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Freitag, 1. Januar 2021

Don't worry, be Mami von Sandra Runge - Rezension



Ein Exemplar von „Don't worry, be Mami“ wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom Blanvalet Verlag zur Verfügung gestellt.

Ein Kind, viele Sorgen

In "Don't worry, bei Mami" erzählt Sandra Runge ihre Geschichte. Diese Geschichte beginnt damit, wie sie nach ihrer ersten Elternzeit von ihrem Arbeitgeber knallhart verarscht wurde. Ganz dreist wurde sie an ihrem ersten Arbeitstag nach der Elternzeit ohne Vorwarnung entlassen. Man sollte denken, dass dies ein Zusammentreffen von unglücklichen Umständen und miesestem Führungsstil war, das in dieser Form nur selten vorkommt. Leider ist dem nicht so. Frauen verlieren auf vielfältige Art und Weise ihre Jobs, nur weil sie ein Kind bekommen. Zum Glück ist Sandra Runge Anwältin und hat in ihrem Buch viele Ratschläge und Tipps zusammengefasst, wie man Schwangerschaft und Elternzeit möglichst ohne monetäre Einbußen und rechtlich abgesichert übersteht.
Es beginnt mit dem Steuerklassenwechsel, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist und endet mit der Haftung für durch Kinder verursachte Schäden.

Geballte juristische Expertise

Das Buch ist kein juristisches Fachbuch, sondern allgemein verständlich geschrieben. Wer aber erwartet, dass dieses Buch ohne juristische Fachbegriffe auskommt und alles ganz einfach erklärt ist, wird etwas enttäuscht werden. Grund hierfür ist schlicht, dass man juristische Normen und Sachverhalte präzise schildern muss, damit es nicht falsch wird. Trotzdem gibt es natürlich viele Erläuterungen. Sandra Runge leitet einen anhand ihrer Geschichte von Ratschlag zu Ratschlag. Die Story mag daher teilweise etwas konstruiert wirken und die Lieblingsfarbe von Juniors Löffel mag auch nicht jeden interessieren. Dafür erlebt man aber hautnah mit, wie der tägliche Wahnsinn mit Kind auch bei eigentlich aufgeräumten Juristinnen zuschlägt. Außerdem hat die Rahmengeschichte den Vorteil, dass das Buch überhaupt lesbar ist. Nichts ist schlimmer, als wenn juristische Sachbücher zu trocken sind, denn dann schafft man es meist gar nicht, sie überhaupt zu Ende zu lesen.

Die innere Anwältin

Dass man jedes Mal, wenn man das Buch sieht, den dümmlichen Ohrwurm "Don't worry, be happy" hat, muss man beim Kauf dieses Buches hinnehmen. Beinahe hätte ich das Buch übrigens nach den ersten Seiten nicht weiter gelesen. Die häufig zu Wort kommende "innere Anwältin" der Autorin erinnert mich nämlich latent an die "innere Göttin", wegen der ich schon von 50 Shades of Grey nicht mehr als einen Auszug lesen konnte. Zum Glück weiß die "innere Anwältin" irgendwann auch, wann sie die Schnauze zu halten hat.

Geldwerte Tipps

Elternratgeber, Kopfkissen, Schwangerschaft, Sandra Runge

Im günstigsten Fall liest man dieses Buch übrigens schon ganz in Ruhe in der Schwangerschaft. Wegen der Stilldemenz markiert man sich dann am besten die relevanten Stellen mit Post-Its und legt es zum Nachschlagen unters Kopfkissen, bis die Kinder ausgezogen sind. Dieses Buch spart einem eine Menge Nerven und im Zweifel auch eine Menge Geld. Gerade die Tipps zu Mutterschaftsgeld, rechtlicher Absicherung gegenüber dem Arbeitgeber, Steuerklassen, Hebammen- und Krankenkassenleistungen sowie Elterngeld sind bares Geld wert, so dass sich der Kaufpreis dicke lohnt.

Zukunftsmusik

Mein Abschnitt in "Don't worry, be Mami" ist übrigens der "Wiedereinstieg auf dem Ponyhof". In dieser Traumsequenz, die nur über zwei Seiten geht, schildert Sandra Runge, wie sie sich die perfekte Behandlung von Schwangeren und Müttern durch Arbeitgeber vorstellt.
So crazy, wie die Autorin das Szenario auf Ihrem Ponyhof schildert, finde ich das gar nicht. Die Doppelseite sollte man seinem Chef oder seiner Chefin ruhig mal kopieren und unter der Bürotür durchschieben. Bei Umsetzung dieser wenigen Maßnahmen wäre schon viel gewonnen in Deutschland!

