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Donnerstag, 3. Dezember 2020

Brauche ich eine Hebamme im Wochenbett




Seit einiger Zeit ist es schwierig, eine Hebamme für die Betreuung nach der Geburt zu finden. Daher wird von Schwangeren immer öfter die Frage gestellt: Brauche ich überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Nicht nur von Erstmüttern, die noch gar nicht genau wissen, was da auf sie zu kommt. Diese Frage habe ich auch schon von Freundinnen gehört, die ihr drittes Kind erwarteten. Nach dem Motto: Das Baby könne man ja auch alleine wiegen.

Es geht bestimmt auch ohne Hebamme. Sollte es aber nicht!

Die Krankenkasse zahlt

Damit Hebammenversorgung kein Luxus ist, den sich nur wohlhabende Familien leisten können, werden in Deutschland die allermeisten Hebammenleistungen von den Krankenkassen getragen. So hat man bis zum 10. Tag nach der Geburt Anspruch auf mindestens einen täglichen Besuch durch die Hebamme und weitere 16 Besuche bis zur zwölfen Lebenswoche des Kindes. Auch bei Still- oder Ernährungsproblemen kann man darüber hinaus noch die Hilfe seiner Hebamme in Anspruch nehmen. Um das Finanzielle braucht man sich also keine Sorgen machen.
Selbst wenn Kinderarzt und Gynäkologe erreichbar sind, ist es gerade im Wochenbett ein unschätzbarer Vorteil, wenn jemand zu einem nach Hause kommt. Im Wochenbett steht die Welt kopf und teilweise ist man in den Tagen nach der Geburt noch nicht wieder besonders mobil.

Neugeborenenversorgung

Natürlich ist es für die frischen Eltern das Wichtigste, dass sich die Hebamme um das Neugeborene kümmert. Sie überprüft, ob euer Baby im richtigen Rahmen zunimmt, ob der Nabel gut abheilt, ob das Baby an Neugeborenengelbsucht leidet und wie sich das Kind allgemein entwickelt.
In den ersten Lebenstagen unterstützt die Hebamme euch auch dabei, dass eine liebevolle Bindung zu dem neuen Familienmitglied entsteht. Das hört sich so einfach an, aber auch hier haben Hebammen wertvolle Tipps, wie das Bonding gut klappt und sich euer Baby bei Euch sicher und geborgen fühlt.
Beim ersten Kind oder auf Wunsch weist die Hebamme die Eltern auch in die Säuglingspflege ein und zeigt einem ein paar Kniffe und Griffe beim Wickeln, Beruhigen, Massieren und auch bei Babys erstem Bad.

Still- und Beikostberatung

Auch wenn es immer so friedvoll und schön aussieht, kann Stillen leider ziemliche Probleme bereiten. Zu Anfang kann es sehr schmerzen, es kann Probleme mit der Milchmenge geben oder mit der Halteweise. Bei all diesen Problemen steht einem ebenfalls die Hebamme helfend zur Seite und berät natürlich bei Bedarf auch in Sachen Flaschenernährung. Diese Hilfe sollte man auch beim zweiten oder dritten Kind noch dankend annehmen. Zum einen gibt es keine Garantie, dass Geschwisterkinder sich genau gleich verhalten und zum anderen ist es unfassbar, was man alles vergessen kann zwischen zwei Geburten. Am Ende der Stillzeit ist das Stillen meist derart zur Gewohnheit geworden, dass man eventuelle Startschwierigkeiten mit dem Winzling völlig verdrängt hat.

Leider kann es mit dem Stillen auch zwischendurch akute Schwierigkeiten geben. So hatte ich z. B. meinen ersten Milchstau auch erst beim zweiten Kind. Gerade in solchen Situationen ist es dann unbezahlbar, wenn man sich nicht mit 40°C Fieber und empfindlichen Schmerzen ins Auto setzen muss und zum Frauenarzt fahren muss. Meine Hebamme ist stattdessen zu mir gekommen und hat mir auch gleich Quark zum kühlen und Medikamente und Kompressen aus der Apotheke geholt, so dass ich die Entzündung wieder wegbekommen habe, ohne dass ich zum Frauenarzt musste.

Die Hebamme ist auch Ansprechpartner bei der Beikosteinführung. Wie schwierig sich das Essen von fester Nahrung gestaltet hängt sehr individuell vom Kind ab. Es gibt natürlich auch viel Literatur zu dem Thema, aber die Hebamme kann euch ebenfalls einweisen und über neue Entwicklungen und Empfehlungen informieren.

