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Freitag, 1. Januar 2021

Corona fordert ein Umdenken – Klimaschutz auch!



Dieser Text warTeil der Blogparade von Mumandstillme.

Coronakrise > Klimakrise

Wir schreiben das Jahr 2020 und das öffentliche Leben ist wegen der Corona-Krise weitgehend runtergefahren worden. Versammlungen wurden untersagt, Geschäfte, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. Innerhalb kürzester Zeit wurden einschneidende Maßnahmen getroffen, damit das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht und viele tausend Menschen sterben. Ob die Maßnahmen ausreichen, wissen wir am heutigen Tage noch nicht.

Über Klimaschutz hört man dieser Tage kaum etwas. Wenn dann sind es positive Nachrichten, wie dass die Luftqualität in China sich drastisch verbessert hat, das Wasser in der Lagune von Venedig glasklar ist oder dass an den menschenleeren brasilianischen Stränden seltene Meeresschildkröten schlüpfen.
Ansonsten scheint der Klimaschutz hinter den alltäglichen Sorgen der Menschen in den Hintergrund zu rücken. Klar, wenn die eigene Gesundheit oder die der Liebsten bedroht ist, kann man an wenig anderes denken. Genauso wenn man nicht weiß, ob man sein Unternehmen weiter betreiben kann oder die Miete nächsten Monat bezahlen kann.

Jede Krise muss wie eine Krise behandelt werden

Wenn man auf den sozialen Medien die Profile von Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer verfolgt, kann man eine sehr verständliche Frustration spüren. Die Corona-Krise wird wie eine veritable Bedrohung behandelt, während Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise verschleppt werden, weil die Auswirkungen nicht im gleichen Maße spürbar sind. So hat Greta Thunberg am 11. März 2020 auf Instagram geschrieben:

"We can’t solve a crisis without treating it as a crisis and we must unite behind experts and science.‬ This of course goes for all crises."
(Wir können eine Krise nicht lösen ohne sie wie eine Krise zu behandeln und wir müssen uns hinter Experten und Wissenschaftlern zusammenschließen. Das gilt natürlich für alle Krisen.)

Es ist frustrierend

Bezüglich des vorherigen Verhaltens der Bundesregierung im Angesicht der Klimakrise, ist es geradezu unbegreiflich, wie die Wirtschaft derzeit zurückstehen muss und staatliche Milliardenbeträge im Zuge der Coronakrise bereitgestellt werden. Wieso wird denn nicht auf Wissenschaftler wie die Scientists 4 Future gehört, wenn sie vor einer Gefahr für die menschliche Gesundheit durch die Auswirkungen der globalen Erwärmung warnen?
Sie warnen übrigens auch lange schon vor den indirekten Folgen der globalen Erwärmung. Dazu gehören unter anderem Ernährungsunsicherheit und die Verbreitung von Krankheitserregern und ‑überträgern.
Momentan können sich wahrscheinlich alle sehr gut ausmalen, welche Szenarien uns drohen. Dass das auch nicht gut für die Wirtschaft wäre, versteht sich von selbst.

Die Coronakrise zeigt einfach sehr deutlich, dass es möglich wäre, der Klimakrise mit effektiven Maßnahmen zu begegnen, es aber politisch nicht gewollt ist. Ich finde das wahnsinnig frustrierend. Die entsprechenden Maßnahmen würden nicht halb so schwer in das tägliche Leben von uns allen einschneiden, wie der Lockdown, den wir gerade erleben.

Und was mach ich?

Natürlich frage ich mich auch immer wieder, was ich am besten tun kann, um meine und die Zukunft meiner Kinder etwas positiver zu gestalten. Seit einiger Zeit merke ich, wie die Kinder (unter normalen Umständen) weniger meiner Zeit beanspruchen. Dadurch öffnen sich für mich wieder Freiräume. Tatsächlich habe ich lange überlegt, ob ich mich politisch engagieren soll. Aber die extremen Drohungen und die Feindseligkeiten, die Frauen entgegengebracht werden, die sich öffentlich engagieren, schrecken mich derzeit ab. Nicht einmal, weil ich Angst hätte, sondern weil es mich unverhältnismäßig wütend macht. Ich muss vermutlich einfach noch älter werden, um so etwas gelassener handlen zu können. In den Kommentarspalten von Nachrichtenseiten bin ich schon dazu übergegangen Trollen nur noch ein "+1" zu gönnen.

