro auf den Tisch legen muss.

Hier habe ich einen Katalog für euch zusammengestellt, in den die Erfahrungswerte von vielen Müttern eingeflossen sind, aber vieles ist natürlich einfach Geschmackssache. Gerade weil es so viele Punkte sind und die Hersteller die Kinderwagen auch immer weiter entwickeln, kann dieser Katalog nicht abschließend sein. Ich hoffe, er ist euch aber eine Hilfe, damit ihr lange Freude an euren Kinderwagentouren habt!

 

Die richtigen Maße

Wo soll der Kinderwagen zu Hause stehen? Passt er da hin?

Gerade wenn ihr in einem Mietshaus wohnt, solltet Ihr überprüfen, ob der neue Kinderwagen auf den für ihn vorgesehenen Stellplatz passt. Er sollte nicht zu breit sein und nicht übermäßig in den Gang hineinragen. Bei einigen Häusern (meist Altbau) mit sehr schmalen Eingangstüren oder Flügeltüren, sollte man zudem ausmessen, ob der Kinderwagen auch bequem durch die Tür passt.

Passt der Kinderwagen in Euren Kofferraum?

Natürlich könnt ihr anhand der Daten in der Produktbeschreibung einfach abmessen, ob der Kinderwagen zusammengefaltet in euer Auto passt. Viele Händler lassen euch die Kinderwagen gegen ein Pfand aber auch mit auf den Parkplatz nehmen, so dass ihr vor Ort testen könnt, ob sich der Kinderwagen einfach zusammenklappen und gut verstauen lässt und es nirgendwo hakt.

Ist die Wanne des Kinderwagens ausreichend groß?

Besonders hochgewachsene Eltern sollten darauf achten, dass die Wanne bzw. Tragetasche des Kinderwagens schön lang ist. Das Baby sollte so lange entspannt in der Wanne liegen können, bis es sitzen kann.

Gewicht

Das Gewicht von Kinderwagen variiert um rund 10kg - also durchaus relevant. Wenn Ihr also den Kinderwagen zu Hause eine Treppenflucht hoch und runter wuchten müsst, solltet ihr euch nicht das schwerste Modell aussuchen.

 

Die Ausstattung

Die Umbaumöglichkeiten

Bei den meisten Kinderwagen hat man heutzutage die Möglichkeit, die Wanne mit einem Sportwagenaufsatz zu tauschen, wenn das Kind aus der Wanne herausgewachsen ist. Liebäugelt man z.B. mit einem Retrokinderwagen, der diese Möglichkeit nicht bietet, kommt dann stattdessen ein Buggy oder Fahrradanhänger in Frage. Beim Sportwagenaufsatz sollte man darauf achten, dass dieser sowohl in Fahrtrichtung, als auch entgegengesetzt auf das Fahrgestell gesetzt werden kann. Wenn das Kind ständig nach vorne schauen muss, können die vielen Eindrücke überfordernd sein, aber auch für die Eltern ist es schön, wenn man seinem Kind beim Schieben ins Gesicht sehen kann und mit ihm sprechen kann.
Ist man viel mit dem Auto unterwegs, kann es praktisch sein, wenn man die Autoschale direkt oder mit Adapter auf das Kinderwagengestell aufsetzen kann.
Plant man mehrere Kinder in kurzem Abstand zu bekommen, empfiehlt sich ein Kinderwagen, den man vom Einzelkinderwagen auch zum Geschwisterkinderwagen umbauen kann.

Bewegliche oder feste Vorderräder?

Bewegliche Vorderräder sind perfekt, wenn man viel in der Stadt unterwegs ist und geschickt um Passanten und durch enge Supermarktgänge manövrieren muss. Wenn man querfeldein und auf unebenem Gelände unterwegs ist, sind feststehende Räder deutlich praktischer. Allerdings haben feststehende Räder den Nachteil, dass man den Kinderwagen vorne immer etwas anheben muss, wenn man um Kurven und Ecken fährt. Das kann ganz schön anstrengend werden und ist mit einer Hand (wenn man z.B. telefoniert) nur schlecht machbar.
Schiebt man mal hier und mal dort herum, wird es schwierig und man muss abwägen. Es gibt kleine feststellbare Räder, aber die kleinen Räder helfen einem im Gelände noch nicht wirklich weiter. Eine Notlösung für kurz Strecken z.B. durch Sand ist den Kinderwagen einfach rückwärts zu ziehen oder, was bei einigen Modellen auch geht, den Griff auf die andere Seite schwenken, so dass die kleinen Räder hinten sind. Praktischer sind da schon die Kinderwagen mit großen Rädern, die feststellbar sind. Allerdings haben die meisten dieser Modelle nur drei Räder. Dies schafft eine gute Beweglichkeit, nur in Situationen, in denen das Gewicht allein auf dem vorderen Rad liegt, z.B. wenn man in einen Bus einsteigt, können diese Modelle leichter kippen.
Letztlich gibt es aber auch Kinderwagenmodelle, bei denen man die Räder auswechseln kann, wenn man sich mehrere Sätze kauft.