Versorgung und Betreuung der Wöchnerin

Das Baby kommt für die Mutter natürlich immer an erster Stelle und darüber wird dann oft vergessen, dass die Hebamme noch eine sehr wichtige weitere Aufgabe hat. Sie kontrolliert auch wie die Mutter die Schwangerschaft und Geburt verkraftet hat. Bildet sich die Gebärmutter zurück? Schieben sich die Organe wieder an den richtigen Platz? Heilen etwaige Geburtsverletzungen gut ab? Staut sich der Wochenfluss nicht? Schont sich die Wöchnerin ausreichend? Heilt die Narbe nach einem Kaiserschnitt gut?
Eine Selbstdiagnose ist an dieser Stelle ziemlich schwierig und gerade wenn man dann bei Dr. Google oder in Internetforen Rat sucht, vergrößert das die Verunsicherung meist nur. Es ist daher auch hier sehr hilfreich, wenn die Hebamme einem sagen kann, dass z. B. das schmerzhafte Ziehen in der Leiste normal ist oder ob man damit einen Arzt aufsuchen sollte. Viele Hebammen kann man heutzutage auch per SMS oder per Messenger erreichen, so dass man schnell Antworten auf seine Fragen erhält, wenn man sich Sorgen macht.
Meistens bekommt man von der Hebamme auch schon die Anleitung zu ersten sanften Rückbildungsübungen.

Letzter, aber sehr wichtiger, Punkt ist die psychologische Betreuung der Wöchnerin durch die Hebamme. Rund um Schwangerschaft und Geburt macht man derart große körperliche und seelische Veränderungen durch, dass man sich manchmal selber nicht wieder erkennt. Insbesondere die Geburt kann auch ein traumatisches Erlebnis sein. In dieser Situation kann es sehr gut tun, wenn man einfach jemanden zum Reden hat, der einen versteht und einem auch sagen kann, dass das nicht nur einem selber so geht. Es ist auch Aufgabe der Hebamme eine Wochenbettdepression vom (normalen) Babyblues zu unterscheiden und eine entsprechende Behandlung anzuschieben. Ich hatte zum Beispiel auch vergessen, dass man im Wochenbett sogenannte "Heultage" hat. Da ist es beruhigend, wenn man einfach jemanden hat, der sich auskennt und einem sagt, dass das es normal ist, dass man sich so verrückt fühlt und es wieder nur an den Hormonen liegt.

Die Betreuung durch eine Hebamme steht euch übrigens auch nach einer Adoption und gerade auch nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch zu!

Hebammen sind auch nur Menschen

Wie alle Menschen machen Hebammen auch Fehler und erkennen nicht immer alles richtig. Manchmal kommt man mit der Art der einen nicht klar oder findet einen der Tipps blödsinnig. Vielleicht ist einem die eine zu ruppig oder die andere zu esoterisch ausgerichtet.
Wenn man Glück hat und mehrere Hebammen findet, die einen betreuen könnten, kann man sich zu einem Vorgespräch treffen und sich für diejenige entscheiden, mit der man sich besser versteht. Findet man sowieso nur eine, die für einen Zeit hat, sollte man sie trotz etwaiger Bedenken festhalten. Hier gilt ganz klar, dass eine Hebamme besser ist, als keine Hebamme, zumal ihr ja auch beim Frauen- und Kinderarzt feste Kontrolltermine habt.

Macht euch die Mühe, es lohnt sich!

Ich hoffe, ich konnte euch überzeugen, dass sich die Suche nach einer Hebamme immer lohnt, auch wenn sie sich etwas nervenaufreibend gestaltet! Bei meiner ersten Tochter war ich heilfroh, dass ich noch eine Hebamme gefunden habe, weil ich sehr spät angefangen habe zu suchen. Es war vielleicht nicht genau die, die ich mir gewünscht hätte, aber gerade beim ersten Kind steht man ja bei vielen Dingen wie der Ochs vorm Berg, so dass ich mehr als dankbar war, dass ich eine Ansprechpartnerin für meine ganzen Fragen hatte. Bei meiner zweiten Tochter hatte ich dann (zufällig) eine tolle und sehr einfühlsame Frau, die sich so lieb um uns gekümmert hat, dass ich ganz gerührt war. Von daher wünsche ich keiner Frau, dass sie während des Wochenbetts ohne eine Hebamme auskommen muss.
Mittlerweile gibt es in Hebammenpraxen und Kliniken auch Hebammensprechstunden. Das sollte aber das letzte Mittel sein, weil man natürlich gerade während des Frühwochenbetts auch im Bett bleiben sollte.