Cradle to Cradle

Nachdem Politik also ausfiel, habe ich mich dazu entschieden, mich in der Hamburger Regionalgruppe von Cradle to Cradle zu engagieren. Vor zwei Jahren habe ich einen Flyer auf dem Hamburger Heldenmarkt bekommen und all die lange Zeit lag der hier, weil ich das Konzept für spannend und zielführend halte.

Cradle to Cradle ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich für eine konsequente und durchgängige Kreislaufwirtschaft einsetzt. "Cradle to Cradle" bedeutet wörtlich übersetzt "Von der Wiege zur Wiege". Bisher werden Rohstoffe der Erde entnommen, ein Produkt wird erzeugt, es wird weggeworfen und eventuell überlegt am Ende noch jemand, wie aus diesem Müll noch unter hohem Aufwand Rohstoffe (von meist minderwertiger) Qualität wiedergewonnen werden kann. Ein Zyklus von der Wiege ins Grab. Bei einem Zyklus von der Wiege zur Wiege wird gleich beim Produktdesign angesetzt und schon von Beginn an überlegt, wie die Materialien am Ende des Produktlebens zur Gänze wiederverwertet werden können. Dies umfasst die Nutzung erneuerbarer Energien und Vermeidung der Verwendung von Stoffen, die für Mensch und Umwelt schädlich sind. Folgekosten werden also gleich bei der Entwicklung eines Produkts in Ansatz gebracht und weitestgehend vermieden.

Es ist eine positive Denkweise, die erstmal alles für möglich hält und der Menschheit -trotz allem- viel zutraut. Es wird sich nicht damit zufrieden gegeben etwas weniger schlecht zu machen, wenn man es auch gut machen könnte. Das finde ich rundweg sympathisch und kann damit gut arbeiten.

https://youtu.be/g1tIGLy3PHw

Change the system

Natürlich ist es gut, wenn jeder im täglichen Leben und im eigenen Haushalt darauf achtet, sich umweltschonend zu verhalten. Ich halte es aber für unbillig, allein dem Verbraucher die Verantwortung für Klima- und Umweltschutz aufzubürden. Außerdem sind die Auswirkungen zu gering. Vielmehr ist ein Umdenken in der Industrie notwendig, um wesentliche Änderungen zu erreichen.

An diesem Punkt setzt Cradle to Cradle an, in dem die NGO Öffentlichkeitsarbeit für konsequente Kreislaufwirtschaft macht. Es wird an Schulen, bei Veranstaltungen, bei Talks und Diskussionen berichtet, wie es gelingen kann, dass Menschen Nützlinge auf diesem Planeten werden und ihm (und sich selber) nicht immer weiter schaden. In den Regionalgruppen finden sich Aktive aller Fachrichtungen zusammen. Als Juristin und Fitnesstrainerin bin ich zwar eine Exotin in unserer Regionalgruppe, aber natürlich kann ich auch etwas beisteuern und sei es nur Social Media Expertise. Es ist aber auch eine Stärke von Cradle to Cradle, dass sich nicht nur (aber auch) Chemiker, Physiker und Umwelttechniker zusammen tun, sondern interdisziplinär gedacht wird.

Thematisch arbeiten

Bei Cradle to Cradle gibt es neben den Regionalgruppen weitere überregionale, themenspezifische Bündnisse. Besonders aktiv ist zum Glück das "Bündnis Bau und Architektur", denn laut Statistischem Bundesamt fällt mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland in der Bauindustrie an.
Dadurch dass ich selber nähe, interessiere ich mich aber für Textilverarbeitung und Fair Fashion. Daher habe ich mich dem "Bündnis Textil" angeschlossen. Als interessierter Laie muss ich mich da aber definitiv noch weiter reinhören und -lesen.

