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Freitag, 1. Januar 2021

Muttergefühle 2 von Rike Drust - Rezension



Ein Rezensionsexemplar von "Muttergefühle. Zwei" wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom C. Bertelsmann-Verlag zur Verfügung gestellt.

Schönes Scheitern

"Muttergefühle. Zwei - Neues Kind, neues Glück" ist der volle Titel des Buches, der "Muttergefühle. Gesamtausgabe" ad absurdum führt. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Die Autorin, Rike Drust, hat ein zweites Kind bekommen und sie ist wahnsinnig glücklich. Zum Glück ist sie nur bis Seite 48 wahnsinnig glücklich. Nicht, dass man Rike das Glück nicht gönnt und es auch mal genießt, wie sie sich und Eltern im Allgemeinen abfeiert, aber genialer ist es, wenn sie von ihrem Scheitern berichtet. Erstens weil einem beim Lesen vor Lachen der Rotwein aus der Nase läuft und zweitens, weil sich das so kaum eine traut. Das Buch ist sozusagen die "Fuck-Up-Night" der Eltern-Ratgeber. Und wie immer lernt man da am meisten.

Wattsefacko?

Aber wer ist die Frau auf dem Foto im Klappentext, die viel zu jung für die Geschichten in Ihrem Buch ist? Morgens soll sie wie Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" aussehen? Hm. Schwer zu glauben, wenn man nicht weiß, dass das auch schon das Autorenfoto im letzten Buch war. In dem von 2011. Jetzt ahnt man, dass die Frau auf dem Foto das Gesamtpaket an Muttergefühlen noch nicht abbekommen hat. Zumindest nicht Teil 2. Allerdings verstehe ich tatsächlich nicht, wieso der Verlag dieses uralte Foto verwendet hat. Denn erstens versichert Rike Drust in Ihrem Buch und auch auf ihrem Blog glaubhaft, dass sie mittlerweile jegliche Eitelkeit abgelegt hat und zweitens sieht diese lebensfrohe Frau jetzt noch viel fröhlicher und interessanter aus.

Rike Drust, Autorin, Foto

Mein Lieblingssatz

Wie im ersten Buch begleitet man mit Rike wieder eine Mutter, die das richtige Leben für sich und ihre Familie findet. Sie wurschtelt sich durch den Dschungel aus Erziehungscredos von Färbern bis Attachment Parenting, bleibt entspannt, blockt die Dogmatiker ab und findet ihren eigenen Weg. Mein Lieblingssatz ist (selbstverständlich) aus dem Kapitel "Penis! Hahahaha. Penis! Hahahaha.". Eigentlich geht es in dem Kapitel um die gewöhnungsbedürftigen Gesprächen mit Kindern über ihre Entstehung. Weil Rike Drust aber gerne und schön über Liebe schreibt und wie sie sein sollte, ist der letzte Satz dieses Kapitels: "Und dann spüren wir, dass es auf den ersten Blick vielleicht kompliziert ist, aber auf den zweiten großartig, weil alles geht was glücklich macht." Dieser Satz ist im ursprünglichen Zusammenhang wahr, aber darüber hinaus auch für alles, was Kindererziehung betrifft. Sozusagen die Essenz des Buches.

 

Worte für die Liebe

Grundsätzlich betont Rike Drust, dass sie keinen Wert darauf legt, Ratgeber zu schreiben. Jetzt hat sie doch aus Versehen (wieder) einen geschrieben.
Der beste Rat aus diesem Buch ist, einen Ehevertrag zu schließen. Aus irgendeinem Grund ist die gemeinsame Eigentumswohnung der Drusts nämlich im Grundbuch nur auf ihren Mann eingetragen. Um sich und die Kinder trotzdem abzusichern, haben sie und ihr Mann einen Ehevertrag geschlossen. Im Buch finden sich zwar auch gute Tipps zur Ausgestaltung eines Ehevertrages, aber das ist ja eigentlich nicht das Schwierige an Eheverträgen. Da kann man sich einfach beim Anwalt beraten lassen.

