Freitag, 1. Januar 2021

Einschulung: Was kommt in die Schultüte?

 


Ich weiß noch wie wichtig mit sechs Jahren meine Einschulung für mich war. Ein Riesenschritt und wahnsinnig aufregend. An ein paar Teile aus meiner Schultüte erinnere ich mich immer noch. Am faszinierendsten fand ich das Thermometer in Pandaform und kleine Brauseherzen waren auch drin. Dementsprechend hatte ich letzten Sommer leichten Druck, dass meine Große nicht enttäuscht ist, wenn sie in Ihre Schultüte guckt.

Wichtig war mir, dass nicht zu viele Süßigkeiten drin sind, nicht zu viel Plastikspielzeug und dass die Schultüte nicht zu schwer wird. Man muss ja doch damit rechnen, dass die frischen Erstklässler die Schultüte den ganzen Tag nicht aus der Hand geben.

Schultüte
Schultüte, Einschulung

Wenn man die Schultüte endlich gekauft, gebastelt oder genäht hat und davor sitzt, kommt sie einem ganz schön groß vor. Da geht wirklich eine Menge rein. Ich empfehle trotzdem, sie wirklich voll zu machen. Die Eltern eines Mitschülers meiner Großen hatten nur Sachen für die Federtasche in die Schultüte gepackt und den Rest dann mit Packpapier ausgestopft. Geht auch, aber nicht zufällig gibt es zur Einschulung hin in vielen Supermärkten die Aufsteller mit Schweinespeck oder Brausepulver-Ufos, die genau unten in die Schultüte passen. Vielleicht nimmt man dann lieber sowas als Füllmaterial. Packpapier ist natürlich gesünder, das Kind dann aber wahrscheinlich auch deutlich unfröhlicher.

Ganz praktisch war, dass meine Tochter mich schon mehrere Wochen im Voraus immer wieder zu Beschaffenheit und Inhalt der Schultüte befragt hat. Daher wusste ich dann ungefähr, worüber sie sich freuen würde. Hauptsächlich Süßigkeiten.
Weil ich aber nicht nur Naschi kaufen wollte, habe ich mich dafür entschieden, einen Mix aus Schnobkram, Schulsachen und Spielzeug zu nehmen.

Süßigkeiten für die Schultüte

In die bunte Tüte hab ich eigentlich alles reingepackt was geil ist, von Kirschcola bis saurem Schnuller. Die hat aber auch schon einiges gewogen, deshalb habe ich auch noch Schweinespeck und ein paar leichte Kleinigkeiten dazu gepackt. Das war so die Menge, bei der ich den Eindruck hatte, die kann ich ihr selbst überlassen. Ich wollte ungern die ganze Zeit nach der Einschulung hinter ihr herlaufen und "Aber nicht alles auf einmal essen" rufen.

Vor der Einschulung bekommt man von der Schule eine Liste, was die Erstklässler an Ausrüstung brauchen. Zum Glück sind da auch Dinge drauf, die so klein sind, dass sie in die Schultüte passen.

Bleistift, Radiergummi, Schere und Buntstifte waren von der Schulliste. Das Heft habe ich ihr zum "Schule spielen" für zu Hause mit reingelegt. Weil sie immer Tesa bei mir klaut, hat sie dann noch Washitape bekommen, das auch sehr schnell verbastelt wurde. Die Etiketten waren irgendwie ein Fehlgriff, weil sie in der Schule noch gar keine Bücher hatte, die sie einpapieren musste. Aber das kommt ja vielleicht noch.

Kleine Spielzeuge

Bei den Spielzeugen war meine Auswahl etwas durchwachsen. Während ich von der ersten bis zur sechsten Klasse quasi jede Pause Gummitwist gesprungen bin, interessiert meine Tochter das gar nicht. Das Langeweileroulette kommt leider kaum zum Einsatz, weil wir so selten freie Wochenenden haben. Der Superhelden Flieger war sofort kaputt und der Rubikwürfel hat auch ziemlich schnell den Geist aufgegeben. Das war vielleicht auch gut so, weil schon das kleine Geduldspiel mit dem Löwen meine Tochter richtig in Rage bringt. Die Murmeln habe ich tatsächlich wieder eingezogen, weil die quer durch die Wohnung verteilt haben. Auf alten Dielen ist das leider ein Perpetuum Mobile.
Richtig gut angekommen ist aber das Drecksau-Kartenspiel. Nicht nur, dass beide Kinder gern und oft Drecksau rufen, nein, tatsächlich ist die Spielmechanik auch gut und beruht nicht nur auf Zufall.