Gute Energie

Persönlich finde ich extrem bereichernd, wieder Teil einer Gruppe zu sein, die zusammen für ein gemeinsames Ziel arbeitet. Ich war schon immer in meinen Sportvereinen aktiv oder in Arbeitsgemeinschaften in Schule oder Uni. Während der Zeit mit Kleinkindern ist mir das unmerklich weggebrochen. Zum Vermissen war aber auch keine Zeit. Umso froher bin ich, jetzt wieder etwas gefunden zu haben, wo ich mich in einer Gruppe gleichgesinnter engagieren kann. Momentan habe ich noch eine 6-monatige Schnuppermitgliedschaft, aber ich kann mir gut vorstellen, darüber hinaus weiter daran mitzuarbeiten, Hamburg nachhaltiger aufzustellen.

Klimaschutz vor Ort

Nebenbei lernt man übrigens auch viel über die eigene Stadt. Nicht nur, weil man mit vielen spannenden Menschen zusammenkommt, sondern auch weil die Cradle to Cradle-Regionalgruppe mit vielen weiteren Initiativen vernetzt ist. Von vielen habe ich vorher noch nie etwas gehört, obwohl oft extrem innovative, inklusive, wertschätzende und/oder nachhaltige Ansätze dahinter stecken. Wenn ihr euch also auch engagieren wollt, empfehle ich euch mal den Kopf in die Aktivisten-Blase zu stecken und euch mitreißen zu lassen!
Für ein ersten Kennenlernen empfehle ich die Aktivoli-Freiwilligen-Börse in Hamburg, den Heldenmarkt oder hört euch doch einfach mal in eurer Nachbarschaft um getreu dem Motto: Think big, act small, start now.

Globaler Klimastreik von zu Hause

Die nächste Aktion, bei der man ganz einfach von zu Hause aus mitmachen kann, ist der globale Klimastreik von Fridays for Future. Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu reduzieren und gerade auch die älteren Teilnehmer der Bewegung zu schützen kann der Protest nicht, wie gewohnt auf die Straße getragen werden. 

In Zeiten des physical distancing streikt man eben online. Tragt euch hier in die Streikkarte ein und hängt am 24.04. euer Plakat oder Transparent gut sichtbar am Fenster, am Balkon, am Briefkästen, am Arbeitsplatz oder im Ladeneingang auf. Ein Bild davon platziert ihr dann einfach noch auf Facebook, Instagram oder Twitter und schon seid ihr dabei beim #NetzstreikFürsKlima.

Tschüss Kindershampoo, hallo Haarseife!



Haare waschen ist bei meinem Kindern leider genauso unbeliebt wie in allen Kindergenerationen vor ihnen. Das Shampoo brennt in den Augen, das Auswaschen ist blöd und danach muss man sich auch noch kämmen. Wir haben deshalb lange versucht, es den Kindern möglichst angenehm zu machen, um die Dezibelzahl gering zu halten. Es gibt zuhauf Shampoos zu kaufen, die versprechen, die Augen zu schonen, die Haare leicht kämmbar zu machen, die nach Erdbeere duften und Prinzessinnen, Feuerwehrleute und Superhelden featuren. Hatten wir alles.

Leider hat das alles nicht dazu geführt, dass wir ohne viel Geschrei Haare waschen konnten. Nachdem ich also die Sinnlosigkeit solcher Maßnahmen eingesehen habe, ist mir aufgegangen, dass wir dann ja gar kein Shampoo in Plastikflaschen mehr brauchen.

