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Sonntag, 20. Dezember 2020

Faszientraining im Wasser - ideal für Mütter!



Seit November 2016 wird in Hamburger Schwimmbädern auch Faszientraining angeboten. Faszien waren in den letzten Jahren eines der Schlagworte im Fitnessbereich. Ich habe den Aqua-Faszio-Kurs im Festland für euch ausgiebig getestet und bin begeistert!

Faszien

Faszien, Faszienanzug, Faszio
© 2016 by VTF Hamburg/Germany (Melanie Harms, Silke Warm)

Viele Freizeitsportler haben nur eine wage Vorstellung davon, was mit Faszien überhaupt

gemeint ist und wie man sie trainiert. Hauptsächlich kommen einem dabei Menschen in den Sinn, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht über eine Hartschaumrolle wälzen.

Die Faszien sind das Bindegewebe, das die Muskeln umschließt. Das Fasziennetz zieht sich durch den ganzen Körper über Muskeln, Sehnen und Knochen. Sehr anschaulich ist es, wenn man sich eine Hähnchenbrust zubereitet und die Silberhaut wegschneidet. Das ist das Fasziengewebe.

Probleme nach der Schwangerschaft

Gesunde Faszien haben eine feine netzartige Struktur. Leider neigt das Gewebe dazu zu verkleben, was sehr unangenehm und schmerzhaft sein kann.
Ich war lange Jahre Basketballerin. Beim Basketball macht man viele Bewegungen, die in die Extreme gehen. Man macht sich ganz lang, springt möglichst hoch und sprintet. Der Körper ist es gewohnt lang, weit und offen zu sein.
Nach meiner zweiten Schwangerschaft war das alles weg. Ich habe mich wie eine alte Frau gefühlt. Unfassbar unbeweglich. Irgendwann hatte ich sogar Probleme, mich beim Aufstehen aus dem Sitzen in den Stand zu strecken. Gewohnheitsmäßig habe ich angenommen, dass mit dem unteren Rücken wieder irgendetwas im Argen liegt. Das war es aber nicht.
Irgendwann habe ich herausgefunden, dass sich durch zu wenig Bewegung der Hüftbeuger sehr verkürzt hatte und mein frontales Fasziengewebe stark verklebt war. Das Ganze fühlt sich an, als wenn jemand die Vorderseite deines Körpers zu straff gespannt hat. Das Pilatestraining, das ich nach der Rückbildung angefangen hatte, brachte da auch überhaupt keine Abhilfe, sondern hat diese Problematik eher verschlimmert. Eine Massage des Fasziengewebes durch meinen Physiotherapeuten war extrem schmerzhaft, hat aber, zumindest zeitweilig, unmittelbare Verbesserung gebracht. Es ist ein gutes Stück Lebensqualität, das man zurück erhält, wenn man morgens einfach wieder aus dem Bett springen kann.

Aqua-Faszio

Ende letzten Jahres habe ich gesehen, dass jetzt auch das Hamburger Bäderland in Kooperation mit "FASZIO" Faszientraining anbietet. Da das auch zu einer familienkompatiblen Zeit (um 20 Uhr) im "Festland" bei mir um die Ecke angeboten wird, habe ich mich ohne Umschweife angemeldet. Ein Kurs umfasst vier Termine und kostet 34,40 Euro.

Schwimmbad Hamburg Festland Bäderland

Aqua-Gymnastik hat leider landläufig noch immer das Image eines Oma-Sports. Man stellt sich ältere Damen mit Blumenbadekappen, riesigen Badeanzügen und Nasenklammern vor, die im Wasser stehen und auf keinen Fall oberhalb der Schulter mit Wasser in Berührung kommen. Davon stimmt beim Aqua-Faszio nur, dass es empfehlenswert ist, einen Badeanzug zu tragen und dass wir im Kurs tatsächlich unter Frauen waren. Auch ich habe mir nach über 20 Jahren wieder einen Badeanzug zugelegt, weil Bikinis bei diesem Kurs einfach nicht standhalten. Falls man übrigens, wie ich, nach der Geburt noch nicht wieder bei der Idealfigur angekommen ist, sollte man sich, direkt bevor man zum Kurs geht, in einer Kaufhaus-Umkleidekabine mit Neonlicht in einen Sportbadeanzug quetschen. Das setzt ungeahnte Energien für das Training frei.

