Freitag, 1. Januar 2021

Meine 6-jährige zockt Nintendo Labo – Testbericht

         



Dankenswerter Weise sind mir für die Testdauer von Nintendo Deutschland die Nintendo Switch, ein Nintendo Labo Multi-Set sowie 1-2-Switch und Kirby Star Allies leihweise zur Verfügung gestellt worden.

Es liegt in der Familie

Wir sind ein Zocker-Haushalt. Mit 5 Jahren saß ich erstmals am C64 und später hatte ich ab dem SNES immer eine Nintendo-Konsole bei mir stehen. Auch während des Studiums habe ich fröhlich MMORPGs (Massive Multiplayer Online Roleplaying Games) gezockt. Das war auch gut so, denn sonst hätte ich den Mann nie kennengelernt. Wer noch einen Gameboy und ein Dialogkabel hat, darf sich übrigens jederzeit gerne mit mir verabreden.

Gameboy, Nintendo

Nintendo Switch als Konsole to go

In der logischen Folge durfte meine Große jetzt die Nintendo-Switch ausprobieren. Natürlich erst, nachdem ich ein bisschen "Kirby Star Allies" darauf gespielt habe und der Mann und ich "1-2-Switch" über den Fernseher ausprobiert haben. Das geniale an der Konsole ist, dass man nicht nur zu Hause am Fernseher damit spielen kann, sondern sie auch ein Handheld, wie früher der Gameboy, ist. Mann kann sie also auch einfach vom Fernseher abstecken und dann unterwegs auf dem kleinen Bildschirm weiterspielen.

Nintendo Labo

Zum Glück sind wir nicht nur ein Zocker-Haushalt, sondern auch ein Bastel-Haushalt. Nintendo Labo ist nämlich die Kombination aus vorgestanzten Papp-Bastelbögen, aus denen man Geräte baut und der Nintendo Switch-Konsole, die man dann in die Pappe steckt, um dann mit diesem zusammengesetzten Gerät zu spielen.

Nintendo, Switch, Labo, Basteln, Pappbogen

Für Origami-Liebhaber

Das Bauen der Papp-Gerätschaften, der Toy-Cons, hat meiner Großen total Spaß gemacht, so dass wir tatsächlich alle im Multi-Set enthaltenen Spielzeuge gebaut haben.

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Je nachdem, wie viele Teile verarbeitet werden, dauert der Bau auch schon mal ein paar Stunden. Das Schöne an den Toy-Cons ist, dass nichts nachlässig ausgestanzt ist oder schief zugeschnitten. Es passt alles haargenau und funktioniert, ohne dass man sich ärgern muss. Die Anleitung zum Bau bekommt man auf einem Modul mit dazu, so dass man sie nur vom Bildschirm ablesen braucht. 6-Jährigen muss man natürlich noch vorlesen, aber sobald die Kinder lesen können, geht das auch ganz allein, weil alles sehr verständlich und für Doofe erklärt ist (man kann aber auch vorspulen).

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Die Toy-Cons

In dem Multiset sind fünf verschiedene Toy-Cons enthalten: ein ferngesteuertes "Auto", ein Haus, ein Motorrad, eine Angel und ein Klavier

Das "Auto"

Als erstes haben wir einen kleines Einsteiger-Robo-Gefährt gebaut, das nur wenige Teile hat und sich durch die Vibrationen über die Tischplatte bewegen kann. Da es keine Räder hat, sieht es zwar nicht aus wie ein Auto, sondern eher wie etwas, das das Imperium bauen würde, aber das ist ja sogar eher besser. Das Bauen ging schnell und es hat gleich Spaß gemacht, es fernzulenken.

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Das Klavier

Dann haben wir das Klavier gebaut. Das war für mich auch ein bisschen ein Test, wie meine Tochter mit einem Musikinstrument umgeht. Sie wollte nämlich auch schon eine Geige haben. Ich bin leider total unmusikalisch und daher bei solchen Wünschen notorisch skeptisch. Als Kind hatte ich aber auch ein Kinder-Keyboard, auf dessen Tasten mein Opa farbige Punkte geklebt hatte, so dass ich mit entsprechend übersetzten Noten darauf spielen konnte, ohne bereits Noten lesen zu können.

Kinderklavier, Bunte Töne, Nintendo, Switch, Labo


Genauso funktioniert das Labo-Klavier auch, nur dass es nicht genug Tasten hat und man für einen Oktavenwechsel noch einen Schalter betätigen muss. Das Bauen hat wieder astrein geklappt, das hat sie ganz geduldig gemacht, obwohl es wirklich viele Teile sind.

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Das Spielen auf dem Klavier war ihr dann aber zu schwierig. Wir hatten ein kleines Liederbuch mit Kinderliedern, wo die Noten in Farben übersetzt waren. Lieder, die in einer Tonart bleiben, gingen so gerade. Leider muss man für die meisten Lieder zwischendurch umschalten und das war ihr dann noch zu viel.
Der Mann, der eigentlich der Musiker in der Familie ist, hat das noch ein paar Mal mit ihr probiert und ein paar Übungen gemacht. Leider hat ihr das keinen Spaß gemacht und sie ist auch immer richtig sauer geworden, wenn es nicht so geklappt hat, wie sie sich das vorgestellt hat.
Am tollsten fanden es eigentlich beide Kinder, von normalen Tönen auf den Katzenchor umzustellen und dann damit Lärm zu machen.

Das Haus

Ich nehme es mal vorweg: Wir haben einen neuen Mitbewohner.
Der absolute Liebling meiner Tochter war das Haus, in dem ein tamagotchiesques Tierchen wohnt. Meinen Tamagotchis war nie ein langes oder auch nur ein nicht ganz kurzes Leben beschieden, weshalb ich die nie gut leiden konnte. Meine Tochter hat das Tierchen aber in ihr Herz geschlossen und zum Glück kann es auch nicht sterben.
Sie hat dann auch richtig Energie entwickelt, um sich da reinzufuchsen und herauszufinden, was passiert, wenn man die verschiedenen Knöpfe in allen möglichen Kombinationen drückt. Es gibt eine Trillion Möglichkeiten mit kleinen Spielen Futter für das Tierchen zu erhalten, Törtchen daraus zu backen und dann sein Aussehen zu verändern. Bezeichnender Weise ist es in dem Labo-Haus meistens genauso unordentlich, wie in ihrem Kinderzimmer.

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Ich steh ja auf Easter Eggs, darum zeig ich Euch in einem kleinen Video mal, was nachts in diesem Haus passiert, wenn das Tierchen schläft.