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Fast unverpackt eingekauft

Jetzt haben wir wieder einen kleinen Schritt gemacht, um den Plastikmüll, der in unserem Haushalt anfällt zu reduzieren. Ich habe meinen Kindern im Unverpackt-Laden einen Haarseife gekauft. Ich habe lange die Duftnoten verglichen und mich dann für das geringste Übel entschieden. Aus einem großen Glas habe ich mit einer Zange ein Stück Seife gefischt. Dazu habe ich noch eine Scheibe getrocknete Luffa-Gurke mitgenommen, damit ich die Seife auch artgerecht halten kann und sie nicht ständig nass und glipschig ist. Wenn einen der Sinneswandel spontan überkommt, stellen die Unverpackt-Läden übrigens auch eine kleine Papiertüte bereit. Ich habe mich zwar geschämt, musste aber immerhin nicht noch einmal anreisen.
Zu Hause habe ich die Luffa-Scheibe in ein wenig bespieltes Holzschiffchen meiner Kinder gedrückt und so an der Duschkopf-fernen Seite der Badewanne platziert, dass sie nicht ständig nass wird.

Eine Stück Haarseife, das eher etwas kleiner ist als die gewöhnlichen Stücke Handseife, soll ca. 60 Haarwäschen reichen. Das kam bei uns auch ungefähr hin. Man muss nur aufpassen, dass das Seifenschiffchen nicht beim Planschen mit versenkt wird. Aber selbst dabei verliert man weniger von der Haarseife, als wenn die Kinder mal mit Schmackes auf die Shampooflasche drücken, um Riesenschaumberge zu machen.

Schritt für Schritt

Wir hatten zwischenzeitlich schon auf das Kinder-Shampoo von Weleda umgestellt. Das ist zumindest frei von synthetischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sowie auch gerade von den bedenklichen Rohstoffen auf Mineralölbasis. Aber auch hier war die Öffnung in der Verpackung nicht kleiner als bei Erwachsenen, obwohl man natürlich weniger Shampoo benötigt. Und wenn man als Erwachsener schon immer zu viel Shampoo aus der Tube herausdrückt, könnt ihr euch vorstellen, wie das bei Kindern aussieht, die sich auf Teufel komm raus selber die Haare waschen möchten. Außerdem bleibt natürlich die Plastikverpackung und der Unsinn, dass der Hauptbestandteil von Flüssigshampoo Wasser ist. Der Seife wird also Wasser zugesetzt, damit man sich in der Dusche damit die Haare einshampooniert. Das bedeutet mehr sinnloses Gewicht und Volumen beim Transport des Shampoos, wodurch wiederum mehr CO2 erzeugt wird, als wenn man eine feste Seife benutzt.

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Plastik innen und außen

Kürzlich hat ÖKO-TEST Kindershampoos getestet und das Ergebnis war ziemlich bedrückend. Viele Kindershampoos erhalten Notenabzug, weil in ihnen PEG oder PEG-Derivate stecken. Diese werden zum Beispiel als Reinigungssubstanzen eingesetzt oder sorgen für die Schaumentwicklung. Sie können die Haut aber auch durchlässiger für Fremdstoffe machen, was bei der dünnen Kinderhaut doppelt blöd ist.
Gleichzeitig enthalten die meisten Shampoos im Test synthetische Polymere. Das kann Mikroplastik sein, aber auch flüssiges oder gel-artiges Plastik, das so ins Wasser gelangt. Neben den Naturkosmetikprodukten waren nur sehr wenige konventionelle Shampoos frei davon.

Nicht mehr Gemecker als sonst!

Die Umstellung von Shampoo auf Haarseife verlief ganz reibungslos bei uns. Da meine Kinder auch bei angeblich supersoften Kindershampoos heulen, weil es in den Augen brennt, gab es in der Hinsicht keinen Unterschied. Allerdings finden meine Kinder bunte Plastikflaschen und riesige Schaumberge auch gut. Die Große ist mit sechs Jahren aber schon in einem Alter, in dem sie versteht, dass weniger Plastik besser ist. Die Lütte hat mit ihren zwei Jahren gesagt: "Oh! Eine Blume!" und dann war das Thema gegessen.
Man sollte es sich aber ersparen, sich mit den Kindern vor das bunte Regal im Drogeriemarkt stellen und sie fragen, was sie haben wollen. Dann hat man es natürlich schwer.