Miss Multitasking

Sandra Runge, LAUFMAMALAUF, Sissi Rasche, Mompreneursgn="aligncenter" width="850"] Fotograf: Andreas Schwarz

Sandra Runge hat mittlerweile übrigens zwei Jungs und ihre eigene Kanzlei in Berlin. Dazu bringt sich vermehrt auch politisch ein, ist Gründerin von Coworking Toddler und hat einen sehr folgenswerten Blog unter www.smart-mama.de. Auf dem letzten Netzwerktreffen von LAUFMAMALAUF habe ich Sandra Runge übrigens persönlich bei einer Podiumsdisskussion mit anderen Mompreneurs erlebt. Und was soll ich sagen? Das zarte Persönchen ist engagiert, eloquent und fachlich top.
Und genau deshalb hilft einem auch ihr Buch auf den Punkt weiter.

 

 

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Brauche ich eine Hebamme im Wochenbett




Seit einiger Zeit ist es schwierig, eine Hebamme für die Betreuung nach der Geburt zu finden. Daher wird von Schwangeren immer öfter die Frage gestellt: Brauche ich überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Nicht nur von Erstmüttern, die noch gar nicht genau wissen, was da auf sie zu kommt. Diese Frage habe ich auch schon von Freundinnen gehört, die ihr drittes Kind erwarteten. Nach dem Motto: Das Baby könne man ja auch alleine wiegen.

Es geht bestimmt auch ohne Hebamme. Sollte es aber nicht!

Die Krankenkasse zahlt

Damit Hebammenversorgung kein Luxus ist, den sich nur wohlhabende Familien leisten können, werden in Deutschland die allermeisten Hebammenleistungen von den Krankenkassen getragen. So hat man bis zum 10. Tag nach der Geburt Anspruch auf mindestens einen täglichen Besuch durch die Hebamme und weitere 16 Besuche bis zur zwölfen Lebenswoche des Kindes. Auch bei Still- oder Ernährungsproblemen kann man darüber hinaus noch die Hilfe seiner Hebamme in Anspruch nehmen. Um das Finanzielle braucht man sich also keine Sorgen machen.
Selbst wenn Kinderarzt und Gynäkologe erreichbar sind, ist es gerade im Wochenbett ein unschätzbarer Vorteil, wenn jemand zu einem nach Hause kommt. Im Wochenbett steht die Welt kopf und teilweise ist man in den Tagen nach der Geburt noch nicht wieder besonders mobil.

Neugeborenenversorgung

Natürlich ist es für die frischen Eltern das Wichtigste, dass sich die Hebamme um das Neugeborene kümmert. Sie überprüft, ob euer Baby im richtigen Rahmen zunimmt, ob der Nabel gut abheilt, ob das Baby an Neugeborenengelbsucht leidet und wie sich das Kind allgemein entwickelt.
In den ersten Lebenstagen unterstützt die Hebamme euch auch dabei, dass eine liebevolle Bindung zu dem neuen Familienmitglied entsteht. Das hört sich so einfach an, aber auch hier haben Hebammen wertvolle Tipps, wie das Bonding gut klappt und sich euer Baby bei Euch sicher und geborgen fühlt.
Beim ersten Kind oder auf Wunsch weist die Hebamme die Eltern auch in die Säuglingspflege ein und zeigt einem ein paar Kniffe und Griffe beim Wickeln, Beruhigen, Massieren und auch bei Babys erstem Bad.

Still- und Beikostberatung

Auch wenn es immer so friedvoll und schön aussieht, kann Stillen leider ziemliche Probleme bereiten. Zu Anfang kann es sehr schmerzen, es kann Probleme mit der Milchmenge geben oder mit der Halteweise. Bei all diesen Problemen steht einem ebenfalls die Hebamme helfend zur Seite und berät natürlich bei Bedarf auch in Sachen Flaschenernährung. Diese Hilfe sollte man auch beim zweiten oder dritten Kind noch dankend annehmen. Zum einen gibt es keine Garantie, dass Geschwisterkinder sich genau gleich verhalten und zum anderen ist es unfassbar, was man alles vergessen kann zwischen zwei Geburten. Am Ende der Stillzeit ist das Stillen meist derart zur Gewohnheit geworden, dass man eventuelle Startschwierigkeiten mit dem Winzling völlig verdrängt hat.

Leider kann es mit dem Stillen auch zwischendurch akute Schwierigkeiten geben. So hatte ich z. B. meinen ersten Milchstau auch erst beim zweiten Kind. Gerade in solchen Situationen ist es dann unbezahlbar, wenn man sich nicht mit 40°C Fieber und empfindlichen Schmerzen ins Auto setzen muss und zum Frauenarzt fahren muss. Meine Hebamme ist stattdessen zu mir gekommen und hat mir auch gleich Quark zum kühlen und Medikamente und Kompressen aus der Apotheke geholt, so dass ich die Entzündung wieder wegbekommen habe, ohne dass ich zum Frauenarzt musste.