Das Motorrad und die Angel

Wir haben dann auch noch das Motorrad und die Angel gebaut und angetestet. Rennen fahren und Fische aus dem Meer ziehen fand meine Große aber eher langweilig.

Fazit

Insgesamt muss man aber sagen, dass die Labo-Geschichte eine schöne Kombination aus Basteln und Konsolenspielen ist. Durch die Verschiedenheit der Geräte werden unterschiedliche Vorlieben bedient, so dass für jeden etwas dabei ist. Das Basteln war ein schöner Zeitvertreib an Herbstnachmittagen, aber die Kinder müssen schon etwas Geduld mitbringen. Dafür lernen sie aber auch, dass sie sorgfältig arbeiten müssen, wenn ihr Gerät am Ende halten und funktionieren soll.
Ein Nachteil ist, dass die Papp-Gerätschaften fertiggebaut relativ viel Platz wegnehmen, weil sie natürlich auch nicht gedrückt werden dürfen. Aber wenn man auf einem Schrank etwas Platz hat geht das.

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Die Geräte sind natürlich auch nicht unendlich haltbar und vergniedeln nach häufigem Gebrauch vermutlich. Erstmal waren sie bei uns aber ganz widerstandsfähig, aber nach Lebensende können sie dann zumindest ins Altpapier.

Jump 'n Run

Ich habe sie übrigens auch mal Kirby spielen lassen, obwohl ich da leichte Bedenken hatte, dass sie dem Spielwahn verfällt. Zu meiner allergrößten Überraschung hat sie das aber gar nicht angefixt. Sie hat sich wieder riesig aufgeregt, wenn was nicht geklappt hat (soweit hab ich mich erkannt), so dass wir es dann erst nochmal ad acta gelegt haben. Dann hatte ich es ihr nochmal angeboten und erklärt und vorgespielt, aber sie wollte es trotzdem nicht noch einmal versuchen. Jump 'n Run war ihr anscheinend noch etwas zu komplex, das verschieben wir daher auf später. 

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Die nächste Generation

Nach unserer Testphase sind wir zu dem Entschluss gekommen, unsere alte Wii durch eine Switch zu ersetzen. Es soll aber tatsächlich schon in diesem Jahr eine verbesserte Version der Switch auf den Markt kommen, so dass wir den Release auf jeden Fall noch abwarten. Darüber, was genau geändert werden soll, kursieren bisher nur Gerüchte. Bisher gab es bereits Spekulationen über einen neuen Bildschirm und energieeffizientere Leistung, zuletzt hieß es auf Gamona aber auch, dass die neue Switch deutlich kleiner werden könnte.
Das aber nur als kleiner Tipp, falls Ihr jetzt auch angefixt seid.

Achtsamkeit beim Shopping

 


60 Kleidungstücke pro Jahr

Laut Greenpeace kauft jeder Deutsche rund 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Sechzig.
Das sind fünf Kleidungstücke pro Monat. Ein Teil pro Woche.
Das möchte ich für mich nicht. An diesem unmäßigen Konsum hängen so viele Chemikalien dran, die in Flüsse geleitet werden, so viele Frauen und Kinder, die für einen Hungerlohn nähen müssen, so viele vergeudete Rohstoffe. Ehrlicher Weise hätte ich aber auch gar nicht ganz genau sagen können, wie viel ich wirklich in einem Jahr kaufe. Deshalb war mein guter Vorsatz im letzten Jahr, dass ich nur sieben Kleidungsstücke für mich kaufen möchte. Dass ich achtsam einkaufe.

Shopping-Verzicht

Das Jahr ließ sich ganz gut an. Tatsächlich hatte ich nicht das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Da war auch kein Jieper, jetzt dringend los zu gehen und etwas kaufen zu müssen. Klamotten-Shopping ist tatsächlich auch ätzend, solange man kleine Kinder hat. Die Zeit, die man früher für einen gemütlichen Einkaufsbummel hatte, ist einfach nicht mehr über. Internetshopping nervt auch, weil man schon bei der Suche so viel Zeit verschwendet und dann noch die blöden Pakete hin und her schicken muss.
Ich habe übrigens auch nicht extra-viel für mich genäht. Da hatte ich natürlich auch wieder kaum Zeit zu und wenn ich dazu komme, haben Kindersachen meist Vorrang.

Der Jahreseinkauf

Label, Nachricht, Unterschied, Jacke 
Nachricht in meiner Jacke

Das erste Teil habe ich im Februar im Urlaub an der Nordsee gekauft. Ich hab schon sehr lange eine leichte Winterjacke für den Hamburger 10° Grad-Winter gesucht und bin im Schlussverkauf fündig geworden. Nicht bio, nicht fair, aber zumindest nicht von Kindern hergestellt und vegan, also ohne Fellkragen.
Dann hab ich mir mal zwei neue BHs geleistet und war aus purer Faulheit  und Zeitknappheit bei H&M.
Mitten im Sommer ist mir dann aufgefallen, dass ich einen neuen Bikini brauche. Da hab ich zumindest versucht online einen nachhaltig hergestellten Bikini zu kaufen. Leider waren die im Juli in Deutschland ausverkauft. Da es dann auch keinen Sinn macht, sowas aus dem Ausland liefern zu lassen, hab ich dann einen ganz normalen bei einem Hamburger Versandhaus bestellt.
In den Herbstferien hatte ich dann Zeit für einen richtig schönen Shoppingbummel in Holland. Ich habe ein Kleid für eine anstehende Hochzeitsparty mitgenommen, einen Sweater und eine Strickjacke. Da habe ich dann auch Ernst gemacht und bio und/oder fair gekauft. Dummerweise war dann mein Kontingent für das Jahr voll. Leider hatte ich noch ein Kleid anprobiert, das nix für eine Hochzeit war, aber super saß und ganz weich und fair und bio war. Ich habe zwei Wochen drüber nachgedacht und dann gecheated. Das Kleid habe ich mir vom Mann zu Weihnachten gewünscht. Aber dafür gab es dann eben nichts Anderes. Fand ich legitim.
Es waren also genau genommen acht Teile in 2018.