Möchte ich Luftreifen oder Hartgummireifen?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich fragen, ob man häufig in unebenem Gelände unterwegs sein wird. Geht man z.B. häufig im Wald und auf Feldwegen spazieren, sind Luftreifen von Vorteil, damit man nicht an jeder Baumwurzel hängen bleibt und Erschütterungen gut abgefedert werden. Der Nachteil von Luftreifen ist, dass sie genau wie Fahrradreifen auch kaputt gehen können, man dann mit einem Platten in der Pampa steht und der Kinderwagen bis zur Reparatur ausfällt.
Für die Stadt sind Hartgummireifen günstig, da sie für ebene Fußwege gut geeignet sind und robuster sind als Luftreifen.

Die Bremsen

Grundsätzlich haben alle Kinderwagen eine Feststellbremse, die entweder mit der Hand oder dem Fuß bedient werden kann. Ist das "Bremspedal" mittig unten am Kinderwagen angebracht, passiert es leider relativ leicht, dass man bei schnellem Gehen oder wenn man ein paar Schritte läuft, auf die Bremse tritt. Das kann zu unerwarteten Vollbremsungen führen.
Eine zusätzliche Handbremse benötigt man nur, wenn man in bergigem Gebiet unterwegs ist, da ein Kinderwagen mit Eigengewicht, Kind und Einkäufen einigen Zug entwickelt.

Beweglichkeit des Griffes

Der Griff des Kinderwagens ist entweder abknickbar oder herausschiebbar oder beides. Dabei sollte man darauf achten, dass der Griff so hoch gestellt werden kann, dass man den Kinderwagen bequem schieben kann, ohne sich bücken zu müssen.
Eltern mit langen Beinen sollten darauf achten, dass der Griff weit genug vom Fahrgestell entfernt ist, so dass man seine normale Schrittlänge nicht verkürzen muss. Da man mit Baby grundsätzlich spät dran ist, muss man mit dem Kinderwagen auch schnell gehen können, ohne ständig unten gegen das Gestell zu treten.
Außerdem sollte das Einklappen oder Hereinschieben des Griffes schnell und mühelos funktionieren - es ist immer blöd, wenn man minutenlang den Eingang des Busses oder der U-Bahn versperrt, weil der Kinderwagengriff klemmt.

Verfügt der Kinderwagen über ausreichenden Stauraum?

Unter den meisten Kinderwagen ist unter der Wanne ein Korb angebracht. Dieser sollte leicht zugänglich sein und groß genug für Einkäufe, Windelpakete, Sandspielzeug und Klamotten sein. Diese Liste ist natürlich beliebig erweiterbar, woran ihr merkt, dass man mit Kindern nie zu wenig Stauraum haben kann. Dazu kann man natürlich noch eine Wickeltasche oder ein Netz am Griff befestigen, aber alles, was man nicht selber tragen muss, ist Gold wert und beugt Rückenschmerzen vor.

Lässt sich das Verdeck auch nach vorne öffnen?

Es sieht nicht nur niedlich aus, wenn das Baby auch auf dem Bauch liegen und in Fahrtrichtung schauen kann, es macht neugierige Babys auch zufriedener. Einige Babys sind leider schon im Alter von wenigen Monaten derart unzufrieden damit, in der Wanne liegen zu müssen, dass man Alternativen suchen muss. Die Bauchlage mit Ausblick kann dann eine gute Möglichkeit sein, den Umbau des Kinderwagens zum Sportwagen noch etwas hinaus zu zögern, bis das Kind sitzen kann. Joolz day2 belüftungsnetz

Update:

Die niederländische Firma Joolz hat kürzlich eine Neuerung in diesem Bereich an den Markt gebracht. Bei dem ihrem Model "Day 2" kann man den Außenstoff der Wanne herunterklappen, so dass das Kind auch im Liegen durch ein durchsichtiges Belüftungsnetz rausgucken kann ohne dass es den Kopf sehr weit hochdrücken muss. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das bei den Babies derart beliebt ist, dass diese Neuerung eine echte Empfehlung ist und hoffentlich auch von anderen Herstellern übernommen wird.