Gefunden habe ich die Sachen in unserem Spielwarenladen, in diesen Gedönsläden, die alles führen und unserem Partybedarfs- und Ballonladen, der auch einen Schultütentisch hatte.

Geschwistertüte

Mein Mann hat übrigens die Geschwisterschultüte gebaut, weil ich irgendwann untergegangen bin mit Geburtstags- und Einschulungsvorbereitungen. Das ist natürlich nicht nötig aber die Lütte hat sich super gefreut. Eigentlich war da auch nicht viel drin: Obstriegel, Rosinen und getrocknete Aprikosen, ein Lolli, Drops und ein fahrender Marienkäfer.
Das war bei der Einschulungsfeier ganz praktisch, weil die Lütte da ein bisschen beschäftigt war und etwas essen konnte.

Die Große hat übrigens schon gefragt, ob man wieder eine Schultüte bekommt, wenn man in die zweite Klasse kommt.

„Rabenvater Staat“ von Jenna Behrends (Rezension)

 


 Das Rezensionsexemplar von "Rabenvater Staat" von Jenna Behrends wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom DTV zur Verfügung gestellt. Mithin Werbung.

Die junge CDU-Frau

Jenna Behrends hat Rechtswissenschaften studiert und eine journalistische Ausbildung gemacht. Sie ist 28 Jahre alt, Mutter und erzieht ihre Tochter getrennt vom Vater. Kein ganz ungewöhlicher Lebensentwurf in Deutschland 2019.
Aber Jenna Behrends ist in der CDU aktiv und sitzt für die CDU in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin Mitte.

Bei der letzten Europawahl erreichte die CDU bei den Wählern unter 30 Jahren gerade einmal 14%. Nicht nur die Wählerschaft der CDU, auch die Mitglieder vergreisen zusehends. Aus der medialen Debatte über die letzte Europawahl konnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass Philipp Amthor das einzige aktive Mitglied der CDU unter 30 ist. Sogar der Bundesvorsitzende der "jungen" Union, Tilman Kuban, ist mittlerweile 32 Jahre alt.
Im Schnitt sind weibliche CDU-Mitglieder laut Wikipedia 33 Jahre älter als Jenna Behrends. Sowieso sind aber nur ein Viertel der CDU-Mitglieder weiblich.

Alter, CDU, Wahlen, Europawahl 2019
@Forschungsgruppe Wahlen

Allein aus diesen Zahlen kann man ablesen, dass Jenna Behrends in ihrer Partei etwas Besonderes ist. Als sie mit 23 Jahren ihre Tochter bekommen hat, ist sie der CDU beigetreten. Auch gesamtgesellschaftlich betrachtet ist das etwas Besonderes. Oft ist diese fordernde Zeit der Familie vorbehalten und junge Mütter haben weder Zeit noch Energie für politisches Engagement.

Die süße Maus

Bundesweit bekannt wurde Jenna Behrends mit einem offenen Brief, der auf Edition F veröffentlicht wurde, in dem sie den Sexismus und Stutenbissigkeit in der CDU anprangert. Kurz darauf saß sie mit ihrer Tochter auf dem Spielplatz, die BILD-Zeitung rief an und der Shit-Storm nahm seinen Lauf. Davon hat Jenna Behrends 2018 in einem Panel auf der Blogfamilia berichtet. Das Medieninteresse hatte schlicht alptraumhafte Züge. Sowas wünscht man per se niemandem.

Jenna Behrends, Digitalpoilitik, Blogfamilia 2018

Auf Spiegel-Online gibt es eine Rückschau auf die Affäre in der Jenna Behrends als "die Maus" bekannt wurde. Tatsächlich gibt diese Beschreibung der Geschehnisse aber auch einen Einblick in die Funktionsweise der CDU, die zur Hauptsache aus alten Männern und Philipp Amthor besteht.
Auf der Leipziger Buchmesse 2019 habe ich Jenna Behrends getroffen und sie als sehr sympathisch im Gespräch kennengelernt. Vom Typ wirkt sie eher zart, leise und etwas zerbrechlich - grundsätzlich eher untypisch für Politiker. Aber da sie jetzt schon ein paar Jahre in der Politik ist, sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Außerdem finde ich, dass Politikerinnen zugestanden werden muss, dass sie nicht das Gehabe von männlichen Kollegen annehmen müssen, um gehört zu werden.