Fashion, Mode, fair, bio, Armed Angels, Nachhaltigkeit Beipackzettel in meinem Kleid

 

Achtsamkeit erreicht

Viel interessanter ist aber eigentlich, was die selbst gesetzte Begrenzung mit einem macht. Bei jedem Kauf habe ich viel genauer nachgedacht, ob ich das Teil wirklich brauche. Wenn ich nur überlege, ob ich sowas schon habe, es haben möchte und ob ich es mir leisten kann, dann ist ein Kleidungsstück deutlich schneller gekauft. Wenn ich mir aber überlege, ob dieses Teil es wert ist, eins der sieben Kleidungsstücke zu sein, die ich in diesem Jahr kaufe, dann hängt man doch eine ganze Menge nochmal wieder zurück. Die rein mengenmäßige Beschränkung hat also tatsächlich zu mehr Achtsamkeit beim Shopping geführt.
Gleichzeitig habe ich mehr auf die Qualität der einzelnen Stücke geachtet und ob sie fair und/oder bio hergestellt wurden. Wenn man nur wenig kauft, kann es natürlich sein, dass man mehr Budget frei hat. Ich muss allerdings sagen, dass ich überrascht war, dass die nachhaltigen Kleidungsstücke nicht so teuer waren, wie ich gedacht hätte, sondern eher im normalen preislichen Rahmen lagen.
Auf jeden Fall behält man aber den genauen Überblick, wie viel man wirklich im Jahr so kauft. Am Ende kocht aber alles wieder darauf herunter, dass man bei jedem Kauf darauf achten sollte, wem man sein Geld wofür gibt.
Und nicht vergessen: Die nachhaltigste Kleidung ist die, die oft getragen wird und lange hält.

"Keine Kinder sind auch keine Lösung" von Nina Straßner - Rezension



Ein Rezensionsexemplar von "Keine Kinder sind auch keine Lösung" von Nina Straßner wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom Bastei Lübbe-Verlag zur Verfügung gestellt. Mithin Werbung.

Das Manifest für Familien

Keine Kinder sind auch keine Lösung. Banal, aber wahr. Zumindest für mich und auch gesamtgesellschaftlich.
Trotz dieses bereits politischen Titels hatte ich eigentlich einen juristischen Ratgeber im Stile von "Don't worry, be Mami" erwartet - nur in witziger. Immerhin ist der Untertitel ja auch "Schützenhilfe von der Juramama".
Aber weit gefehlt.

Dieses Buch ist ein Manifest.

Ursprünglich sollte das Buch "Fuck you very much" heißen. Diesem - viel ehrlicheren - Titel standen leider verlagsseitig Bedenken entgegen.
Immerhin haben diese geflügelten Worte es noch ins Vorwort geschafft. "Keine Kinder sind auch keine Lösung" startet nämlich fulminant mit der Schimpftirade eines aufgebrachten Mannes. Und mit sowas kennt Nina Straßner sich aus. Neben Ihrer regelmäßigen Kolumne für die Brigitte Mom, wurden auch schon Artikel von ihr in der Süddeutschen Zeitung und der ZEIT veröffentlicht. Da sich in öffentlichen Kommentarspalten von Zeitungen leider sofort Maskulinisten und Rechte einfinden, wenn eine Frau es wagt, ihre politischen Ansichten zu veröffentlichen, kann sie auf ein breites Portfolio an dummdreisten Beschimpfungen zurückgreifen.

So viel Freude, so viel Wut

Das Buch beginnt aber tatsächlich mit juristischen Tipps, die man jedem entgegenschleudern kann, der einem beim Supermarkt-Einkauf mit Kindern gut gemeinte Ratschläge oder bevormundende Kommentare aufnötigt. Wenn Nina Straßner nämlich mit einem in diesem Buch nicht hinter dem Berg hält, ist das ihr Zorn. Sehr vielschichtigem, aber wohl begründetem Zorn. Was manche für undamenhaft halten mögen, halte ich für sehr berechtigt und längst an der Zeit. Ich hielte es sogar für sehr heilsam, wenn mehr Frauen ihrer Wut Ausdruck verleihen würden. Das besondere an Nina Straßner aber ist, dass sie nicht nur einen 300 Seiten langen Rant geschrieben hat, sondern dass diese schöne Frau und Juristin dabei auch noch einen sehr intelligenten Humor beweist. Es geht nicht gerecht zu auf der Welt.

Nina Strassner

Die redegewandte Rechtsanwältin holt in ihrem Buch auf jeden Fall zum Rundumschlag aus. Nicht nur Jan Hofer, Siegmar Gabriel, der Playboy, die Shape und die Bunte bekommen mit grober Kelle ihr Fett weg, nein, hauptsächlich auch der Staat mit seinen frauen- und familienbenachteiligenden Regelungen.

Geburtshilfe in Not

Ein ganzes Kapitel ist, sehr zu Recht, der Misere in der Geburtshilfe gewidmet. Die Missstände in der Geburtshilfe werden anhand von Fallbeispielen noch einmal sehr deutlich aufgezeigt. Insbesondere mit Blick auf die Niederlande zeichnet die Autorin aber auch ein Bild, wie es besser gehen könnte. Das fand ich sehr lesenswert.

Kinderwunschunterbindung

Während die unterirdischen Gehälter von Hebammen zumindest mittlerweile im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen sind, hat mich dieses Buch auf ein Problem aufmerksam gemacht, das mir bisher gänzlich entgangen ist. Natürlich hat jeder Paare im Bekanntenkreis, die lange versuchen ein Kind zu bekommen oder bei denen es auch gar nicht klappt. "Zwanzig Prozent der Paare in Deutschland, die Kinder haben wollen, scheitern an den körperlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Fortpflanzung,...". 20 Prozent!
Und als wäre der ganze seelische Stress nicht furchtbar genug, übernehmen die Krankenkassen seit 2004 nur noch 50% der nicht unerheblichen Kosten für drei Behandlungen der In-Vitro-Fertilisation.

Die Vorstellung, dass Paare es sich nicht leisten können, überhaupt nur zu versuchen ein Kind zu bekommen, treibt mir die Tränen in die Augen. Insbesondere wenn man sich klar macht, wie viele teuere Operationen über 90jährigen kurz vor ihrem Ableben noch aufgeschwatzt werden, weil die Kliniken gut daran verdienen. Als ich davon gelesen habe, habe ich tatsächlich sofort nach einer Online-Petition gesucht, um die Betroffenen zu unterstützen, bin aber leider nicht fündig geworden. Hier wird einfach sehr blauäugig auf eine profitable Zukunftsinvestition verzichtet. Darüber hinaus wird Menschen in einer ohnehin sehr schwierigen Situation das Leben nochmal so viel schwerer gemacht, dass es nicht auszuhalten ist.

#RegrettingFatherhood

Quasilegendär ist das Kapitel in dem Nina Straßner den Andi seine Fatherhood regretten lässt, indem sie einfach mal eine klassische deutsche Mutterkarriere einem Mann anheftet. Der Effekt ist wahnwitzig. Was Mütter tagtäglich durchmachen, wirkt bei Andi derart wirklichkeitsfern und ungerecht, dass man schreien möchte.