Die Hebamme ist auch Ansprechpartner bei der Beikosteinführung. Wie schwierig sich das Essen von fester Nahrung gestaltet hängt sehr individuell vom Kind ab. Es gibt natürlich auch viel Literatur zu dem Thema, aber die Hebamme kann euch ebenfalls einweisen und über neue Entwicklungen und Empfehlungen informieren.

Versorgung und Betreuung der Wöchnerin

Das Baby kommt für die Mutter natürlich immer an erster Stelle und darüber wird dann oft vergessen, dass die Hebamme noch eine sehr wichtige weitere Aufgabe hat. Sie kontrolliert auch wie die Mutter die Schwangerschaft und Geburt verkraftet hat. Bildet sich die Gebärmutter zurück? Schieben sich die Organe wieder an den richtigen Platz? Heilen etwaige Geburtsverletzungen gut ab? Staut sich der Wochenfluss nicht? Schont sich die Wöchnerin ausreichend? Heilt die Narbe nach einem Kaiserschnitt gut?
Eine Selbstdiagnose ist an dieser Stelle ziemlich schwierig und gerade wenn man dann bei Dr. Google oder in Internetforen Rat sucht, vergrößert das die Verunsicherung meist nur. Es ist daher auch hier sehr hilfreich, wenn die Hebamme einem sagen kann, dass z. B. das schmerzhafte Ziehen in der Leiste normal ist oder ob man damit einen Arzt aufsuchen sollte. Viele Hebammen kann man heutzutage auch per SMS oder per Messenger erreichen, so dass man schnell Antworten auf seine Fragen erhält, wenn man sich Sorgen macht.
Meistens bekommt man von der Hebamme auch schon die Anleitung zu ersten sanften Rückbildungsübungen.

Letzter, aber sehr wichtiger, Punkt ist die psychologische Betreuung der Wöchnerin durch die Hebamme. Rund um Schwangerschaft und Geburt macht man derart große körperliche und seelische Veränderungen durch, dass man sich manchmal selber nicht wieder erkennt. Insbesondere die Geburt kann auch ein traumatisches Erlebnis sein. In dieser Situation kann es sehr gut tun, wenn man einfach jemanden zum Reden hat, der einen versteht und einem auch sagen kann, dass das nicht nur einem selber so geht. Es ist auch Aufgabe der Hebamme eine Wochenbettdepression vom (normalen) Babyblues zu unterscheiden und eine entsprechende Behandlung anzuschieben. Ich hatte zum Beispiel auch vergessen, dass man im Wochenbett sogenannte "Heultage" hat. Da ist es beruhigend, wenn man einfach jemanden hat, der sich auskennt und einem sagt, dass das es normal ist, dass man sich so verrückt fühlt und es wieder nur an den Hormonen liegt.

Die Betreuung durch eine Hebamme steht euch übrigens auch nach einer Adoption und gerade auch nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch zu!

Hebammen sind auch nur Menschen

Wie alle Menschen machen Hebammen auch Fehler und erkennen nicht immer alles richtig. Manchmal kommt man mit der Art der einen nicht klar oder findet einen der Tipps blödsinnig. Vielleicht ist einem die eine zu ruppig oder die andere zu esoterisch ausgerichtet.
Wenn man Glück hat und mehrere Hebammen findet, die einen betreuen könnten, kann man sich zu einem Vorgespräch treffen und sich für diejenige entscheiden, mit der man sich besser versteht. Findet man sowieso nur eine, die für einen Zeit hat, sollte man sie trotz etwaiger Bedenken festhalten. Hier gilt ganz klar, dass eine Hebamme besser ist, als keine Hebamme, zumal ihr ja auch beim Frauen- und Kinderarzt feste Kontrolltermine habt.

Macht euch die Mühe, es lohnt sich!

Ich hoffe, ich konnte euch überzeugen, dass sich die Suche nach einer Hebamme immer lohnt, auch wenn sie sich etwas nervenaufreibend gestaltet! Bei meiner ersten Tochter war ich heilfroh, dass ich noch eine Hebamme gefunden habe, weil ich sehr spät angefangen habe zu suchen. Es war vielleicht nicht genau die, die ich mir gewünscht hätte, aber gerade beim ersten Kind steht man ja bei vielen Dingen wie der Ochs vorm Berg, so dass ich mehr als dankbar war, dass ich eine Ansprechpartnerin für meine ganzen Fragen hatte. Bei meiner zweiten Tochter hatte ich dann (zufällig) eine tolle und sehr einfühlsame Frau, die sich so lieb um uns gekümmert hat, dass ich ganz gerührt war. Von daher wünsche ich keiner Frau, dass sie während des Wochenbetts ohne eine Hebamme auskommen muss.
Mittlerweile gibt es in Hebammenpraxen und Kliniken auch Hebammensprechstunden. Das sollte aber das letzte Mittel sein, weil man natürlich gerade während des Frühwochenbetts auch im Bett bleiben sollte.