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Schön, finde ich an Haarseifen übrigens auch, dass sie genderneutral sind. Kindershampoos sind leider oft schon in Prinzessinnen und Fußballer aufgeteilt. Ökotest wirft zu Recht die Frage auf, ob gegenderte Kinderprodukte schon den Eindruck erwecken, Frauen benötigten zwingend andere Kosmetikprodukte als Männer. Das Frauen später mehr für das gleiche Produkt zahlen müssen, bemängelt insbesondere Pinkstinks seit Jahren.

Was Hänschen nicht lernt...

Ich habe mich mit der Umstellung auf Haarseife übrigens viel schwerer getan und mein Mann weigert sich noch immer. Mein Problem mit den festen Shampoos war bisher, dass ich mit dem Duft nicht klar kam. Wenn man so ein Glas mit Seifenstücken drin öffnet, duftet es natürlich sehr intensiv. Oft sind es auch starke Duftnoten, wie Rose oder Lavendel, die ich ohnehin nicht mag. Für die Kinder hatte ich eine Meersalzseife gewählt - fast ohne Duft.
Nach 40 Jahren mit angenehm duftenden Shampoo aus Plastikflaschen musste ich mir einen ziemlichen Tritt geben. Zumal ziemlich lange Seife nicht fancy war, sondern irgendwie altbacken. Als Teil der Generation, die von Werbung in den 80ern total gebrainwashed wurde, muss man sich da erstmal schütteln.

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Auf dem Heldenmarkt in Hamburg habe ich dann aber tatsächlich eine Seife mit leichtem Apfelduft von Unicorn gefunden, den ich angenehm fand. Als Gimmick dazu habe ich eine kleine Seife in einer Box aus Flüssigholz für unterwegs bekommen. Das ist natürlich praktisch, wenn man mal mit kleinem Gepäck fliegt, weil man das Seifenstück nicht eintüten muss.
Jetzt habe ich also auch umgestellt und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Auch mit langen Haaren kein Problem!

Achtsamkeit beim Shopping

 


60 Kleidungstücke pro Jahr

Laut Greenpeace kauft jeder Deutsche rund 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Sechzig.
Das sind fünf Kleidungstücke pro Monat. Ein Teil pro Woche.
Das möchte ich für mich nicht. An diesem unmäßigen Konsum hängen so viele Chemikalien dran, die in Flüsse geleitet werden, so viele Frauen und Kinder, die für einen Hungerlohn nähen müssen, so viele vergeudete Rohstoffe. Ehrlicher Weise hätte ich aber auch gar nicht ganz genau sagen können, wie viel ich wirklich in einem Jahr kaufe. Deshalb war mein guter Vorsatz im letzten Jahr, dass ich nur sieben Kleidungsstücke für mich kaufen möchte. Dass ich achtsam einkaufe.

Shopping-Verzicht

Das Jahr ließ sich ganz gut an. Tatsächlich hatte ich nicht das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Da war auch kein Jieper, jetzt dringend los zu gehen und etwas kaufen zu müssen. Klamotten-Shopping ist tatsächlich auch ätzend, solange man kleine Kinder hat. Die Zeit, die man früher für einen gemütlichen Einkaufsbummel hatte, ist einfach nicht mehr über. Internetshopping nervt auch, weil man schon bei der Suche so viel Zeit verschwendet und dann noch die blöden Pakete hin und her schicken muss.
Ich habe übrigens auch nicht extra-viel für mich genäht. Da hatte ich natürlich auch wieder kaum Zeit zu und wenn ich dazu komme, haben Kindersachen meist Vorrang.