Den Aqua-Faszio-Kurs kann ich besonders allen ans Herz legen, die als Kind gerne schwimmen und planschen waren und es jetzt irgendwie langweilig finden, ewig Bahnen zu schwimmen. Die Übungen sind ungewohnt vielfältig. Gerade für Eltern ist der Kurs auch super, weil man immer noch irgendwelche Tricks lernt, mit denen man die eigenen Kinder beim nächsten Schwimmbadbesuch verblüffen kann.
Beim Faszientraining soll die Beweglichkeit gefördert werden und dazu wendet FASZIO sieben Strategien an: Stabilität, propiozeptive Kraft, Elastizität, Geschmeidigkeit, Dehnfähigkeit, lösende Techniken und Regeneration.

In der Praxis sieht das dann so aus, dass intervallmäßig trainiert wird und die Intensität der Übungen je nach Schwerpunkt stark variiert. So ist man gerade noch dabei ein Schwimmbrettchen über kurze Distanz und unter vollem Krafteinsatz unter Wasser mit den Armen von rechts nach links zu pumpen, während man in der nächsten Übung aufgefordert ist, auf selbigen Schwimmbrettchen in den Vierfüßlerstand zu gehen. Im Wasser versteht sich. Als nächstes lernt man, wie man sich am besten auf ein Brettchen wirft, um eine Fontäne zu erzeugen, die bis an die Decke spritzt. Im Anschluss darf man bis zur Hüfte aus dem Wasser springen und alles schütteln was man hat. Man ist auf jeden Fall gefordert und zwar nicht nur konditionell, sondern besonders auch in der Umsetzung der Bewegungen.
Außerdem ist es wahrscheinlich der einzige Kurs in dem man endlich mal eine Arschbombe in den Kurspool machen darf! YAY!

Einziges Manko an dem Kurs ist, dass er wie die meisten Bäderlandkurse nur mit vier Terminen angeboten wird. Zum Ausprobieren ist die kurze Kurslaufzeit natürlich super. Leider kann man sich meistens nach dem ersten Kurstermin schon nicht mehr für den Folgekurs anmelden, weil der zu dem Zeitpunkt dann schon ausgebucht ist. Da wäre trainingsmethodisch eine längere Kurslaufzeit wünschenswert.

Aquagym, AquaFaszio, Faszientraining, Faszio 
© 2016 by Heike Oellerich und Miriam Wessels. All rights reserved.

Warum für Mütter?

Wenn man in der ersten Zeit mit Baby ähnlich an Bewegungsmangel leidet wie ich und die langen Strecken, die man mit dem Kinderwagen zurücklegt, einfach nicht ausreichen, dann hungert man danach, sich wieder richtig zu bewegen. Gerade Laufen und Springen kommen aber nicht in Frage, da nach der Geburt der Beckenboden oft noch schwach ist. In Aqua-Fitness-Kursen kann man aber gerade diese Bewegungen auch schon wieder ausführen, da der Wasserauftrieb das Körpergewicht bis auf ein Zehntel gegenüber dem Gewicht an Land verringert. Das Training im Wasser schont durch die fehlende Schwerkraft nicht nur die Gelenke und die Wirbelsäule, sondern auch den Beckenboden.

Das Kursformat ist also eine echte Empfehlung für alle, die nach der Entbindung mit Beckenbodenproblemen oder Übergewicht zu kämpfen haben und sich aber mal wieder richtig auspowern möchten!


Tipp:

Wenn ihr mal an einem Kurstermin nicht teilnehmen konntet, stellt euch das Bäderland aus Kulanz eine Freikarte aus. Dazu müsst ihr einfach beim Service-Telefon des Bäderlands unter 040 / 18 88 90 anrufen und dann bekommt ihr das Ticket zugemailt.

Das gilt übrigens für alle Aqua-Kurse, also auch beim Schwangeren- oder Babyschwimmen!

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Brauche ich eine Hebamme im Wochenbett




Seit einiger Zeit ist es schwierig, eine Hebamme für die Betreuung nach der Geburt zu finden. Daher wird von Schwangeren immer öfter die Frage gestellt: Brauche ich überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Nicht nur von Erstmüttern, die noch gar nicht genau wissen, was da auf sie zu kommt. Diese Frage habe ich auch schon von Freundinnen gehört, die ihr drittes Kind erwarteten. Nach dem Motto: Das Baby könne man ja auch alleine wiegen.