Handfeste Tipps

Neben wüsten Pöbeleien auf alle, die es verdient haben, zeigt die Autorin aber auch die rechtlichen Fallstricke auf, die Eltern erwarten, wenn sie nicht verheiratet sind. Darüber stolpern traditionell hauptsächlich die Mütter, die nach Jahren der aufopferungsvollen Care-Arbeit dann  ihre wohlverdiente Rente in Altersarmut fristen. Ein romantisches Leben in wilder Ehe kann nämlich leider ganz unschöne monetäre Folgen haben.

Ganz in ihrem Element ist Nina Straßner selbstverständlich, wenn sie alle arbeitsrechtlichen Aspekte rund um befristeten Arbeitsverhältnisse, Schwangerschaft, Elternzeit und die regelmäßig folgenden Teilzeitverträge beleuchtet. Auch Mutterschutz, Kündigungsschutz und Berufsverbot sowie wer wann Mutterschaftsgeld erhält werden juristisch genauestens aufgedröselt. Das ist gerade auch für Selbstständige äußerst hilfreich.
Sie trägt dazu nicht nur die "schönsten" Fälle zum Thema vor, sondern hält natürlich auch mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg, was das Ganze leider nicht erträglicher, aber zumindest viel lesenswerter macht.

Blogfamilia, 2018, Rechtsanwältinnen, Bloggerinnen, Juristinnen, Nina Straßner, Sandra Runge Juramama & Smartmama auf der Blogfamilia 2018

Das dicke Ende kommt zum Schluss

Während man vielleicht bei einigen Kapiteln einen Kloß im Hals hat oder gut sichtbar eine Ader an der Schläfe pocht, zieht sich einem beim letzten Kapitel der Hals komplett zu. Da geht es nämlich um die Rente und den Generationenvertrag. Fairer Weise muss man sagen, dass die Autorin einem gleich zu Beginn des Kapitels zu einem Eimer Espresso und Wein rät. Das ist dann auch nötig, weil sie ganz banal ein Ehepaar mit Kindern und eins ohne Kinder vergleicht und anhand dieses Vergleichs darlegt, wie der Staat Kinderkriegen bestraft. Fast hätte ich danach freiwillig das Atmen eingestellt.

I have a dream...

Nach der Lektüre ihres Buches kommt man nicht umhin, Nina Straßner dafür zu bewundern, dass sie mit ganz klaren Worten die Ungerechtigkeiten benennt, die immer wieder die treffen, die keine ausreichende Lobby haben, um sich zu wehren. Sie macht einem mit glasklaren Argumenten bewusst, wie miserabel die Menschen in unserem Land eigentlich behandelt werden, wenn es sich nicht zufällig um kinderlose, weiße, alte Männer handelt. Und wer jetzt denkt: "Na ja, sooooo schlimm ist es ja nun auch wieder nicht.", der sollte sich am allerdringendsten dieses Buch kaufen.
Ich wollte oder habe tatsächlich nach jedem zweiten Kapitel dieses Buches eine empörte Mail an zuständige Entscheidungsträger geschrieben.

Mein Lieblingskapitel in diesem Buch heißt übrigens auch "Bevor ich mich jetzt aufrege, ist es mir lieber egal". Offenkundig ist das kein Zitat der Autorin. Und das ist auch gut so, weil man sich erstmal aufregen muss, bevor man sich engagiert. Zum Glück haben immer mehr Menschen den Impuls sich zu engagieren - aber kaum einer regt sich so schön auf wie Nina Straßner.
Ich erwarte diese Frau demnächst in einem politischen Amt und prophezeie ihr (hoffentlich selbsterfüllend) einen steilen Aufstieg vom Kieler Rathaus aus in die Bundespolitik.
Mit ihrem Manifest in der Handtasche.

Der Handfeger-Test

An alle die das Buch gelesen haben oder bald lesen werden, habe ich abschließend eine Frage: Wärt ihr bezüglich des Handfegers in der Küche genauso verfahren wie Nina?
Ich hätte das hunderprozentig genauso gemacht, aber wenn man es liest, fühlt es sich ein bisschen verrückt an.

Don't worry, be Mami von Sandra Runge - Rezension



Ein Exemplar von „Don't worry, be Mami“ wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom Blanvalet Verlag zur Verfügung gestellt.

Ein Kind, viele Sorgen

In "Don't worry, bei Mami" erzählt Sandra Runge ihre Geschichte. Diese Geschichte beginnt damit, wie sie nach ihrer ersten Elternzeit von ihrem Arbeitgeber knallhart verarscht wurde. Ganz dreist wurde sie an ihrem ersten Arbeitstag nach der Elternzeit ohne Vorwarnung entlassen. Man sollte denken, dass dies ein Zusammentreffen von unglücklichen Umständen und miesestem Führungsstil war, das in dieser Form nur selten vorkommt. Leider ist dem nicht so. Frauen verlieren auf vielfältige Art und Weise ihre Jobs, nur weil sie ein Kind bekommen. Zum Glück ist Sandra Runge Anwältin und hat in ihrem Buch viele Ratschläge und Tipps zusammengefasst, wie man Schwangerschaft und Elternzeit möglichst ohne monetäre Einbußen und rechtlich abgesichert übersteht.
Es beginnt mit dem Steuerklassenwechsel, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist und endet mit der Haftung für durch Kinder verursachte Schäden.

Geballte juristische Expertise

Das Buch ist kein juristisches Fachbuch, sondern allgemein verständlich geschrieben. Wer aber erwartet, dass dieses Buch ohne juristische Fachbegriffe auskommt und alles ganz einfach erklärt ist, wird etwas enttäuscht werden. Grund hierfür ist schlicht, dass man juristische Normen und Sachverhalte präzise schildern muss, damit es nicht falsch wird. Trotzdem gibt es natürlich viele Erläuterungen. Sandra Runge leitet einen anhand ihrer Geschichte von Ratschlag zu Ratschlag. Die Story mag daher teilweise etwas konstruiert wirken und die Lieblingsfarbe von Juniors Löffel mag auch nicht jeden interessieren. Dafür erlebt man aber hautnah mit, wie der tägliche Wahnsinn mit Kind auch bei eigentlich aufgeräumten Juristinnen zuschlägt. Außerdem hat die Rahmengeschichte den Vorteil, dass das Buch überhaupt lesbar ist. Nichts ist schlimmer, als wenn juristische Sachbücher zu trocken sind, denn dann schafft man es meist gar nicht, sie überhaupt zu Ende zu lesen.