Leipziger Buchmesse, LBM19, Dtv, Meet&Greet, Jenna Behrends

Ich möchte hinzufügen, dass es mir selbst ein Rätsel ist, wieso eine junge Frau überhaupt in die CDU eintritt. Aber als Hamburgerin kenne ich persönlich auch schlicht niemand mehr, der in der CDU ist. In der SPD, bei den Grünen, in der FDP - ja, aber nicht bei der CDU. Allerdings muss man anerkennen, dass es nicht doof ist, wenn man eher konservativen Wertvorstellungen anhängt und etwas bewegen möchte, sich in der großen konservativen Partei zu engagieren.

Die Familienpolitikerin

Jetzt hat Jenna Behrends ein Buch herausgebracht.
Für viele überraschend und zur großen Enttäuschung der Verlage wollte Jenna Behrends kein Buch über Sexismus in der CDU schreiben, sondern über Familienpolitik.
Klar: Sex sells, Familienpolitik eher nicht.

Als Mutter von bald zwei Kindern war Jenna Behrends aber die Familienpolitik wichtiger und deshalb hat sie "Rabenvater Staat - warum unsere Familienpolitik einen Neustart braucht" geschrieben.

In Ihrem Buch durchleuchtet Jenna Behrends die aktuelle Familienpolitik einmal vollumfänglich und lässt auch Fehler ihrer eigenen Partei nicht unerwähnt. Sie begibt sich damit freiwillig, wie sie selbst schreibt, auf "vermintes Gelände". Einerseits, weil sich natürlich keiner in das eigene Familienkonzept reinreden lassen möchte und andererseits, weil das ganze Politikfeld extrem ideologiebehaftet ist. Ganz richtig stellt sie aber fest, dass das Private politisch wird, wenn es darum geht "Zeit für Verantwortung zu schaffen" in der die nächste Generation herangezogen wird.

Flickenteppich Familienpolitik

Beim Lesen wird schnell klar, dass die Autorin sich durch unfassbare Mengen an Statistiken, Berichten und freudlosen Zahlenkolonnen gegraben haben muss. Es gibt insgesamt die aberwitzige Menge von über 150 verschiedenen staatlichen Leistungen, die Familien beanspruchen können. Jenna Behrends bemängelt diese Förderung nach dem Gießkannenprizip. Das politische Leitbild sei verloren gegangen und es gebe keine zielgerichtete Förderung. Teilweise widersprächen die Förderungen sich sogar. Dabei sollte eine Regierung sich klar darüber sein, welches Ziel ihre Politik in erster Linie anstrebt. Soll der Alleinverdienerhaushalt gefördert werden oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Steht Kinderarmut im Fokus oder eine höhere Geburtenrate? Es fehle an der Steuerungsfunktion der Förderungen.

Im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD steht die Familienpolitik auch augenscheinlich nicht im Fokus. Die Vereinbarungen sind schwammig formuliert und im Verhältnis knapp gehalten.
Tatsächlich ist es für den Bürger auch hochgradig unklar, wer in der Bundesregierung für familienpolitische Maßnahmen verantwortlich ist. Im Buch wird nachvollziehbar aufgeschlüsselt, welche Ministerien neben dem Familienministerium ihre Finger im Spiel haben und wieso das nicht gut für die Konsequenz der Familienpolitik sein kann.

LBM19, Leipziger Buchmesse, Jenna Behrends, Sachbuchforum, Lesung, Rabenvater Staat

Generationengerechtigkeit wiederherstellen

Genau wie beim Lesen von "Keine Kinder sind auch keine Lösung" kocht einem als Mutter die Wut hoch, wenn das derzeitige Rentenmodel erläutert wird. Eltern zahlen für ihre Kinder, Kinderlose sorgen für die Rente vor, die Kinder zahlen dann für die Rente von beiden.
Hier verschweigt Jenna Behrends auch nicht, dass es Adenauer war, der uns dieses unausgewogene System eingebrockt hat. Sie fordert eine Unterstützung von Eltern aus Steuermitteln und zwar nicht als Umverteilungsmaßnahme, sondern als Zukunftsinvestition in die Familie als "Keimzelle des Staates".