Falls ihr noch auf der Suche seid, habe ich euch hier meine 10 ultimativen Tipps zusammengestellt, damit ihr auch eine Hebamme findet! Viel Erfolg!

Wie finde ich eine Hebamme für die Nachsorge?




In letzter Zeit ist es wieder etwas stiller geworden um die Hebammen. Mittlerweile hat aber wahrscheinlich jeder mitbekommen, in welcher Misere die freiberuflichen Hebammen in Deutschland stecken. Auf Grund des Risikos durch einen Fehler bei der Geburtshilfe einen Schaden am Kind zu verursachen, sind die Beiträge zur Haftpflichtversicherung für Hebammen in astronomische Höhen gestiegen. Viele Hebammen sind daher mittlerweile bei einer Klinik angestellt oder betreuen Frauen nur noch zur Vor- und Nachsorge. Viele führen aber selber keine Geburten mehr durch.

Jetzt könnte man denken, dass es daher unproblematisch sein sollte, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung und Nachsorge zu finden. Pustekuchen. Als Frau hat man zwar von gesetzes wegen einen Anspruch auf Hebammenhilfe nach der Geburt, die Suche gestaltet sich aber tatsächlich schwierig. Leider ist der Hebammenberuf, wie die meisten "Frauenberufe", nicht gut bezahlt, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und der Beruf ist emotional sehr fordernd.
Kurz: Obwohl es eigentlich ein toller Beruf ist, sind die äußeren Anreize für junge Menschen, diesen Beruf zu ergreifen, gering. Daher besteht in vielen Teilen Deutschlands bereits eine Unterversorgung in diesem Bereich.

Die Suche nach einer Hebamme wird immer schwieriger

In Hamburg, wo ich wohne, steigen seit einigen Jahren die Geburtenzahlen. Folglich suchen jedes Jahr mehr Schwangere nach einer Hebamme. Die Versorgung ist natürlich im Vergleich zu ländlichen Bereichen gut und es gibt viele Kliniken und auch Hebammenpraxen. Trotzdem war bereits ein deutlicher Unterschied zwischen 2012, als ich zum ersten Mal eine Hebamme gesucht habe und 2015, als ich zum zweiten Mal schwanger war, spürbar.

2012 war die Suche auch zäh, aber hauptsächlich deshalb, weil meine Frauenärztin mir zwar alles Mögliche an Empfehlungen beim ersten Termin gegeben hat, aber nicht, dass ich mir sehr zeitnah eine Hebamme suchen sollte. Zudem lag mein Stichtag im August. Die Sommermonate sind generell schwierig, da Hebammen ungern Geburten mit Stichtag um ihren Urlaub herum annehmen. Das gleiche gilt für Weihnachten. Irgendwann hatte eine Hebamme aber den Tipp für mich, dass eine ältere Kollegin von ihr nur Winterurlaub machen würde. Sie hatte dann zum Glück im Sommer Zeit für mich und mein Baby.

Als ich das zweite Mal schwanger war, habe ich sofort angefangen eine Hebamme für Vor- und Nachsorge zu suchen. Trotzdem bin ich nicht gleich fündig geworden. Über die Liste meiner Geburtsklinik hatte ich dann schließlich irgendwann Erfolg. Ich höre aber immer öfter, dass die Suche sich sehr langwierig gestaltet oder im Extremfall auch mal keine Hebamme gefunden werden kann.

Wenn man im Netz sucht, findet man viele Artikel dazu, wie man die richtige Hebamme für sich findet. Das ist leider auch in Hamburg kaum noch die Frage. Es ist die Ausnahme, wenn man überhaupt noch zwei Hebammen findet, die einen im Wochenbett betreuen könnten. Meistens ist man tatsächlich froh, wenn man endlich eine Hebamme findet, so dass man dann auch nicht mehr weiter sucht.

Um euch bei der Suche zu helfen, habe ich hier die Dinge zusammengefasst, die man bei der Suche nach einer Hebamme beachten sollte und wo man Hilfe finden kann.

10 goldene Tipps

1. Keine Zeit verlieren

Sobald ihr beim Gynäkologen wart und Gewissheit habt, dass ihr schwanger seid, solltet ihr beginnen, euch umzuhören.