Die innere Anwältin

Dass man jedes Mal, wenn man das Buch sieht, den dümmlichen Ohrwurm "Don't worry, be happy" hat, muss man beim Kauf dieses Buches hinnehmen. Beinahe hätte ich das Buch übrigens nach den ersten Seiten nicht weiter gelesen. Die häufig zu Wort kommende "innere Anwältin" der Autorin erinnert mich nämlich latent an die "innere Göttin", wegen der ich schon von 50 Shades of Grey nicht mehr als einen Auszug lesen konnte. Zum Glück weiß die "innere Anwältin" irgendwann auch, wann sie die Schnauze zu halten hat.

Geldwerte Tipps

Elternratgeber, Kopfkissen, Schwangerschaft, Sandra Runge

Im günstigsten Fall liest man dieses Buch übrigens schon ganz in Ruhe in der Schwangerschaft. Wegen der Stilldemenz markiert man sich dann am besten die relevanten Stellen mit Post-Its und legt es zum Nachschlagen unters Kopfkissen, bis die Kinder ausgezogen sind. Dieses Buch spart einem eine Menge Nerven und im Zweifel auch eine Menge Geld. Gerade die Tipps zu Mutterschaftsgeld, rechtlicher Absicherung gegenüber dem Arbeitgeber, Steuerklassen, Hebammen- und Krankenkassenleistungen sowie Elterngeld sind bares Geld wert, so dass sich der Kaufpreis dicke lohnt.

Zukunftsmusik

Mein Abschnitt in "Don't worry, be Mami" ist übrigens der "Wiedereinstieg auf dem Ponyhof". In dieser Traumsequenz, die nur über zwei Seiten geht, schildert Sandra Runge, wie sie sich die perfekte Behandlung von Schwangeren und Müttern durch Arbeitgeber vorstellt.
So crazy, wie die Autorin das Szenario auf Ihrem Ponyhof schildert, finde ich das gar nicht. Die Doppelseite sollte man seinem Chef oder seiner Chefin ruhig mal kopieren und unter der Bürotür durchschieben. Bei Umsetzung dieser wenigen Maßnahmen wäre schon viel gewonnen in Deutschland!

Miss Multitasking

Sandra Runge, LAUFMAMALAUF, Sissi Rasche, Mompreneursgn="aligncenter" width="850"] Fotograf: Andreas Schwarz

Sandra Runge hat mittlerweile übrigens zwei Jungs und ihre eigene Kanzlei in Berlin. Dazu bringt sich vermehrt auch politisch ein, ist Gründerin von Coworking Toddler und hat einen sehr folgenswerten Blog unter www.smart-mama.de. Auf dem letzten Netzwerktreffen von LAUFMAMALAUF habe ich Sandra Runge übrigens persönlich bei einer Podiumsdisskussion mit anderen Mompreneurs erlebt. Und was soll ich sagen? Das zarte Persönchen ist engagiert, eloquent und fachlich top.
Und genau deshalb hilft einem auch ihr Buch auf den Punkt weiter.

 

 

Der gute Vorsatz

 


Vorsätze an und für sich

Das neue Jahr ist schon einige Tage alt und im Freundeskreis habe ich von ernsthaften Neujahrsvorsätzen eigentlich nichts gehört. Mit Ende 30 muss es nicht mehr alles schneller, weiter, besser sein. Viele arrangieren sich mit einem kleinen Bäuchlein. Rauchen tut sowieso niemand mehr. Mehr Sport ist immer gut, aber man tut sowieso schon, was neben Familie und Arbeit möglich ist. Es ist nicht so einfach "den" guten Vorsatz zu finden.
Aber eine Sache gibt es da doch: Ich würde gerne nachhaltiger leben.

Dahinter steht natürlich, dass ich die Erde gerne gesund halten würde, damit hier noch lange Menschen fröhlich leben können. Mir ist klar, dass es im Vergleich wenig ändert, wenn ich allein etwas umstelle. Dass so ein Beitrag nicht ins Gewicht fällt, wenn die Industrien weiter Müll und Abgase produzieren wie bisher. Dass es niemanden kümmert, wenn die Bienen ausgestorben sind und ich aber Bio-Gurken gekauft habe.

Trotzdem möchte ich mich gerne von anerzogenen, angenommenen oder von der Werbung aufgedrückten Gewohnheiten verabschieden, die ich für mich als schlecht erachte. Ich bin ungern in dieser Weise fremdbestimmt. Suchthaftes Verhalten, das mir eigentlich zu wider ist, möchte ich gerne ablegen, wenn ich es erkannt habe.

In letzter Zeit geht mir Shopping auch immer mehr auf den Keks. Gar nicht so sehr der Prozess an sich, sondern die Fülle von Dingen, die einen belasten. Gerade der ständige Kauf von neuer Kleidung, die eigentlich nicht gebraucht wird, stört mich in letzter Zeit immer mehr. Dadurch, dass man in der Elternzeit eigentlich kaum in die Innenstadt geht, wird man zum Glück schon etwas entwöhnt. Online-Shopping von Klamotten nervt mich sowieso latent, weil die Rücksendequote bei mir relativ hoch ist. Entweder Farbe und Qualität weichen von meinen Erwartungen ab oder es passt einfach nicht. Dazu kommt, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr jedem Trend folgt und dass es auch weitgehend egal ist, was man trägt, wenn man stundenlang auf dem Spielplatz rumsteht. Hauptsache man friert nicht. Der Plan ist also das Mombie-Syndrom positiv zu nutzen und das Shoppingverhalten nicht wieder umzustellen.

Letztens habe ich irgendwo in den sozialen Medien einen Post von jemandem gesehen, der im letzten Jahr nur sieben Kleidungsstücke gekauft hat. Das fand ich gut. Auch die Anzahl. Sieben. Das scheint irgendwie machbar zu sein. Das sollte alles abdecken, was man dringend ersetzen muss und dazu noch ein oder zwei Spaßteile. Dazu kommt, dass es einfacher ist gute Vorsätze einzuhalten, wenn sie konkret formuliert sind.

7 Teile

Das ist er also, mein guter Vorsatz für 2018: Ich möchte nicht mehr als sieben neue Kleidungsstücke kaufen. Und ich werde jetzt keine Kleidungskategorie, wie Schuhe, Unterwäsche oder Sportkleidung für den Job ausschließen. Kann sein, dass das nicht klappt, aber ich möchte gerne so anfangen. Ich bin übrigens in der komfortablen Situation, dass ich mir auch etwas nähen kann, wenn ich möchte.
Meine Hoffnung ist, dass ich, wenn ich nur sieben Teile p.a. kaufe, eher fairwear kaufe, auch wenn das etwas teurer ist. Das kann aber auch in die Hose gehen und vielleicht muss ich auch etwas Hochmodisches kaufen, wenn ich schon nur so wenig kaufen "darf". Ich bin gespannt, ob ich mit Entzugserscheinungen zu tun haben werde.
Eine Überlegung ist auch ein monatlich einen bestimmten Betrag zur Belohnung auf ein eigenes Konto zu überweisen und am Ende des Jahres etwas Schönes damit zu unternehmen. Belohnungen sind bei mir sehr wirksam.