Familienrecht modernisieren

Jenna Behrends hat bei der Recherche für ihr Buch mit zahlreichen Familien im gesamten Bundesgebiet von Angesicht zu Angesicht gesprochen. Dabei ist ihr eine Vielzahl von gelebten Familienwirklichkeiten begegnet. Gerade Familien, die nicht aus einem Ehepaar mit Kindern bestehen, fänden sich im aktuellen Familienrecht nicht ausreichend wieder. Anhand anschaulicher Alltagsbeispiele schildert sie die enormen Probleme, die daraus für Menschen, die in anderen Familienmodelle leben, tagtäglich entstehen. Einen Satz aus dem Kapitel "Politik, die zum echten Leben passt" halte ich dabei für besonders bemerkenswert: "...die Politik bekommt auf Dauer ein Problem, wenn sie nicht mit dem übereinstimmt, was gesellschaftlich gelebt und gewollt wird". Genau das musste die CDU bei den letzten Europawahlen schon in Bezug auf Ihre Klimapolitik erfahren. Insbesondere die Parteiführung hat in ihren Stellungnahmen aber, gelinde gesagt, uneinsichtig reagiert.

Steuerliche Vergünstigungen überarbeiten

Ein weiterer Punkt, der von Jenna Behrends angeführt wird und der nachvollziehbar einer Neuregelung bedarf, sind die Steuersätze. Es ist schlicht unverständlich, wieso Windeln mit dem vollen Mehrwertsteuersatz besteuert werden und Ferkel, die von Schweinezüchtern gekauft werden nur mit dem ermäßigten Steuersatz von 7%. Meines Erachtens tatsächlich nur dadurch erklärbar, dass Eltern vermutlich die schlechtesten Lobbyisten der Republik sind. Trecker auf den Autobahnen ziehen einfach deutlich besser, als ein angedrohter Geburtenstreik, wenn man doch schon Kinder hat.

Ebenso wird im Kapitel "Politik, die mit Steuern steuert" die bereits vieldiskutierte Frage aufgeworfen, wieso die Ehe an sich einer Subventionierung durch das steuerliche Splittingverfahren bedarf. Die Ungerechtigkeit dieser Regelung wird im Buch besonders deutlich am Beispiel einer verwitweten Mutter, die durch den Tod ihres Mannes nicht nur auf einmal allein mit zwei Kindern, sondern durch den Wegfall des Ehegatten auch noch steuerlich schlechter dasteht.
Interessanterweise setzt sich Jenna Behrends nicht für ein Familiensplitting ein, sondern für eine individuelle Besteuerung aller Steuerpflichtigen. Nachvollziehbar würden dadurch die Fehlanreize, die das Ehegattensplitting schafft, wegfallen und Allein- und Zuverdienerehen wären weniger attraktiv. Jenna Behrends rechnet mit freiwerdenden Mitteln in Höhe von 15 Milliarden Euro, die für wirkliche Familienförderungen eingesetzt werden könnten.

Durchschaubarkeit schaffen

Eine weitere Forderung der CDU-Politikerin ist, mehr Transparenz für Familien zu schaffen. Leistungen, die der Staat zur Verfügung stellt, sollen natürlich auch von den Berechtigten abgerufen werden können. Dies scheitert aktuell daran, dass kaum eine Familie den Überblick über die mehr als 150 staatlichen Leistungen habe. Dazu käme, dass der Föderalismus mit seinen länderspezifischen Regelungen die Abrufbarkeit deutlich erschwere. Jenna Behrends schlägt für mehr Übersichtlichkeit eine Bündelung von Leistungen und die zentrale Zuständigkeit eines Familienbüros vor.

Kinderbetreuung sichern

Als Berliner Bezirkspolitikerin kommt Jenna Behrends nicht um das Thema der Kinderbetreuung herum. In Berlin ist die Situatoin mittlerweile derart schwierig, das es die Eltern auf die Straße treibt. Allerdings ist die Lage auf Grund der unterschiedlichen Zielsetzungen der zuständigen Länder und der jeweils zur Verfügung stehenden Mittel von Bundesland zu Bundesland derart unterschiedlich, dass die Probleme auch sehr verschieden sind. Insgesamt fordert Jenna Behrends aber ausreichende Plätze und mehr Qualität in der Kinderbetreuung. Zur Not auch durch Erhöhung bzw. Wiedereinführung der Elternbeiträge.