Rike Drust, Lovers

Das Schwierige an Eheverträgen ist, sich zunächst selber zu überzeugen, mit seinem Partner über das Thema zu sprechen. Im zweiten Schritt muss man dann auch noch seinen Partner überzeugen, ebenfalls einen Ehevertrag zu wollen. Das in Erwägung ziehen des Scheiterns der eigenen Beziehung ist leider derart unangenehm, dass viel zu wenige Paare Eheverträge schließen. Selbst mir als Juristin erschien das lange pessimistisch, hölzern und unsexy. Meistens sind es dann später natürlich die Frauen, die nicht nur alleinerziehend, sondern auch arm dastehen. Deshalb ist das Wichtigste an diesem Buch, dass Rike Drust, die so fabelhaft mit Worten umgehen kann, in dieses Buch die Worte reingeschrieben hat, mit denen man seinem Mann erklären kann, wieso ein Ehevertrag gut für die Liebe ist. Kann man auch einfach vorlesen. Diese Worte hätte ich nie allein so finden können und so wird es vielen gehen. Deshalb sollte sich jede Mutter, die zu Gunsten der Kindererziehung ihre Arbeitszeit verkürzt und sich und ihre Kinder noch nicht entsprechend für den Fall einer Trennung abgesichert hat, dieses Buch kaufen. Damit man am Ende nicht Opfer und nicht Arschloch ist, aber vor allem nicht Opfer.

Ein Buch wie ein Kopfstreicheln

Dieses Buch tat mir beim Lesen gut. Und ich behaupte, dass es den meisten Leserinnen so gehen wird. Da Rike so offen aus ihrem Alltag und von ihren Muttergefühlen berichtet, kann man sich immer entweder freuen, dass es bei anderen genauso verquer läuft, wie bei einem selber oder dass es bei anderen noch viel schlimmer läuft.
Und wenn einem nicht gerade das Herz überfließt, weil die Worte, die Rike für die Liebe zu ihren Kindern findet, so treffend sind, dann kann man sich aus vielen Kapiteln auch etwas für sich mitnehmen und vielleicht das Miteinander mit seinen Kindern auch etwas liebevoller und intensiver gestalten. Oder einem ist das alles zu undogmatisch und man regt sich auf, dass alle ständig Netflix gucken. Was man lieber mag.

Muttergefühle in allen Bereichen

In diesem Buch bleibt kaum ein Bereich des Familienlebens mit innerem oder äußerem Konfliktpotential ausgespart: Meckern, Liebe für zwei Kinder, Schlafen, Zuständigkeit bei krankem Kind, Aufklärung, Medienkonsum, Kaiserschnitt, Genderquatsch, Mobbing, Conni, Essen, der Tod, Arbeitsteilung, Duschen, Wüteriche  und natürlich Brettspiele.
Zur Auflockerung kommen dazwischen aber auch immer wieder Kapitel, die gesungen werden müssen. So wie das Danke an die Kitaerzieher, die Ode an die Familie und die Lobpreisung des Mannes.
Überhaupt der Mann. Er kommt nicht mehr so gut weg, wie in Teil 1. Trotz der Eingeschobenen Lobpreisung muss man nicht ständig denken, dass man auch gerne so ein tolles Modell hätte. Hat mir gleich gute Laune gemacht, dass er in diesem Buch auch ein paar Aussetzer hat.

Fazit

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass "Muttergefühle. Zwei" genau wie der erste Teil sehr viel Laune macht beim Lesen. Das erste Buch muss man übrigens nicht gelesen haben, um sich bei "Muttergefühle. Zwei" damenhaft kichernd, den Wein durch die Nase laufen zu lassen.
Für sich selbst kann man aus dem Buch jede Menge mitnehmen, gerade wenn die eigenen Kinder noch jünger sind und man die Kämpfe erst noch fechten muss, von denen Rike berichtet. Ich kann das Buch also allen Kleinkindeltern sehr ans Herz legen. Es hilft, die Dinge entspannter zu sehen und seinen Kindern im Alltag mit mehr Liebe zu begegnen.

Sonntag, 20. Dezember 2020

Faszientraining im Wasser - ideal für Mütter!