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Das letzte Jahr

Im letzten Jahr war mein guter Vorsatz jeden Tag einen Instagram-Post zu verfassen. Das hat bis auf eine handvoll Tage geklappt und ich bin mir ziemlich sicher, dass es besser geklappt hat, als wenn ich mir vorgenommen hätte "mehr auf Instagram zu posten". Im letzten Jahr habe ich auch schon dran gearbeitet etwas umweltbewusster zu leben. Dazu habe ich ein paar Sachen umgesetzt, die keines Vorsatzes bedurften, weil sie eigentlich keinen Aufwand dargestellt haben.

  • Ich habe die Bahn wieder für mich entdeckt. Gerade nach Leipzig oder Berlin geht es schneller als mit dem Auto und das reisen war deutlich entspannter. Ohne Kinder hat man ungestört Zeit zum Lesen, Schlafen oder Arbeiten. Mit Kindern kann man Spielen, Lesen und sich bewegen. Außerdem wird meiner Großen regelmäßig schlecht im Auto, so dass sie wirklich dankbar ist, wenn wir mit der Bahn reisen.
  • Endlich, endlich, endlich habe ich alle unsere Getränke von Tetra-Paks auf Pfandflaschen aus Glas umgestellt. Wobei ich sagen muss, dass es mich ärgert, dass unsere Supermärkte hier Bio-Milch nur in Tetrapaks führen und ich die deshalb immer noch manchmal mitnehme.
  • Wir haben unseren Amazon-Prime-Account gekündigt, weil wir auf Netflix umgestiegen sind und ich muss sagen, dass es nebenbei zu einer spürbar verminderten Bestellrate geführt hat. Eigentlich versuche ich sowieso in Läden in der Umgebung zu kaufen, aber mit der Versandflatrate bestellt man doch mehr als ohne.
  • Alufolie hab ich auch nicht mehr gekauft und bis Weihnachten ist es niemand aufgefallen. Da hat der Mann einmal gefragt und es dann irgendwie anders gelöst. Frischhaltefolie hab ich im letzten Jahr auch schon nicht mehr gekauft, aber da haben wir noch welche. Aber ich vermute, die wird auch niemand ernstlich vermissen, wenn die Rolle leer ist.
  • Apropos Alu. Als jemand, der viel Sport treibt, fand ich es nicht so einfach, wieder auf Deo ohne Alu umzusteigen. Deshalb habe ich mir für besondere Anlässe noch eins mit Alu in der Hinterhand behalten. Das ist jetzt am Ende des Jahres aber noch halb voll, so dass ich jetzt auch ganz auf die Alternative ohne Aluminiumsalze umsteigen kann.
  • Unsere Fonds-Anlagen für die private Altervorsorge haben wir in einem ersten Schritt zumindest hälftig umgestellt. Ich war schlichtweg überrascht, dass Banken Anlagegelder z.B. auch in die Waffen- und Pornoindustrie investieren. Das war extrem blauäugig von mir, aber wir haben jetzt begonnen uns andere Anlagemöglichkeiten zu suchen, die das und viele andere Dinge wie Atomenergie ausschließen. Leider sind auch Firmen wie Monsanto und Nestlé in den meisten Fonds standardmäßig vertreten, aber auch solche Anlagen kann man umgehen. Macht Euch doch mal den Spaß und befragt Euren Anlageberater dazu.
    Podcasts zum Thema findet Ihr z.B. beim Finanzoptimisten.
  • Ein Auto haben wir zwar noch, aber wieder einen Benziner. Viel bewegt wird der nicht, aber solange die Kinder noch klein sind und weil wir einige Hobbies mit viel Gepäck haben, sind wir noch zu bequem, um auf das Auto zu verzichten.
  • Einige Sachen habe ich einfach weiter nicht gekauft. Getränkedosen. Plastikpfandflaschen. Tüten. To-Go-Becher (habe ich mir im letzten Jahr jetzt auch auf der Autobahn verkniffen, was immer die Ausnahme war). Nestlé-Produkte: Es gab kein Schöller-Eis im Sommer, keine Smarties auf dem Geburtstagskuchen, keine Hertha-Wurst, meine Mutter kauft kein Vittel mehr. Das sind Dinge ohne die ich gut leben kann

Die guten Pläne 2018

Solche Pläne die im nächsten Jahr umgesetzt werden, habe ich auch für 2018 wieder:

  • Beim Nähen werde ich darauf achten, Bio-Stoffe zu kaufen und nicht mehr einfach möglichst günstig kaufen.
  • Checken, ob es Sinn macht bei Kilenda, Kindoo oder Tchibo Share die Klamotten für die Kinder zu leihen.
  • Noch mehr Bahnfahren, vielleicht auch mit der ganzen Familie.
  • Das Fairphone werde ich ernsthaft mit in die Smartphoneauswahl miteinbeziehen.
  • Auf Menstruationstassen umsteigen. Da scheine ich wieder einen Trend verpasst zu haben, aber besser spät als nie. Und keine Angst: Ich werde nicht berichten!

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Was aus dem guten Vorsatz geworden ist, könnt ihr hier nachlesen!

Muttergefühle 2 von Rike Drust - Rezension



Ein Rezensionsexemplar von "Muttergefühle. Zwei" wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom C. Bertelsmann-Verlag zur Verfügung gestellt.

Schönes Scheitern

"Muttergefühle. Zwei - Neues Kind, neues Glück" ist der volle Titel des Buches, der "Muttergefühle. Gesamtausgabe" ad absurdum führt. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Die Autorin, Rike Drust, hat ein zweites Kind bekommen und sie ist wahnsinnig glücklich. Zum Glück ist sie nur bis Seite 48 wahnsinnig glücklich. Nicht, dass man Rike das Glück nicht gönnt und es auch mal genießt, wie sie sich und Eltern im Allgemeinen abfeiert, aber genialer ist es, wenn sie von ihrem Scheitern berichtet. Erstens weil einem beim Lesen vor Lachen der Rotwein aus der Nase läuft und zweitens, weil sich das so kaum eine traut. Das Buch ist sozusagen die "Fuck-Up-Night" der Eltern-Ratgeber. Und wie immer lernt man da am meisten.

Wattsefacko?