Fazit

Am Ende des Buches bin ich sehr froh, dass Jenna Behrends über Familienpolitik und nicht über Unappetitlichkeiten in der greisen CDU geschrieben hat. Erstens findet Familienpolitik trotz der großen betroffenen Wählergruppe viel zu wenig Beachtung und zweitens scheint es kaum Politiker zu geben, die Familienpolitik in all ihrer Kompliziertheit zu ihrem Thema machen. Da kann eine junge Frau, die noch mitten in der Familienphase ist, der Familienpolitik nur gut tun. Auch wenn man sich manchmal wünschte, dass sie lauter und ärgerlicher wäre, angesichts der geschilderten Ungerechtigkeiten - weniger Maus.
Aber solche Frauen finden in der CDU offenbar wenig Unterstützung.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich beim Lesen nur an wenigen Stellen das Gefühl hatte, dass das Buch parteipolitisch eingefärbt ist. Einerseits erscheint die Autorin im Gegensatz zu ihrer Parteivorsitzenden erfrischend aufgeschlossen und andererseits weiß man natürlich überhaupt wenig darüber, wie jüngere CDUler ticken. Allerdings liegen die im Buch behandelten familienpolitischen Themen auch einfach derart im Argen, dass es aus Sicht von Menschen mit minderjährigen Kindern kaum Streit darüber geben wird, dass sie angegangen werden müssen. Die Frage ist vielmehr, wie sich eine Verbesserung dieser Punkte gegenüber den anderen gesellschaftlichen Interessengruppen durchsetzen lässt. Daher begrüße ich dieses Buch, weil es dem Leser Argumente und Zahlen an die Hand gibt, um diese Diskussion zu bestreiten. 


Tschüss Kindershampoo, hallo Haarseife!



Haare waschen ist bei meinem Kindern leider genauso unbeliebt wie in allen Kindergenerationen vor ihnen. Das Shampoo brennt in den Augen, das Auswaschen ist blöd und danach muss man sich auch noch kämmen. Wir haben deshalb lange versucht, es den Kindern möglichst angenehm zu machen, um die Dezibelzahl gering zu halten. Es gibt zuhauf Shampoos zu kaufen, die versprechen, die Augen zu schonen, die Haare leicht kämmbar zu machen, die nach Erdbeere duften und Prinzessinnen, Feuerwehrleute und Superhelden featuren. Hatten wir alles.

Leider hat das alles nicht dazu geführt, dass wir ohne viel Geschrei Haare waschen konnten. Nachdem ich also die Sinnlosigkeit solcher Maßnahmen eingesehen habe, ist mir aufgegangen, dass wir dann ja gar kein Shampoo in Plastikflaschen mehr brauchen.

Original unverpackt, Unverpacktladen, Nachhaltigkeit, plastikfrei, Haarseife

Fast unverpackt eingekauft

Jetzt haben wir wieder einen kleinen Schritt gemacht, um den Plastikmüll, der in unserem Haushalt anfällt zu reduzieren. Ich habe meinen Kindern im Unverpackt-Laden einen Haarseife gekauft. Ich habe lange die Duftnoten verglichen und mich dann für das geringste Übel entschieden. Aus einem großen Glas habe ich mit einer Zange ein Stück Seife gefischt. Dazu habe ich noch eine Scheibe getrocknete Luffa-Gurke mitgenommen, damit ich die Seife auch artgerecht halten kann und sie nicht ständig nass und glipschig ist. Wenn einen der Sinneswandel spontan überkommt, stellen die Unverpackt-Läden übrigens auch eine kleine Papiertüte bereit. Ich habe mich zwar geschämt, musste aber immerhin nicht noch einmal anreisen.
Zu Hause habe ich die Luffa-Scheibe in ein wenig bespieltes Holzschiffchen meiner Kinder gedrückt und so an der Duschkopf-fernen Seite der Badewanne platziert, dass sie nicht ständig nass wird.

Eine Stück Haarseife, das eher etwas kleiner ist als die gewöhnlichen Stücke Handseife, soll ca. 60 Haarwäschen reichen. Das kam bei uns auch ungefähr hin. Man muss nur aufpassen, dass das Seifenschiffchen nicht beim Planschen mit versenkt wird. Aber selbst dabei verliert man weniger von der Haarseife, als wenn die Kinder mal mit Schmackes auf die Shampooflasche drücken, um Riesenschaumberge zu machen.