Es geht bestimmt auch ohne Hebamme. Sollte es aber nicht!

Die Krankenkasse zahlt

Damit Hebammenversorgung kein Luxus ist, den sich nur wohlhabende Familien leisten können, werden in Deutschland die allermeisten Hebammenleistungen von den Krankenkassen getragen. So hat man bis zum 10. Tag nach der Geburt Anspruch auf mindestens einen täglichen Besuch durch die Hebamme und weitere 16 Besuche bis zur zwölfen Lebenswoche des Kindes. Auch bei Still- oder Ernährungsproblemen kann man darüber hinaus noch die Hilfe seiner Hebamme in Anspruch nehmen. Um das Finanzielle braucht man sich also keine Sorgen machen.
Selbst wenn Kinderarzt und Gynäkologe erreichbar sind, ist es gerade im Wochenbett ein unschätzbarer Vorteil, wenn jemand zu einem nach Hause kommt. Im Wochenbett steht die Welt kopf und teilweise ist man in den Tagen nach der Geburt noch nicht wieder besonders mobil.

Neugeborenenversorgung

Natürlich ist es für die frischen Eltern das Wichtigste, dass sich die Hebamme um das Neugeborene kümmert. Sie überprüft, ob euer Baby im richtigen Rahmen zunimmt, ob der Nabel gut abheilt, ob das Baby an Neugeborenengelbsucht leidet und wie sich das Kind allgemein entwickelt.
In den ersten Lebenstagen unterstützt die Hebamme euch auch dabei, dass eine liebevolle Bindung zu dem neuen Familienmitglied entsteht. Das hört sich so einfach an, aber auch hier haben Hebammen wertvolle Tipps, wie das Bonding gut klappt und sich euer Baby bei Euch sicher und geborgen fühlt.
Beim ersten Kind oder auf Wunsch weist die Hebamme die Eltern auch in die Säuglingspflege ein und zeigt einem ein paar Kniffe und Griffe beim Wickeln, Beruhigen, Massieren und auch bei Babys erstem Bad.

Still- und Beikostberatung

Auch wenn es immer so friedvoll und schön aussieht, kann Stillen leider ziemliche Probleme bereiten. Zu Anfang kann es sehr schmerzen, es kann Probleme mit der Milchmenge geben oder mit der Halteweise. Bei all diesen Problemen steht einem ebenfalls die Hebamme helfend zur Seite und berät natürlich bei Bedarf auch in Sachen Flaschenernährung. Diese Hilfe sollte man auch beim zweiten oder dritten Kind noch dankend annehmen. Zum einen gibt es keine Garantie, dass Geschwisterkinder sich genau gleich verhalten und zum anderen ist es unfassbar, was man alles vergessen kann zwischen zwei Geburten. Am Ende der Stillzeit ist das Stillen meist derart zur Gewohnheit geworden, dass man eventuelle Startschwierigkeiten mit dem Winzling völlig verdrängt hat.

Leider kann es mit dem Stillen auch zwischendurch akute Schwierigkeiten geben. So hatte ich z. B. meinen ersten Milchstau auch erst beim zweiten Kind. Gerade in solchen Situationen ist es dann unbezahlbar, wenn man sich nicht mit 40°C Fieber und empfindlichen Schmerzen ins Auto setzen muss und zum Frauenarzt fahren muss. Meine Hebamme ist stattdessen zu mir gekommen und hat mir auch gleich Quark zum kühlen und Medikamente und Kompressen aus der Apotheke geholt, so dass ich die Entzündung wieder wegbekommen habe, ohne dass ich zum Frauenarzt musste.

Die Hebamme ist auch Ansprechpartner bei der Beikosteinführung. Wie schwierig sich das Essen von fester Nahrung gestaltet hängt sehr individuell vom Kind ab. Es gibt natürlich auch viel Literatur zu dem Thema, aber die Hebamme kann euch ebenfalls einweisen und über neue Entwicklungen und Empfehlungen informieren.