Aber wer ist die Frau auf dem Foto im Klappentext, die viel zu jung für die Geschichten in Ihrem Buch ist? Morgens soll sie wie Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" aussehen? Hm. Schwer zu glauben, wenn man nicht weiß, dass das auch schon das Autorenfoto im letzten Buch war. In dem von 2011. Jetzt ahnt man, dass die Frau auf dem Foto das Gesamtpaket an Muttergefühlen noch nicht abbekommen hat. Zumindest nicht Teil 2. Allerdings verstehe ich tatsächlich nicht, wieso der Verlag dieses uralte Foto verwendet hat. Denn erstens versichert Rike Drust in Ihrem Buch und auch auf ihrem Blog glaubhaft, dass sie mittlerweile jegliche Eitelkeit abgelegt hat und zweitens sieht diese lebensfrohe Frau jetzt noch viel fröhlicher und interessanter aus.

Rike Drust, Autorin, Foto

Mein Lieblingssatz

Wie im ersten Buch begleitet man mit Rike wieder eine Mutter, die das richtige Leben für sich und ihre Familie findet. Sie wurschtelt sich durch den Dschungel aus Erziehungscredos von Färbern bis Attachment Parenting, bleibt entspannt, blockt die Dogmatiker ab und findet ihren eigenen Weg. Mein Lieblingssatz ist (selbstverständlich) aus dem Kapitel "Penis! Hahahaha. Penis! Hahahaha.". Eigentlich geht es in dem Kapitel um die gewöhnungsbedürftigen Gesprächen mit Kindern über ihre Entstehung. Weil Rike Drust aber gerne und schön über Liebe schreibt und wie sie sein sollte, ist der letzte Satz dieses Kapitels: "Und dann spüren wir, dass es auf den ersten Blick vielleicht kompliziert ist, aber auf den zweiten großartig, weil alles geht was glücklich macht." Dieser Satz ist im ursprünglichen Zusammenhang wahr, aber darüber hinaus auch für alles, was Kindererziehung betrifft. Sozusagen die Essenz des Buches.

 

Worte für die Liebe

Grundsätzlich betont Rike Drust, dass sie keinen Wert darauf legt, Ratgeber zu schreiben. Jetzt hat sie doch aus Versehen (wieder) einen geschrieben.
Der beste Rat aus diesem Buch ist, einen Ehevertrag zu schließen. Aus irgendeinem Grund ist die gemeinsame Eigentumswohnung der Drusts nämlich im Grundbuch nur auf ihren Mann eingetragen. Um sich und die Kinder trotzdem abzusichern, haben sie und ihr Mann einen Ehevertrag geschlossen. Im Buch finden sich zwar auch gute Tipps zur Ausgestaltung eines Ehevertrages, aber das ist ja eigentlich nicht das Schwierige an Eheverträgen. Da kann man sich einfach beim Anwalt beraten lassen.

Rike Drust, Lovers

Das Schwierige an Eheverträgen ist, sich zunächst selber zu überzeugen, mit seinem Partner über das Thema zu sprechen. Im zweiten Schritt muss man dann auch noch seinen Partner überzeugen, ebenfalls einen Ehevertrag zu wollen. Das in Erwägung ziehen des Scheiterns der eigenen Beziehung ist leider derart unangenehm, dass viel zu wenige Paare Eheverträge schließen. Selbst mir als Juristin erschien das lange pessimistisch, hölzern und unsexy. Meistens sind es dann später natürlich die Frauen, die nicht nur alleinerziehend, sondern auch arm dastehen. Deshalb ist das Wichtigste an diesem Buch, dass Rike Drust, die so fabelhaft mit Worten umgehen kann, in dieses Buch die Worte reingeschrieben hat, mit denen man seinem Mann erklären kann, wieso ein Ehevertrag gut für die Liebe ist. Kann man auch einfach vorlesen. Diese Worte hätte ich nie allein so finden können und so wird es vielen gehen. Deshalb sollte sich jede Mutter, die zu Gunsten der Kindererziehung ihre Arbeitszeit verkürzt und sich und ihre Kinder noch nicht entsprechend für den Fall einer Trennung abgesichert hat, dieses Buch kaufen. Damit man am Ende nicht Opfer und nicht Arschloch ist, aber vor allem nicht Opfer.

Ein Buch wie ein Kopfstreicheln

Dieses Buch tat mir beim Lesen gut. Und ich behaupte, dass es den meisten Leserinnen so gehen wird. Da Rike so offen aus ihrem Alltag und von ihren Muttergefühlen berichtet, kann man sich immer entweder freuen, dass es bei anderen genauso verquer läuft, wie bei einem selber oder dass es bei anderen noch viel schlimmer läuft.
Und wenn einem nicht gerade das Herz überfließt, weil die Worte, die Rike für die Liebe zu ihren Kindern findet, so treffend sind, dann kann man sich aus vielen Kapiteln auch etwas für sich mitnehmen und vielleicht das Miteinander mit seinen Kindern auch etwas liebevoller und intensiver gestalten. Oder einem ist das alles zu undogmatisch und man regt sich auf, dass alle ständig Netflix gucken. Was man lieber mag.

Muttergefühle in allen Bereichen

In diesem Buch bleibt kaum ein Bereich des Familienlebens mit innerem oder äußerem Konfliktpotential ausgespart: Meckern, Liebe für zwei Kinder, Schlafen, Zuständigkeit bei krankem Kind, Aufklärung, Medienkonsum, Kaiserschnitt, Genderquatsch, Mobbing, Conni, Essen, der Tod, Arbeitsteilung, Duschen, Wüteriche  und natürlich Brettspiele.
Zur Auflockerung kommen dazwischen aber auch immer wieder Kapitel, die gesungen werden müssen. So wie das Danke an die Kitaerzieher, die Ode an die Familie und die Lobpreisung des Mannes.
Überhaupt der Mann. Er kommt nicht mehr so gut weg, wie in Teil 1. Trotz der Eingeschobenen Lobpreisung muss man nicht ständig denken, dass man auch gerne so ein tolles Modell hätte. Hat mir gleich gute Laune gemacht, dass er in diesem Buch auch ein paar Aussetzer hat.

Fazit

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass "Muttergefühle. Zwei" genau wie der erste Teil sehr viel Laune macht beim Lesen. Das erste Buch muss man übrigens nicht gelesen haben, um sich bei "Muttergefühle. Zwei" damenhaft kichernd, den Wein durch die Nase laufen zu lassen.
Für sich selbst kann man aus dem Buch jede Menge mitnehmen, gerade wenn die eigenen Kinder noch jünger sind und man die Kämpfe erst noch fechten muss, von denen Rike berichtet. Ich kann das Buch also allen Kleinkindeltern sehr ans Herz legen. Es hilft, die Dinge entspannter zu sehen und seinen Kindern im Alltag mit mehr Liebe zu begegnen.