Das Equipment

Für Kinderwagen wird jede Menge Zusatzequipment angeboten. Es ist ratsam vor dem Kauf zu vergleichen, welches Zubehör bei den von euch favorisierten Modellen im Preis enthalten ist und wo ihr etwas dazu kaufen müsst.
Was ihr unbedingt braucht, hängt etwas davon ab, in welcher Gegend ihr wohnt. Gibt es bei euch viele Mücken, weil ihr einen See in der Nähe habt, dann ist ein Insektennetz empfehlenswert, in der Hamburger Innenstadt habe ich keins gebraucht. Dringend braucht man einen Sonnenschutz. Je nach Geschmack kann man da zwischen Sonnensegel und Sonnenschirm wählen, wobei das Sonnensegel in der Handhabung etwas praktischer ist.
Genauso erforderlich wie der Sonnenschutz ist der Regenschutz. Der ist allerdings im Regelfall bei den Kinderwagen dabei, da der Überzug meistens an die Form des Kinderwagens angepasst ist.
Meistens werden zu den Kinderwagen auch passende Wickeltaschen angeboten, die man am Griff befestigen kann. Wenn man eine andere Tasche hat, die man mit dem Schulterriemen über den Griff hängen kann, funktioniert das natürlich auch.
Im Winter benötigt man einen Fußsack für den Sportwagen oder ein Lammfell für den Kinderwagen. Ein Kinderwagenmuff am Griff ist bei Minustemperaturen tatsächlich ganz praktisch, weil man dann nicht ständig die Handschuhe an- und ausziehen muss.
Für die Matratze des Kinderwagens braucht ihr passende Laken und eine Nässeschutzeinlage in der passenden Größe macht ebenfalls Sinn. Moltonauflagen kann man entsprechend zuschneiden.

Extrafach für den Regenschutz

Es mag sich banal anhören, aber es ist günstig, wenn man den Regenüberzug in einem Fach am Kinderwagen verstauen kann. Ansonsten lässt man ihn bei schönem Wetter gerne mal zu Hause, wenn man den Korb am Kinderwagen für etwas anderes braucht und dann kann man sich sicher sein, dass man zeitnah in einen fürchterlichen Guss kommt und sich Ewigkeiten irgendwo unterstellen muss oder mit einem völlig durchweichten Kinderwagen nach Hause kommt.

 

Worauf muss ich sonst noch achten?

Sicherheit

Es gibt zwei Prüfsiegel, die ein Kinderwagen aufweisen sollte: Das TÜV-Siegel und das GS-Siegel. Diese Siegel zertifizieren, dass der Kinderwagen die europäischen Sicherheitsnormen sowie Qualitäts- und Sicherheitsstandards des deutschen Produktsicherheitsgesetzes erfüllt.

Schadstoffbelastung

Kauft man seinen Kinderwagen secondhand kann in der Regel man davon ausgehen, dass durch die vorhergehende Benutzung die Schadstoffbelastung nur noch gering ist.
Beim Neukauf lohnt es sich aktuelle Testberichte zu Rate ziehen, da das Kind viel Zeit im Kinderwagen verbringt und auch Mutter und Vater beim Schieben lange direkten Hautkontakt mit den Griffen haben. Gerade in den Bezügen, in den Gurten und in den Griffen werden leider immer wieder giftige Chemikalien gefunden. Stiftung Warentest und Ökotest veröffentlichen in regelmäßigen Abständen entsprechende Testberichte.
Empfehlenswert ist es auf jeden Fall den Kinderwagen vor der Benutzung einige Zeit auslüften zu lassen.

Verschleiss

Dieser Punkt ist besonders interessant, wenn man nicht mit einem Einzelkind plant. Die gesetzliche Gewährleistung beträgt zwei Jahre. Häufige Verschleißerscheinungen, auch bei hochpreisigen Kinderwagen, sind ausgeblichene oder verschmutzte Bezüge, kaputte Räder oder dass sich die Ummantelung der Griffe löst. Günstig ist es daher beim Kauf darauf zu achten, welche Textilteile waschbar sind und dass der Griff wertig verarbeitet ist.  Leider gibt es wenig Langzeittests. Hat man ein Modell in die engere Wahl genommen, kann man sich natürlich noch einmal im Bekanntenkreis oder in Internetforen nach Erfahrungswerten umhören.

Aussehen

Das Aussehen eures Kinderwagens sollte Euch zumindest nicht unwichtig sein, da dieses Accessoire euch eine lange Zeit täglich begleiten wird. Da sollte man es auch mögen!

Frühzeitig bestellen

Eine frühzeitige Bestellung des Kinderwagens ist ratsam, da einige Modelle unerwartet lange Lieferfristen haben. Viele Händler bieten übrigens als Service an, dass man den Kinderwagen dort lagern kann, bis er gebraucht wird.

 

Das ist viel Text geworden, aber ich hoffe, ich konnte euch bei der Suche nach dem perfekten Kinderwagen weiterhelfen. Wenn Ihr noch weitere Tipps habt, dann schreibt sie gerne in die Kommentare!

 

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