Versorgung und Betreuung der Wöchnerin

Das Baby kommt für die Mutter natürlich immer an erster Stelle und darüber wird dann oft vergessen, dass die Hebamme noch eine sehr wichtige weitere Aufgabe hat. Sie kontrolliert auch wie die Mutter die Schwangerschaft und Geburt verkraftet hat. Bildet sich die Gebärmutter zurück? Schieben sich die Organe wieder an den richtigen Platz? Heilen etwaige Geburtsverletzungen gut ab? Staut sich der Wochenfluss nicht? Schont sich die Wöchnerin ausreichend? Heilt die Narbe nach einem Kaiserschnitt gut?
Eine Selbstdiagnose ist an dieser Stelle ziemlich schwierig und gerade wenn man dann bei Dr. Google oder in Internetforen Rat sucht, vergrößert das die Verunsicherung meist nur. Es ist daher auch hier sehr hilfreich, wenn die Hebamme einem sagen kann, dass z. B. das schmerzhafte Ziehen in der Leiste normal ist oder ob man damit einen Arzt aufsuchen sollte. Viele Hebammen kann man heutzutage auch per SMS oder per Messenger erreichen, so dass man schnell Antworten auf seine Fragen erhält, wenn man sich Sorgen macht.
Meistens bekommt man von der Hebamme auch schon die Anleitung zu ersten sanften Rückbildungsübungen.

Letzter, aber sehr wichtiger, Punkt ist die psychologische Betreuung der Wöchnerin durch die Hebamme. Rund um Schwangerschaft und Geburt macht man derart große körperliche und seelische Veränderungen durch, dass man sich manchmal selber nicht wieder erkennt. Insbesondere die Geburt kann auch ein traumatisches Erlebnis sein. In dieser Situation kann es sehr gut tun, wenn man einfach jemanden zum Reden hat, der einen versteht und einem auch sagen kann, dass das nicht nur einem selber so geht. Es ist auch Aufgabe der Hebamme eine Wochenbettdepression vom (normalen) Babyblues zu unterscheiden und eine entsprechende Behandlung anzuschieben. Ich hatte zum Beispiel auch vergessen, dass man im Wochenbett sogenannte "Heultage" hat. Da ist es beruhigend, wenn man einfach jemanden hat, der sich auskennt und einem sagt, dass das es normal ist, dass man sich so verrückt fühlt und es wieder nur an den Hormonen liegt.

Die Betreuung durch eine Hebamme steht euch übrigens auch nach einer Adoption und gerade auch nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch zu!

Hebammen sind auch nur Menschen

Wie alle Menschen machen Hebammen auch Fehler und erkennen nicht immer alles richtig. Manchmal kommt man mit der Art der einen nicht klar oder findet einen der Tipps blödsinnig. Vielleicht ist einem die eine zu ruppig oder die andere zu esoterisch ausgerichtet.
Wenn man Glück hat und mehrere Hebammen findet, die einen betreuen könnten, kann man sich zu einem Vorgespräch treffen und sich für diejenige entscheiden, mit der man sich besser versteht. Findet man sowieso nur eine, die für einen Zeit hat, sollte man sie trotz etwaiger Bedenken festhalten. Hier gilt ganz klar, dass eine Hebamme besser ist, als keine Hebamme, zumal ihr ja auch beim Frauen- und Kinderarzt feste Kontrolltermine habt.

Macht euch die Mühe, es lohnt sich!

Ich hoffe, ich konnte euch überzeugen, dass sich die Suche nach einer Hebamme immer lohnt, auch wenn sie sich etwas nervenaufreibend gestaltet! Bei meiner ersten Tochter war ich heilfroh, dass ich noch eine Hebamme gefunden habe, weil ich sehr spät angefangen habe zu suchen. Es war vielleicht nicht genau die, die ich mir gewünscht hätte, aber gerade beim ersten Kind steht man ja bei vielen Dingen wie der Ochs vorm Berg, so dass ich mehr als dankbar war, dass ich eine Ansprechpartnerin für meine ganzen Fragen hatte. Bei meiner zweiten Tochter hatte ich dann (zufällig) eine tolle und sehr einfühlsame Frau, die sich so lieb um uns gekümmert hat, dass ich ganz gerührt war. Von daher wünsche ich keiner Frau, dass sie während des Wochenbetts ohne eine Hebamme auskommen muss.
Mittlerweile gibt es in Hebammenpraxen und Kliniken auch Hebammensprechstunden. Das sollte aber das letzte Mittel sein, weil man natürlich gerade während des Frühwochenbetts auch im Bett bleiben sollte.

Falls ihr noch auf der Suche seid, habe ich euch hier meine 10 ultimativen Tipps zusammengestellt, damit ihr auch eine Hebamme findet! Viel Erfolg!

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