2. Telefonieren

Bei der Hebammensuche müsst ihr telefonieren, telefonieren, telefonieren. Schreibt keine Emails! Einigen Hebammen liegt das Digitale vielleicht vom Typ her nicht, aber hauptsächlich sind Hebammen einfach den ganzen Tag unterwegs und haben dann abends nicht unbedingt noch Zeit und Lust Emails zu beantworten. Deshalb ruft sie an und sprecht auf jede Mailbox.

3. Lasst Euch Tipps geben

Hebammen sind gut vernetzt. Wenn eine euch also absagt, fragt sie gleich, ob sie nicht noch eine Kollegin weiß, die vielleicht noch Kapazitäten zur fraglichen Zeit hat oder die du zumindest fragen könntest.

4. Hebammenpraxen

Fragt in Hebammenpraxen nach. Die Betreuung durch eine Hebammenpraxis hat den Vorteil, dass jemand anders einspringen kann, wenn deine Hebamme krank ist. Vielleicht kann euch die Praxis auch eine Kollegin vermitteln.

5. Nachbarinnen fragen

Um eine Hebamme zu finden, die in Eurem Stadtteil tätig ist, ist es auch günstig, die Nachbarinnen mit Kindern zu fragen, ob sie ihre Hebamme empfehlen können. Einfach mal ansprechen. Vielleicht habt ihr ja auch eine Freundin mit Kind im gleichen Stadtteil.

6. Hebammenlisten der Kliniken und Geburtshäuser

Die meisten Krankenhäuser verfügen über Listen mit Hebammen, die dort tätig sind. Viele von diesen Hebammen machen auch Nachsorge. Diese Listen findet ihr entweder im Internet oder könnt sie vor Ort bekommen. Im Zweifelsfall ruft ihr einfach bei der Geburtsstation an und fragt.
Glückliche Städte und Gemeinden haben noch ein Geburtshaus. Dort könnt ihr euch ebenfalls erkundigen, meistens haben Geburtshäuser ebenfalls Hebammenlisten.

7. Hebammenverband

Hebammen sind in Verbänden organisiert. Euer Hebammenverband kann euch ebenfalls bei der Suche helfen. In Hamburg gibt es auf der Hompage z. B. eine Hebammenliste, wo man Hebammen nach Stadtteil, Fremdsprachenkenntnissen und Leistungen suchen kann. Neuerdings gibt es dort auch eine Liste freier Kapazitäten, wo sich Hebammen eintragen können.

8. Social Media

Nutzt eure Social Media-Kanäle und fragt eure dortigen Freunde und Bekannten. Meistens kennt jemand jemanden, der jemanden kennt. Möglicherweise gibt es für euren Wohnort auch eine entsprechende Facebook-Gruppe für Schwangere oder Mütter, wo man sich weitere Tipps holen kann. Für Hamburg gibt es z.B. "Schwanger in Hamburg".

9. Schwangeren-Kurse

Ihr besucht einen Aquagymkurs, einen Fitnesskurs, einen Yogakurs, einen Pilateskurs für Schwangere oder einen Vorbereitungskurs? Dann fragt dort auf jeden Fall auch die Kursleiterin und die anderen Teilnehmerinnen, ob nicht noch jemand einen heißen Tipp für euch hat.

10. Der Notnagel

Hebammen sind notorisch gute Menschen, weshalb sie euch nicht gerne absagen. Viele bieten euch am Telefon auch an, dass wenn ihr wirklich gar keine Hebamme findet, ihr euch nochmal melden sollt. Sie springen dann vielleicht ein und machen zumindest zwei oder drei Termine mit euch. Notiert euch das und kommt im Notfall darauf zurück!

Jetzt bleibt mir nichts, als euch noch viel Glück bei der Suche zu wünschen!

Brauche ich überhaupt eine Hebamme?

Wenn die Suche lang und frustrierend ist, wird oft die Frage gestellt: Benötigt man überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Das Kind könne man doch auch alleine wiegen...
Wieso eine Hebamme toll ist, was sie alles für euch tut und wieso niemand darauf verzichten sollte, könnt ihr hier bei mir nachlesen!

 

Sonntag, 8. November 2020

Checkliste für den Kinderwagenkauf



Der Kinderwagenkauf - definitiv eines der größeren Projekte vor der Geburt des ersten Kindes. Da ich täglich mit vielen Kinderwagenmodellen und Müttern in Kontakt komme, werde ich von Freunden und Bekannten, die ein Baby erwarten, oft gefragt, worauf man achten sollte. Das ist überraschend viel.

Oft sind es leider die Kleinigkeiten, die man beim Kauf nicht auf der Rechnung hat und die dann im täglichen Umgang mit dem Kinderwagen fürchterlich nerven. Das ist besonders ärgerlich, da man beim Kauf eines Kinderwagens mehrere hundert Euro auf den Tisch legen muss.