Der Jahreseinkauf

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Nachricht in meiner Jacke

Das erste Teil habe ich im Februar im Urlaub an der Nordsee gekauft. Ich hab schon sehr lange eine leichte Winterjacke für den Hamburger 10° Grad-Winter gesucht und bin im Schlussverkauf fündig geworden. Nicht bio, nicht fair, aber zumindest nicht von Kindern hergestellt und vegan, also ohne Fellkragen.
Dann hab ich mir mal zwei neue BHs geleistet und war aus purer Faulheit  und Zeitknappheit bei H&M.
Mitten im Sommer ist mir dann aufgefallen, dass ich einen neuen Bikini brauche. Da hab ich zumindest versucht online einen nachhaltig hergestellten Bikini zu kaufen. Leider waren die im Juli in Deutschland ausverkauft. Da es dann auch keinen Sinn macht, sowas aus dem Ausland liefern zu lassen, hab ich dann einen ganz normalen bei einem Hamburger Versandhaus bestellt.
In den Herbstferien hatte ich dann Zeit für einen richtig schönen Shoppingbummel in Holland. Ich habe ein Kleid für eine anstehende Hochzeitsparty mitgenommen, einen Sweater und eine Strickjacke. Da habe ich dann auch Ernst gemacht und bio und/oder fair gekauft. Dummerweise war dann mein Kontingent für das Jahr voll. Leider hatte ich noch ein Kleid anprobiert, das nix für eine Hochzeit war, aber super saß und ganz weich und fair und bio war. Ich habe zwei Wochen drüber nachgedacht und dann gecheated. Das Kleid habe ich mir vom Mann zu Weihnachten gewünscht. Aber dafür gab es dann eben nichts Anderes. Fand ich legitim.
Es waren also genau genommen acht Teile in 2018.

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Achtsamkeit erreicht

Viel interessanter ist aber eigentlich, was die selbst gesetzte Begrenzung mit einem macht. Bei jedem Kauf habe ich viel genauer nachgedacht, ob ich das Teil wirklich brauche. Wenn ich nur überlege, ob ich sowas schon habe, es haben möchte und ob ich es mir leisten kann, dann ist ein Kleidungsstück deutlich schneller gekauft. Wenn ich mir aber überlege, ob dieses Teil es wert ist, eins der sieben Kleidungsstücke zu sein, die ich in diesem Jahr kaufe, dann hängt man doch eine ganze Menge nochmal wieder zurück. Die rein mengenmäßige Beschränkung hat also tatsächlich zu mehr Achtsamkeit beim Shopping geführt.
Gleichzeitig habe ich mehr auf die Qualität der einzelnen Stücke geachtet und ob sie fair und/oder bio hergestellt wurden. Wenn man nur wenig kauft, kann es natürlich sein, dass man mehr Budget frei hat. Ich muss allerdings sagen, dass ich überrascht war, dass die nachhaltigen Kleidungsstücke nicht so teuer waren, wie ich gedacht hätte, sondern eher im normalen preislichen Rahmen lagen.
Auf jeden Fall behält man aber den genauen Überblick, wie viel man wirklich im Jahr so kauft. Am Ende kocht aber alles wieder darauf herunter, dass man bei jedem Kauf darauf achten sollte, wem man sein Geld wofür gibt.
Und nicht vergessen: Die nachhaltigste Kleidung ist die, die oft getragen wird und lange hält.

Der gute Vorsatz

 


Vorsätze an und für sich

Das neue Jahr ist schon einige Tage alt und im Freundeskreis habe ich von ernsthaften Neujahrsvorsätzen eigentlich nichts gehört. Mit Ende 30 muss es nicht mehr alles schneller, weiter, besser sein. Viele arrangieren sich mit einem kleinen Bäuchlein. Rauchen tut sowieso niemand mehr. Mehr Sport ist immer gut, aber man tut sowieso schon, was neben Familie und Arbeit möglich ist. Es ist nicht so einfach "den" guten Vorsatz zu finden.
Aber eine Sache gibt es da doch: Ich würde gerne nachhaltiger leben.

Dahinter steht natürlich, dass ich die Erde gerne gesund halten würde, damit hier noch lange Menschen fröhlich leben können. Mir ist klar, dass es im Vergleich wenig ändert, wenn ich allein etwas umstelle. Dass so ein Beitrag nicht ins Gewicht fällt, wenn die Industrien weiter Müll und Abgase produzieren wie bisher. Dass es niemanden kümmert, wenn die Bienen ausgestorben sind und ich aber Bio-Gurken gekauft habe.