Falls ihr noch auf der Suche seid, habe ich euch hier meine 10 ultimativen Tipps zusammengestellt, damit ihr auch eine Hebamme findet! Viel Erfolg!

Wie finde ich eine Hebamme für die Nachsorge?




In letzter Zeit ist es wieder etwas stiller geworden um die Hebammen. Mittlerweile hat aber wahrscheinlich jeder mitbekommen, in welcher Misere die freiberuflichen Hebammen in Deutschland stecken. Auf Grund des Risikos durch einen Fehler bei der Geburtshilfe einen Schaden am Kind zu verursachen, sind die Beiträge zur Haftpflichtversicherung für Hebammen in astronomische Höhen gestiegen. Viele Hebammen sind daher mittlerweile bei einer Klinik angestellt oder betreuen Frauen nur noch zur Vor- und Nachsorge. Viele führen aber selber keine Geburten mehr durch.

Jetzt könnte man denken, dass es daher unproblematisch sein sollte, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung und Nachsorge zu finden. Pustekuchen. Als Frau hat man zwar von gesetzes wegen einen Anspruch auf Hebammenhilfe nach der Geburt, die Suche gestaltet sich aber tatsächlich schwierig. Leider ist der Hebammenberuf, wie die meisten "Frauenberufe", nicht gut bezahlt, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und der Beruf ist emotional sehr fordernd.
Kurz: Obwohl es eigentlich ein toller Beruf ist, sind die äußeren Anreize für junge Menschen, diesen Beruf zu ergreifen, gering. Daher besteht in vielen Teilen Deutschlands bereits eine Unterversorgung in diesem Bereich.

Die Suche nach einer Hebamme wird immer schwieriger

In Hamburg, wo ich wohne, steigen seit einigen Jahren die Geburtenzahlen. Folglich suchen jedes Jahr mehr Schwangere nach einer Hebamme. Die Versorgung ist natürlich im Vergleich zu ländlichen Bereichen gut und es gibt viele Kliniken und auch Hebammenpraxen. Trotzdem war bereits ein deutlicher Unterschied zwischen 2012, als ich zum ersten Mal eine Hebamme gesucht habe und 2015, als ich zum zweiten Mal schwanger war, spürbar.

2012 war die Suche auch zäh, aber hauptsächlich deshalb, weil meine Frauenärztin mir zwar alles Mögliche an Empfehlungen beim ersten Termin gegeben hat, aber nicht, dass ich mir sehr zeitnah eine Hebamme suchen sollte. Zudem lag mein Stichtag im August. Die Sommermonate sind generell schwierig, da Hebammen ungern Geburten mit Stichtag um ihren Urlaub herum annehmen. Das gleiche gilt für Weihnachten. Irgendwann hatte eine Hebamme aber den Tipp für mich, dass eine ältere Kollegin von ihr nur Winterurlaub machen würde. Sie hatte dann zum Glück im Sommer Zeit für mich und mein Baby.

Als ich das zweite Mal schwanger war, habe ich sofort angefangen eine Hebamme für Vor- und Nachsorge zu suchen. Trotzdem bin ich nicht gleich fündig geworden. Über die Liste meiner Geburtsklinik hatte ich dann schließlich irgendwann Erfolg. Ich höre aber immer öfter, dass die Suche sich sehr langwierig gestaltet oder im Extremfall auch mal keine Hebamme gefunden werden kann.

Wenn man im Netz sucht, findet man viele Artikel dazu, wie man die richtige Hebamme für sich findet. Das ist leider auch in Hamburg kaum noch die Frage. Es ist die Ausnahme, wenn man überhaupt noch zwei Hebammen findet, die einen im Wochenbett betreuen könnten. Meistens ist man tatsächlich froh, wenn man endlich eine Hebamme findet, so dass man dann auch nicht mehr weiter sucht.

Um euch bei der Suche zu helfen, habe ich hier die Dinge zusammengefasst, die man bei der Suche nach einer Hebamme beachten sollte und wo man Hilfe finden kann.