Hier habe ich einen Katalog für euch zusammengestellt, in den die Erfahrungswerte von vielen Müttern eingeflossen sind, aber vieles ist natürlich einfach Geschmackssache. Gerade weil es so viele Punkte sind und die Hersteller die Kinderwagen auch immer weiter entwickeln, kann dieser Katalog nicht abschließend sein. Ich hoffe, er ist euch aber eine Hilfe, damit ihr lange Freude an euren Kinderwagentouren habt!

 

Die richtigen Maße

Wo soll der Kinderwagen zu Hause stehen? Passt er da hin?

Gerade wenn ihr in einem Mietshaus wohnt, solltet Ihr überprüfen, ob der neue Kinderwagen auf den für ihn vorgesehenen Stellplatz passt. Er sollte nicht zu breit sein und nicht übermäßig in den Gang hineinragen. Bei einigen Häusern (meist Altbau) mit sehr schmalen Eingangstüren oder Flügeltüren, sollte man zudem ausmessen, ob der Kinderwagen auch bequem durch die Tür passt.

Passt der Kinderwagen in Euren Kofferraum?

Natürlich könnt ihr anhand der Daten in der Produktbeschreibung einfach abmessen, ob der Kinderwagen zusammengefaltet in euer Auto passt. Viele Händler lassen euch die Kinderwagen gegen ein Pfand aber auch mit auf den Parkplatz nehmen, so dass ihr vor Ort testen könnt, ob sich der Kinderwagen einfach zusammenklappen und gut verstauen lässt und es nirgendwo hakt.

Ist die Wanne des Kinderwagens ausreichend groß?

Besonders hochgewachsene Eltern sollten darauf achten, dass die Wanne bzw. Tragetasche des Kinderwagens schön lang ist. Das Baby sollte so lange entspannt in der Wanne liegen können, bis es sitzen kann.

Gewicht

Das Gewicht von Kinderwagen variiert um rund 10kg - also durchaus relevant. Wenn Ihr also den Kinderwagen zu Hause eine Treppenflucht hoch und runter wuchten müsst, solltet ihr euch nicht das schwerste Modell aussuchen.

 

Die Ausstattung

Die Umbaumöglichkeiten

Bei den meisten Kinderwagen hat man heutzutage die Möglichkeit, die Wanne mit einem Sportwagenaufsatz zu tauschen, wenn das Kind aus der Wanne herausgewachsen ist. Liebäugelt man z.B. mit einem Retrokinderwagen, der diese Möglichkeit nicht bietet, kommt dann stattdessen ein Buggy oder Fahrradanhänger in Frage. Beim Sportwagenaufsatz sollte man darauf achten, dass dieser sowohl in Fahrtrichtung, als auch entgegengesetzt auf das Fahrgestell gesetzt werden kann. Wenn das Kind ständig nach vorne schauen muss, können die vielen Eindrücke überfordernd sein, aber auch für die Eltern ist es schön, wenn man seinem Kind beim Schieben ins Gesicht sehen kann und mit ihm sprechen kann.
Ist man viel mit dem Auto unterwegs, kann es praktisch sein, wenn man die Autoschale direkt oder mit Adapter auf das Kinderwagengestell aufsetzen kann.
Plant man mehrere Kinder in kurzem Abstand zu bekommen, empfiehlt sich ein Kinderwagen, den man vom Einzelkinderwagen auch zum Geschwisterkinderwagen umbauen kann.

Bewegliche oder feste Vorderräder?

Bewegliche Vorderräder sind perfekt, wenn man viel in der Stadt unterwegs ist und geschickt um Passanten und durch enge Supermarktgänge manövrieren muss. Wenn man querfeldein und auf unebenem Gelände unterwegs ist, sind feststehende Räder deutlich praktischer. Allerdings haben feststehende Räder den Nachteil, dass man den Kinderwagen vorne immer etwas anheben muss, wenn man um Kurven und Ecken fährt. Das kann ganz schön anstrengend werden und ist mit einer Hand (wenn man z.B. telefoniert) nur schlecht machbar.
Schiebt man mal hier und mal dort herum, wird es schwierig und man muss abwägen. Es gibt kleine feststellbare Räder, aber die kleinen Räder helfen einem im Gelände noch nicht wirklich weiter. Eine Notlösung für kurz Strecken z.B. durch Sand ist den Kinderwagen einfach rückwärts zu ziehen oder, was bei einigen Modellen auch geht, den Griff auf die andere Seite schwenken, so dass die kleinen Räder hinten sind. Praktischer sind da schon die Kinderwagen mit großen Rädern, die feststellbar sind. Allerdings haben die meisten dieser Modelle nur drei Räder. Dies schafft eine gute Beweglichkeit, nur in Situationen, in denen das Gewicht allein auf dem vorderen Rad liegt, z.B. wenn man in einen Bus einsteigt, können diese Modelle leichter kippen.
Letztlich gibt es aber auch Kinderwagenmodelle, bei denen man die Räder auswechseln kann, wenn man sich mehrere Sätze kauft.