Trotzdem möchte ich mich gerne von anerzogenen, angenommenen oder von der Werbung aufgedrückten Gewohnheiten verabschieden, die ich für mich als schlecht erachte. Ich bin ungern in dieser Weise fremdbestimmt. Suchthaftes Verhalten, das mir eigentlich zu wider ist, möchte ich gerne ablegen, wenn ich es erkannt habe.

In letzter Zeit geht mir Shopping auch immer mehr auf den Keks. Gar nicht so sehr der Prozess an sich, sondern die Fülle von Dingen, die einen belasten. Gerade der ständige Kauf von neuer Kleidung, die eigentlich nicht gebraucht wird, stört mich in letzter Zeit immer mehr. Dadurch, dass man in der Elternzeit eigentlich kaum in die Innenstadt geht, wird man zum Glück schon etwas entwöhnt. Online-Shopping von Klamotten nervt mich sowieso latent, weil die Rücksendequote bei mir relativ hoch ist. Entweder Farbe und Qualität weichen von meinen Erwartungen ab oder es passt einfach nicht. Dazu kommt, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr jedem Trend folgt und dass es auch weitgehend egal ist, was man trägt, wenn man stundenlang auf dem Spielplatz rumsteht. Hauptsache man friert nicht. Der Plan ist also das Mombie-Syndrom positiv zu nutzen und das Shoppingverhalten nicht wieder umzustellen.

Letztens habe ich irgendwo in den sozialen Medien einen Post von jemandem gesehen, der im letzten Jahr nur sieben Kleidungsstücke gekauft hat. Das fand ich gut. Auch die Anzahl. Sieben. Das scheint irgendwie machbar zu sein. Das sollte alles abdecken, was man dringend ersetzen muss und dazu noch ein oder zwei Spaßteile. Dazu kommt, dass es einfacher ist gute Vorsätze einzuhalten, wenn sie konkret formuliert sind.

7 Teile

Das ist er also, mein guter Vorsatz für 2018: Ich möchte nicht mehr als sieben neue Kleidungsstücke kaufen. Und ich werde jetzt keine Kleidungskategorie, wie Schuhe, Unterwäsche oder Sportkleidung für den Job ausschließen. Kann sein, dass das nicht klappt, aber ich möchte gerne so anfangen. Ich bin übrigens in der komfortablen Situation, dass ich mir auch etwas nähen kann, wenn ich möchte.
Meine Hoffnung ist, dass ich, wenn ich nur sieben Teile p.a. kaufe, eher fairwear kaufe, auch wenn das etwas teurer ist. Das kann aber auch in die Hose gehen und vielleicht muss ich auch etwas Hochmodisches kaufen, wenn ich schon nur so wenig kaufen "darf". Ich bin gespannt, ob ich mit Entzugserscheinungen zu tun haben werde.
Eine Überlegung ist auch ein monatlich einen bestimmten Betrag zur Belohnung auf ein eigenes Konto zu überweisen und am Ende des Jahres etwas Schönes damit zu unternehmen. Belohnungen sind bei mir sehr wirksam.

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Das letzte Jahr

Im letzten Jahr war mein guter Vorsatz jeden Tag einen Instagram-Post zu verfassen. Das hat bis auf eine handvoll Tage geklappt und ich bin mir ziemlich sicher, dass es besser geklappt hat, als wenn ich mir vorgenommen hätte "mehr auf Instagram zu posten". Im letzten Jahr habe ich auch schon dran gearbeitet etwas umweltbewusster zu leben. Dazu habe ich ein paar Sachen umgesetzt, die keines Vorsatzes bedurften, weil sie eigentlich keinen Aufwand dargestellt haben.