Muttergefühle. Gesamtausgabe - Rezension



Muttergefühle. Und dann auch noch in einer Gesamtausgabe.

Wer beim Kauf ein mehrbändiges Buch im Format Brockhaus erwartet, wird sofort sehr enttäuscht oder sehr erleichtert feststellen, dass diese fundamentalen Emotionen in einem Paperback zusammengefasst werden konnten. Die Autorin, Rike Drust, nähert sich dem Thema ohnehin angenehm leichtfüßig, da sie weder Anspruch auf abschließende Vollständigkeit erhebt, noch darauf, die einzig Erleuchtete zu sein. Wer also einen Ratgeber sucht, der einem präzise Anleitungen zur Handhabung eines Kindes und den damit verbundenen mütterlichen Gefühlen an die Hand gibt, sollte nicht zu diesem Buch greifen.

Nicht so richtig zu empfehlen ist das Buch auch für Mütter, die schon zwei oder mehr Kinder haben. Ich hatte das Buch ursprünglich als Geschenk für eine Freundin gekauft, die einen 3jährigen Sohn hat und dann Zwillinge bekam und musste nochmal umdisponieren, nachdem ich aus Versehen reingeschmökert hatte. Wenn man mit mehreren Kindern überhaupt noch Zeit zum selbstbestimmten Lesen findet, wird man sich zwar gut unterhalten fühlen, aber man wird nicht mehr den gleichen Aha-Effekt haben wie als Erstmutter. Eher wird man sich lächelnd und mit leichter Wehmut daran erinnern, wie verrückt alles mal war. Und mit Zwillingen braucht man sowieso etwas Stärkeres.

Auch Schwangeren kann ich nicht empfehlen, das Buch zu lesen, da sie ohnehin nicht glauben würden, dass sie selbst auch einmal ähnlich nah am Rande des Wahnsinns entlang schrammen werden. Klassischer Fall von vergebener Liebesmüh. Sicherheitshalber könnte man es aber schon kaufen und zusammen mit einer Notfallration Schoko-Cookies in der Nachttischschublade verstauen.

Menschen mit bloßem Kinderwunsch ist gänzlich von der Lektüre abzuraten, da sich der Kinderwunsch sonst verflüchtigen könnte.

Absolute Zielgruppe dieses Buches hingegen sind Erstmütter, die sich folgende Fragen stellen:
"Ist mein Leben vorbei?", "Wie bin ich nur Hausfrau und Mutter geworden?", "Mach ich alles falsch?", "Wie bin ich nur in diese Lage gekommen?", "Bin ich verrückt?", "Sind das die Hormone?", "Werde ich jemals wieder eine Nacht durchschlafen?" oder auch "Wieso nur?".

All diese Fragen beantwortet das Buch selbstverständlich nicht, aber man erfährt in wohltuender und äußerst aufmunternder Weise, dass man nicht alleine damit ist. Beim Lesen begleitet man die Autorin sehr amüsant durch die Babyzeit. Dabei ist sie so erschreckend ehrlich, wie man es sich selbst im Gespräch mit Freundinnen nicht immer traut. Manchmal habe ich mich beim Lesen gefragt, wie einer Person (zumal mit nicht unerheblich vielen Tattoos, die von älteren Leuten ja gemeinhin mit Knasterfahrung gleichgesetzt werden) so viele Leute dumm kommen können. Ganz so schlimm war es bei mir tatsächlich nie, aber viele der beschriebenen Situationen hat man dann doch am eigenen Leib erfahren.

Auch der Aufbau des Buches ist hervorragend auf frische Mütter angepasst. Die Kapitel sind um die drei Seiten lang, so dass man abends eins schaffen kann, bevor man ins Koma fällt oder wieder angeschrien wird. Dazu kommt, dass am Ende jeden Kapitels Tipps oder gute Vorsätze von Rike Drust zusammengefasst wurden, die aufzeigen, wie man die jeweilige Situation angehen kann, ohne geistige Gesundheit einzubüßen.

Letztlich ist das Buch allein schon deshalb lesenswert, weil die Art, in der Schwangerschaft und Babyzeit beschrieben werden, zum Schreien komisch ist. Die Sprache des Buches ist derart bildreich, dass man die Autorin eigentlich ständig mit einem Blaulicht auf dem Kopf Nacktradeln sieht und dazu verzückt rufen hört: "ER MACHT DIE BIMMELBAHN! ER MACHT DIE BIMMELBAHN!". Dazu ist auch das Bild im Klappentext sehr nützlich.
Jedes Mal, wenn übergriffige Fremde beschrieben werden, treten in meinem Kopf übrigens Loriot und Evelyn Hamann auf, was die Szenen noch weiter bereichert. Und es gibt seeeehr viele übergriffige Fremde.

Fazit:

Das Buch ist beste Unterhaltung und kann im Wahnsinn der ersten Monate mit Baby Leben und/oder Verstand retten. Daher ist es auch eine echte Geschenkempfehlung, wenn man zur Geburt nicht den 48. Babybody in Größe 56 schenken will (obwohl die schon sehr süß sind), sondern etwas, das der Mutter hilft.

Für mich selber war die Schilderung, was passiert, wenn Väter echte Elternzeit machen und das Kind voll betreuen, eine Erleuchtung. Ich kann jeden verstehen, der in den zwei Monaten Elternzeit, die die meisten Väter machen, verreist und die Zeit gemeinsam als Familie verbringt. Aber ich finde es wirklich toll, wenn der Mann sich ganz der Herausforderung stellt, sich voll um das Kind zu kümmern (und dann auch rumzickt).

Außerdem hat das Buch mich angefixt, nicht doch auszuloten, ob mein Mann nicht auch einen Tag in der Woche die Kinder von der Kita abholen kann. Ich finde es eine schöne Vorstellung, dass sie auch mal einen ganz normalen Tag teilen und nicht nur die Wochenenden an denen oft etwas Besonderes los ist.

Es ist also nicht nur verrückt und aberwitzig, wenn eine normale, Hamburger Frau ihre täglichen Herausforderungen mit Kind beschreibt. Rike Drust reflektiert die eigenen verdrehten und überraschenden Muttergefühle klug und trifft entsprechende Folgerungen, so dass man aus dem Buch viele Anregungen ziehen kann, um gelassener durch den Alltag als Mutter zu gehen. Außerdem ist es einfach schön zu wissen, dass andere Mütter genauso durch den Wind sind, wie man selber.

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