Möchte ich Luftreifen oder Hartgummireifen?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich fragen, ob man häufig in unebenem Gelände unterwegs sein wird. Geht man z.B. häufig im Wald und auf Feldwegen spazieren, sind Luftreifen von Vorteil, damit man nicht an jeder Baumwurzel hängen bleibt und Erschütterungen gut abgefedert werden. Der Nachteil von Luftreifen ist, dass sie genau wie Fahrradreifen auch kaputt gehen können, man dann mit einem Platten in der Pampa steht und der Kinderwagen bis zur Reparatur ausfällt.
Für die Stadt sind Hartgummireifen günstig, da sie für ebene Fußwege gut geeignet sind und robuster sind als Luftreifen.

Die Bremsen

Grundsätzlich haben alle Kinderwagen eine Feststellbremse, die entweder mit der Hand oder dem Fuß bedient werden kann. Ist das "Bremspedal" mittig unten am Kinderwagen angebracht, passiert es leider relativ leicht, dass man bei schnellem Gehen oder wenn man ein paar Schritte läuft, auf die Bremse tritt. Das kann zu unerwarteten Vollbremsungen führen.
Eine zusätzliche Handbremse benötigt man nur, wenn man in bergigem Gebiet unterwegs ist, da ein Kinderwagen mit Eigengewicht, Kind und Einkäufen einigen Zug entwickelt.

Beweglichkeit des Griffes

Der Griff des Kinderwagens ist entweder abknickbar oder herausschiebbar oder beides. Dabei sollte man darauf achten, dass der Griff so hoch gestellt werden kann, dass man den Kinderwagen bequem schieben kann, ohne sich bücken zu müssen.
Eltern mit langen Beinen sollten darauf achten, dass der Griff weit genug vom Fahrgestell entfernt ist, so dass man seine normale Schrittlänge nicht verkürzen muss. Da man mit Baby grundsätzlich spät dran ist, muss man mit dem Kinderwagen auch schnell gehen können, ohne ständig unten gegen das Gestell zu treten.
Außerdem sollte das Einklappen oder Hereinschieben des Griffes schnell und mühelos funktionieren - es ist immer blöd, wenn man minutenlang den Eingang des Busses oder der U-Bahn versperrt, weil der Kinderwagengriff klemmt.

Verfügt der Kinderwagen über ausreichenden Stauraum?

Unter den meisten Kinderwagen ist unter der Wanne ein Korb angebracht. Dieser sollte leicht zugänglich sein und groß genug für Einkäufe, Windelpakete, Sandspielzeug und Klamotten sein. Diese Liste ist natürlich beliebig erweiterbar, woran ihr merkt, dass man mit Kindern nie zu wenig Stauraum haben kann. Dazu kann man natürlich noch eine Wickeltasche oder ein Netz am Griff befestigen, aber alles, was man nicht selber tragen muss, ist Gold wert und beugt Rückenschmerzen vor.

Lässt sich das Verdeck auch nach vorne öffnen?

Es sieht nicht nur niedlich aus, wenn das Baby auch auf dem Bauch liegen und in Fahrtrichtung schauen kann, es macht neugierige Babys auch zufriedener. Einige Babys sind leider schon im Alter von wenigen Monaten derart unzufrieden damit, in der Wanne liegen zu müssen, dass man Alternativen suchen muss. Die Bauchlage mit Ausblick kann dann eine gute Möglichkeit sein, den Umbau des Kinderwagens zum Sportwagen noch etwas hinaus zu zögern, bis das Kind sitzen kann. Joolz day2 belüftungsnetz

Update:

Die niederländische Firma Joolz hat kürzlich eine Neuerung in diesem Bereich an den Markt gebracht. Bei dem ihrem Model "Day 2" kann man den Außenstoff der Wanne herunterklappen, so dass das Kind auch im Liegen durch ein durchsichtiges Belüftungsnetz rausgucken kann ohne dass es den Kopf sehr weit hochdrücken muss. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das bei den Babies derart beliebt ist, dass diese Neuerung eine echte Empfehlung ist und hoffentlich auch von anderen Herstellern übernommen wird.