  • Ich habe die Bahn wieder für mich entdeckt. Gerade nach Leipzig oder Berlin geht es schneller als mit dem Auto und das reisen war deutlich entspannter. Ohne Kinder hat man ungestört Zeit zum Lesen, Schlafen oder Arbeiten. Mit Kindern kann man Spielen, Lesen und sich bewegen. Außerdem wird meiner Großen regelmäßig schlecht im Auto, so dass sie wirklich dankbar ist, wenn wir mit der Bahn reisen.
  • Endlich, endlich, endlich habe ich alle unsere Getränke von Tetra-Paks auf Pfandflaschen aus Glas umgestellt. Wobei ich sagen muss, dass es mich ärgert, dass unsere Supermärkte hier Bio-Milch nur in Tetrapaks führen und ich die deshalb immer noch manchmal mitnehme.
  • Wir haben unseren Amazon-Prime-Account gekündigt, weil wir auf Netflix umgestiegen sind und ich muss sagen, dass es nebenbei zu einer spürbar verminderten Bestellrate geführt hat. Eigentlich versuche ich sowieso in Läden in der Umgebung zu kaufen, aber mit der Versandflatrate bestellt man doch mehr als ohne.
  • Alufolie hab ich auch nicht mehr gekauft und bis Weihnachten ist es niemand aufgefallen. Da hat der Mann einmal gefragt und es dann irgendwie anders gelöst. Frischhaltefolie hab ich im letzten Jahr auch schon nicht mehr gekauft, aber da haben wir noch welche. Aber ich vermute, die wird auch niemand ernstlich vermissen, wenn die Rolle leer ist.
  • Apropos Alu. Als jemand, der viel Sport treibt, fand ich es nicht so einfach, wieder auf Deo ohne Alu umzusteigen. Deshalb habe ich mir für besondere Anlässe noch eins mit Alu in der Hinterhand behalten. Das ist jetzt am Ende des Jahres aber noch halb voll, so dass ich jetzt auch ganz auf die Alternative ohne Aluminiumsalze umsteigen kann.
  • Unsere Fonds-Anlagen für die private Altervorsorge haben wir in einem ersten Schritt zumindest hälftig umgestellt. Ich war schlichtweg überrascht, dass Banken Anlagegelder z.B. auch in die Waffen- und Pornoindustrie investieren. Das war extrem blauäugig von mir, aber wir haben jetzt begonnen uns andere Anlagemöglichkeiten zu suchen, die das und viele andere Dinge wie Atomenergie ausschließen. Leider sind auch Firmen wie Monsanto und Nestlé in den meisten Fonds standardmäßig vertreten, aber auch solche Anlagen kann man umgehen. Macht Euch doch mal den Spaß und befragt Euren Anlageberater dazu.
    Podcasts zum Thema findet Ihr z.B. beim Finanzoptimisten.
  • Ein Auto haben wir zwar noch, aber wieder einen Benziner. Viel bewegt wird der nicht, aber solange die Kinder noch klein sind und weil wir einige Hobbies mit viel Gepäck haben, sind wir noch zu bequem, um auf das Auto zu verzichten.
  • Einige Sachen habe ich einfach weiter nicht gekauft. Getränkedosen. Plastikpfandflaschen. Tüten. To-Go-Becher (habe ich mir im letzten Jahr jetzt auch auf der Autobahn verkniffen, was immer die Ausnahme war). Nestlé-Produkte: Es gab kein Schöller-Eis im Sommer, keine Smarties auf dem Geburtstagskuchen, keine Hertha-Wurst, meine Mutter kauft kein Vittel mehr. Das sind Dinge ohne die ich gut leben kann

Die guten Pläne 2018

Solche Pläne die im nächsten Jahr umgesetzt werden, habe ich auch für 2018 wieder:

  • Beim Nähen werde ich darauf achten, Bio-Stoffe zu kaufen und nicht mehr einfach möglichst günstig kaufen.
  • Checken, ob es Sinn macht bei Kilenda, Kindoo oder Tchibo Share die Klamotten für die Kinder zu leihen.
  • Noch mehr Bahnfahren, vielleicht auch mit der ganzen Familie.
  • Das Fairphone werde ich ernsthaft mit in die Smartphoneauswahl miteinbeziehen.
  • Auf Menstruationstassen umsteigen. Da scheine ich wieder einen Trend verpasst zu haben, aber besser spät als nie. Und keine Angst: Ich werde nicht berichten!

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Was aus dem guten Vorsatz geworden ist, könnt ihr hier nachlesen!

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