Seit November 2016 wird in Hamburger Schwimmbädern auch Faszientraining angeboten. Faszien waren in den letzten Jahren eines der Schlagworte im Fitnessbereich. Ich habe den Aqua-Faszio-Kurs im Festland für euch ausgiebig getestet und bin begeistert!

Faszien

Faszien, Faszienanzug, Faszio
© 2016 by VTF Hamburg/Germany (Melanie Harms, Silke Warm)

Viele Freizeitsportler haben nur eine wage Vorstellung davon, was mit Faszien überhaupt

gemeint ist und wie man sie trainiert. Hauptsächlich kommen einem dabei Menschen in den Sinn, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht über eine Hartschaumrolle wälzen.

Die Faszien sind das Bindegewebe, das die Muskeln umschließt. Das Fasziennetz zieht sich durch den ganzen Körper über Muskeln, Sehnen und Knochen. Sehr anschaulich ist es, wenn man sich eine Hähnchenbrust zubereitet und die Silberhaut wegschneidet. Das ist das Fasziengewebe.

Probleme nach der Schwangerschaft

Gesunde Faszien haben eine feine netzartige Struktur. Leider neigt das Gewebe dazu zu verkleben, was sehr unangenehm und schmerzhaft sein kann.
Ich war lange Jahre Basketballerin. Beim Basketball macht man viele Bewegungen, die in die Extreme gehen. Man macht sich ganz lang, springt möglichst hoch und sprintet. Der Körper ist es gewohnt lang, weit und offen zu sein.
Nach meiner zweiten Schwangerschaft war das alles weg. Ich habe mich wie eine alte Frau gefühlt. Unfassbar unbeweglich. Irgendwann hatte ich sogar Probleme, mich beim Aufstehen aus dem Sitzen in den Stand zu strecken. Gewohnheitsmäßig habe ich angenommen, dass mit dem unteren Rücken wieder irgendetwas im Argen liegt. Das war es aber nicht.
Irgendwann habe ich herausgefunden, dass sich durch zu wenig Bewegung der Hüftbeuger sehr verkürzt hatte und mein frontales Fasziengewebe stark verklebt war. Das Ganze fühlt sich an, als wenn jemand die Vorderseite deines Körpers zu straff gespannt hat. Das Pilatestraining, das ich nach der Rückbildung angefangen hatte, brachte da auch überhaupt keine Abhilfe, sondern hat diese Problematik eher verschlimmert. Eine Massage des Fasziengewebes durch meinen Physiotherapeuten war extrem schmerzhaft, hat aber, zumindest zeitweilig, unmittelbare Verbesserung gebracht. Es ist ein gutes Stück Lebensqualität, das man zurück erhält, wenn man morgens einfach wieder aus dem Bett springen kann.

Aqua-Faszio

Ende letzten Jahres habe ich gesehen, dass jetzt auch das Hamburger Bäderland in Kooperation mit "FASZIO" Faszientraining anbietet. Da das auch zu einer familienkompatiblen Zeit (um 20 Uhr) im "Festland" bei mir um die Ecke angeboten wird, habe ich mich ohne Umschweife angemeldet. Ein Kurs umfasst vier Termine und kostet 34,40 Euro.

Schwimmbad Hamburg Festland Bäderland

Aqua-Gymnastik hat leider landläufig noch immer das Image eines Oma-Sports. Man stellt sich ältere Damen mit Blumenbadekappen, riesigen Badeanzügen und Nasenklammern vor, die im Wasser stehen und auf keinen Fall oberhalb der Schulter mit Wasser in Berührung kommen. Davon stimmt beim Aqua-Faszio nur, dass es empfehlenswert ist, einen Badeanzug zu tragen und dass wir im Kurs tatsächlich unter Frauen waren. Auch ich habe mir nach über 20 Jahren wieder einen Badeanzug zugelegt, weil Bikinis bei diesem Kurs einfach nicht standhalten. Falls man übrigens, wie ich, nach der Geburt noch nicht wieder bei der Idealfigur angekommen ist, sollte man sich, direkt bevor man zum Kurs geht, in einer Kaufhaus-Umkleidekabine mit Neonlicht in einen Sportbadeanzug quetschen. Das setzt ungeahnte Energien für das Training frei.