Das Equipment

Für Kinderwagen wird jede Menge Zusatzequipment angeboten. Es ist ratsam vor dem Kauf zu vergleichen, welches Zubehör bei den von euch favorisierten Modellen im Preis enthalten ist und wo ihr etwas dazu kaufen müsst.
Was ihr unbedingt braucht, hängt etwas davon ab, in welcher Gegend ihr wohnt. Gibt es bei euch viele Mücken, weil ihr einen See in der Nähe habt, dann ist ein Insektennetz empfehlenswert, in der Hamburger Innenstadt habe ich keins gebraucht. Dringend braucht man einen Sonnenschutz. Je nach Geschmack kann man da zwischen Sonnensegel und Sonnenschirm wählen, wobei das Sonnensegel in der Handhabung etwas praktischer ist.
Genauso erforderlich wie der Sonnenschutz ist der Regenschutz. Der ist allerdings im Regelfall bei den Kinderwagen dabei, da der Überzug meistens an die Form des Kinderwagens angepasst ist.
Meistens werden zu den Kinderwagen auch passende Wickeltaschen angeboten, die man am Griff befestigen kann. Wenn man eine andere Tasche hat, die man mit dem Schulterriemen über den Griff hängen kann, funktioniert das natürlich auch.
Im Winter benötigt man einen Fußsack für den Sportwagen oder ein Lammfell für den Kinderwagen. Ein Kinderwagenmuff am Griff ist bei Minustemperaturen tatsächlich ganz praktisch, weil man dann nicht ständig die Handschuhe an- und ausziehen muss.
Für die Matratze des Kinderwagens braucht ihr passende Laken und eine Nässeschutzeinlage in der passenden Größe macht ebenfalls Sinn. Moltonauflagen kann man entsprechend zuschneiden.

Extrafach für den Regenschutz

Es mag sich banal anhören, aber es ist günstig, wenn man den Regenüberzug in einem Fach am Kinderwagen verstauen kann. Ansonsten lässt man ihn bei schönem Wetter gerne mal zu Hause, wenn man den Korb am Kinderwagen für etwas anderes braucht und dann kann man sich sicher sein, dass man zeitnah in einen fürchterlichen Guss kommt und sich Ewigkeiten irgendwo unterstellen muss oder mit einem völlig durchweichten Kinderwagen nach Hause kommt.

 

Worauf muss ich sonst noch achten?

Sicherheit

Es gibt zwei Prüfsiegel, die ein Kinderwagen aufweisen sollte: Das TÜV-Siegel und das GS-Siegel. Diese Siegel zertifizieren, dass der Kinderwagen die europäischen Sicherheitsnormen sowie Qualitäts- und Sicherheitsstandards des deutschen Produktsicherheitsgesetzes erfüllt.

Schadstoffbelastung

Kauft man seinen Kinderwagen secondhand kann in der Regel man davon ausgehen, dass durch die vorhergehende Benutzung die Schadstoffbelastung nur noch gering ist.
Beim Neukauf lohnt es sich aktuelle Testberichte zu Rate ziehen, da das Kind viel Zeit im Kinderwagen verbringt und auch Mutter und Vater beim Schieben lange direkten Hautkontakt mit den Griffen haben. Gerade in den Bezügen, in den Gurten und in den Griffen werden leider immer wieder giftige Chemikalien gefunden. Stiftung Warentest und Ökotest veröffentlichen in regelmäßigen Abständen entsprechende Testberichte.
Empfehlenswert ist es auf jeden Fall den Kinderwagen vor der Benutzung einige Zeit auslüften zu lassen.

Verschleiss

Dieser Punkt ist besonders interessant, wenn man nicht mit einem Einzelkind plant. Die gesetzliche Gewährleistung beträgt zwei Jahre. Häufige Verschleißerscheinungen, auch bei hochpreisigen Kinderwagen, sind ausgeblichene oder verschmutzte Bezüge, kaputte Räder oder dass sich die Ummantelung der Griffe löst. Günstig ist es daher beim Kauf darauf zu achten, welche Textilteile waschbar sind und dass der Griff wertig verarbeitet ist.  Leider gibt es wenig Langzeittests. Hat man ein Modell in die engere Wahl genommen, kann man sich natürlich noch einmal im Bekanntenkreis oder in Internetforen nach Erfahrungswerten umhören.

Aussehen

Das Aussehen eures Kinderwagens sollte Euch zumindest nicht unwichtig sein, da dieses Accessoire euch eine lange Zeit täglich begleiten wird. Da sollte man es auch mögen!

Frühzeitig bestellen

Eine frühzeitige Bestellung des Kinderwagens ist ratsam, da einige Modelle unerwartet lange Lieferfristen haben. Viele Händler bieten übrigens als Service an, dass man den Kinderwagen dort lagern kann, bis er gebraucht wird.

 

Das ist viel Text geworden, aber ich hoffe, ich konnte euch bei der Suche nach dem perfekten Kinderwagen weiterhelfen. Wenn Ihr noch weitere Tipps habt, dann schreibt sie gerne in die Kommentare!

 

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