10 goldene Tipps

1. Keine Zeit verlieren

Sobald ihr beim Gynäkologen wart und Gewissheit habt, dass ihr schwanger seid, solltet ihr beginnen, euch umzuhören.

2. Telefonieren

Bei der Hebammensuche müsst ihr telefonieren, telefonieren, telefonieren. Schreibt keine Emails! Einigen Hebammen liegt das Digitale vielleicht vom Typ her nicht, aber hauptsächlich sind Hebammen einfach den ganzen Tag unterwegs und haben dann abends nicht unbedingt noch Zeit und Lust Emails zu beantworten. Deshalb ruft sie an und sprecht auf jede Mailbox.

3. Lasst Euch Tipps geben

Hebammen sind gut vernetzt. Wenn eine euch also absagt, fragt sie gleich, ob sie nicht noch eine Kollegin weiß, die vielleicht noch Kapazitäten zur fraglichen Zeit hat oder die du zumindest fragen könntest.

4. Hebammenpraxen

Fragt in Hebammenpraxen nach. Die Betreuung durch eine Hebammenpraxis hat den Vorteil, dass jemand anders einspringen kann, wenn deine Hebamme krank ist. Vielleicht kann euch die Praxis auch eine Kollegin vermitteln.

5. Nachbarinnen fragen

Um eine Hebamme zu finden, die in Eurem Stadtteil tätig ist, ist es auch günstig, die Nachbarinnen mit Kindern zu fragen, ob sie ihre Hebamme empfehlen können. Einfach mal ansprechen. Vielleicht habt ihr ja auch eine Freundin mit Kind im gleichen Stadtteil.

6. Hebammenlisten der Kliniken und Geburtshäuser

Die meisten Krankenhäuser verfügen über Listen mit Hebammen, die dort tätig sind. Viele von diesen Hebammen machen auch Nachsorge. Diese Listen findet ihr entweder im Internet oder könnt sie vor Ort bekommen. Im Zweifelsfall ruft ihr einfach bei der Geburtsstation an und fragt.
Glückliche Städte und Gemeinden haben noch ein Geburtshaus. Dort könnt ihr euch ebenfalls erkundigen, meistens haben Geburtshäuser ebenfalls Hebammenlisten.

7. Hebammenverband

Hebammen sind in Verbänden organisiert. Euer Hebammenverband kann euch ebenfalls bei der Suche helfen. In Hamburg gibt es auf der Hompage z. B. eine Hebammenliste, wo man Hebammen nach Stadtteil, Fremdsprachenkenntnissen und Leistungen suchen kann. Neuerdings gibt es dort auch eine Liste freier Kapazitäten, wo sich Hebammen eintragen können.

8. Social Media

Nutzt eure Social Media-Kanäle und fragt eure dortigen Freunde und Bekannten. Meistens kennt jemand jemanden, der jemanden kennt. Möglicherweise gibt es für euren Wohnort auch eine entsprechende Facebook-Gruppe für Schwangere oder Mütter, wo man sich weitere Tipps holen kann. Für Hamburg gibt es z.B. "Schwanger in Hamburg".

9. Schwangeren-Kurse

Ihr besucht einen Aquagymkurs, einen Fitnesskurs, einen Yogakurs, einen Pilateskurs für Schwangere oder einen Vorbereitungskurs? Dann fragt dort auf jeden Fall auch die Kursleiterin und die anderen Teilnehmerinnen, ob nicht noch jemand einen heißen Tipp für euch hat.

10. Der Notnagel

Hebammen sind notorisch gute Menschen, weshalb sie euch nicht gerne absagen. Viele bieten euch am Telefon auch an, dass wenn ihr wirklich gar keine Hebamme findet, ihr euch nochmal melden sollt. Sie springen dann vielleicht ein und machen zumindest zwei oder drei Termine mit euch. Notiert euch das und kommt im Notfall darauf zurück!

Jetzt bleibt mir nichts, als euch noch viel Glück bei der Suche zu wünschen!

Brauche ich überhaupt eine Hebamme?

Wenn die Suche lang und frustrierend ist, wird oft die Frage gestellt: Benötigt man überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Das Kind könne man doch auch alleine wiegen...
Wieso eine Hebamme toll ist, was sie alles für euch tut und wieso niemand darauf verzichten sollte, könnt ihr hier bei mir nachlesen!

 

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