Den Aqua-Faszio-Kurs kann ich besonders allen ans Herz legen, die als Kind gerne schwimmen und planschen waren und es jetzt irgendwie langweilig finden, ewig Bahnen zu schwimmen. Die Übungen sind ungewohnt vielfältig. Gerade für Eltern ist der Kurs auch super, weil man immer noch irgendwelche Tricks lernt, mit denen man die eigenen Kinder beim nächsten Schwimmbadbesuch verblüffen kann.
Beim Faszientraining soll die Beweglichkeit gefördert werden und dazu wendet FASZIO sieben Strategien an: Stabilität, propiozeptive Kraft, Elastizität, Geschmeidigkeit, Dehnfähigkeit, lösende Techniken und Regeneration.

In der Praxis sieht das dann so aus, dass intervallmäßig trainiert wird und die Intensität der Übungen je nach Schwerpunkt stark variiert. So ist man gerade noch dabei ein Schwimmbrettchen über kurze Distanz und unter vollem Krafteinsatz unter Wasser mit den Armen von rechts nach links zu pumpen, während man in der nächsten Übung aufgefordert ist, auf selbigen Schwimmbrettchen in den Vierfüßlerstand zu gehen. Im Wasser versteht sich. Als nächstes lernt man, wie man sich am besten auf ein Brettchen wirft, um eine Fontäne zu erzeugen, die bis an die Decke spritzt. Im Anschluss darf man bis zur Hüfte aus dem Wasser springen und alles schütteln was man hat. Man ist auf jeden Fall gefordert und zwar nicht nur konditionell, sondern besonders auch in der Umsetzung der Bewegungen.
Außerdem ist es wahrscheinlich der einzige Kurs in dem man endlich mal eine Arschbombe in den Kurspool machen darf! YAY!

Einziges Manko an dem Kurs ist, dass er wie die meisten Bäderlandkurse nur mit vier Terminen angeboten wird. Zum Ausprobieren ist die kurze Kurslaufzeit natürlich super. Leider kann man sich meistens nach dem ersten Kurstermin schon nicht mehr für den Folgekurs anmelden, weil der zu dem Zeitpunkt dann schon ausgebucht ist. Da wäre trainingsmethodisch eine längere Kurslaufzeit wünschenswert.

Aquagym, AquaFaszio, Faszientraining, Faszio 
© 2016 by Heike Oellerich und Miriam Wessels. All rights reserved.

Warum für Mütter?

Wenn man in der ersten Zeit mit Baby ähnlich an Bewegungsmangel leidet wie ich und die langen Strecken, die man mit dem Kinderwagen zurücklegt, einfach nicht ausreichen, dann hungert man danach, sich wieder richtig zu bewegen. Gerade Laufen und Springen kommen aber nicht in Frage, da nach der Geburt der Beckenboden oft noch schwach ist. In Aqua-Fitness-Kursen kann man aber gerade diese Bewegungen auch schon wieder ausführen, da der Wasserauftrieb das Körpergewicht bis auf ein Zehntel gegenüber dem Gewicht an Land verringert. Das Training im Wasser schont durch die fehlende Schwerkraft nicht nur die Gelenke und die Wirbelsäule, sondern auch den Beckenboden.

Das Kursformat ist also eine echte Empfehlung für alle, die nach der Entbindung mit Beckenbodenproblemen oder Übergewicht zu kämpfen haben und sich aber mal wieder richtig auspowern möchten!


Tipp:

Wenn ihr mal an einem Kurstermin nicht teilnehmen konntet, stellt euch das Bäderland aus Kulanz eine Freikarte aus. Dazu müsst ihr einfach beim Service-Telefon des Bäderlands unter 040 / 18 88 90 anrufen und dann bekommt ihr das Ticket zugemailt.

Das gilt übrigens für alle Aqua-Kurse, also auch beim Schwangeren- oder Babyschwimmen!

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