Schritt für Schritt

Wir hatten zwischenzeitlich schon auf das Kinder-Shampoo von Weleda umgestellt. Das ist zumindest frei von synthetischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sowie auch gerade von den bedenklichen Rohstoffen auf Mineralölbasis. Aber auch hier war die Öffnung in der Verpackung nicht kleiner als bei Erwachsenen, obwohl man natürlich weniger Shampoo benötigt. Und wenn man als Erwachsener schon immer zu viel Shampoo aus der Tube herausdrückt, könnt ihr euch vorstellen, wie das bei Kindern aussieht, die sich auf Teufel komm raus selber die Haare waschen möchten. Außerdem bleibt natürlich die Plastikverpackung und der Unsinn, dass der Hauptbestandteil von Flüssigshampoo Wasser ist. Der Seife wird also Wasser zugesetzt, damit man sich in der Dusche damit die Haare einshampooniert. Das bedeutet mehr sinnloses Gewicht und Volumen beim Transport des Shampoos, wodurch wiederum mehr CO2 erzeugt wird, als wenn man eine feste Seife benutzt.

Weleda, Kindershampoo, Shampoo, Plastik

Plastik innen und außen

Kürzlich hat ÖKO-TEST Kindershampoos getestet und das Ergebnis war ziemlich bedrückend. Viele Kindershampoos erhalten Notenabzug, weil in ihnen PEG oder PEG-Derivate stecken. Diese werden zum Beispiel als Reinigungssubstanzen eingesetzt oder sorgen für die Schaumentwicklung. Sie können die Haut aber auch durchlässiger für Fremdstoffe machen, was bei der dünnen Kinderhaut doppelt blöd ist.
Gleichzeitig enthalten die meisten Shampoos im Test synthetische Polymere. Das kann Mikroplastik sein, aber auch flüssiges oder gel-artiges Plastik, das so ins Wasser gelangt. Neben den Naturkosmetikprodukten waren nur sehr wenige konventionelle Shampoos frei davon.

Nicht mehr Gemecker als sonst!

Die Umstellung von Shampoo auf Haarseife verlief ganz reibungslos bei uns. Da meine Kinder auch bei angeblich supersoften Kindershampoos heulen, weil es in den Augen brennt, gab es in der Hinsicht keinen Unterschied. Allerdings finden meine Kinder bunte Plastikflaschen und riesige Schaumberge auch gut. Die Große ist mit sechs Jahren aber schon in einem Alter, in dem sie versteht, dass weniger Plastik besser ist. Die Lütte hat mit ihren zwei Jahren gesagt: "Oh! Eine Blume!" und dann war das Thema gegessen.
Man sollte es sich aber ersparen, sich mit den Kindern vor das bunte Regal im Drogeriemarkt stellen und sie fragen, was sie haben wollen. Dann hat man es natürlich schwer.

Kindershampoo, Plastik, Verpackungen, Shampoo

Schön, finde ich an Haarseifen übrigens auch, dass sie genderneutral sind. Kindershampoos sind leider oft schon in Prinzessinnen und Fußballer aufgeteilt. Ökotest wirft zu Recht die Frage auf, ob gegenderte Kinderprodukte schon den Eindruck erwecken, Frauen benötigten zwingend andere Kosmetikprodukte als Männer. Das Frauen später mehr für das gleiche Produkt zahlen müssen, bemängelt insbesondere Pinkstinks seit Jahren.

Was Hänschen nicht lernt...

Ich habe mich mit der Umstellung auf Haarseife übrigens viel schwerer getan und mein Mann weigert sich noch immer. Mein Problem mit den festen Shampoos war bisher, dass ich mit dem Duft nicht klar kam. Wenn man so ein Glas mit Seifenstücken drin öffnet, duftet es natürlich sehr intensiv. Oft sind es auch starke Duftnoten, wie Rose oder Lavendel, die ich ohnehin nicht mag. Für die Kinder hatte ich eine Meersalzseife gewählt - fast ohne Duft.
Nach 40 Jahren mit angenehm duftenden Shampoo aus Plastikflaschen musste ich mir einen ziemlichen Tritt geben. Zumal ziemlich lange Seife nicht fancy war, sondern irgendwie altbacken. Als Teil der Generation, die von Werbung in den 80ern total gebrainwashed wurde, muss man sich da erstmal schütteln.

Haarseife, Nachhaltikkeit, plastikfrei, Umweltschutz


Auf dem Heldenmarkt in Hamburg habe ich dann aber tatsächlich eine Seife mit leichtem Apfelduft von Unicorn gefunden, den ich angenehm fand. Als Gimmick dazu habe ich eine kleine Seife in einer Box aus Flüssigholz für unterwegs bekommen. Das ist natürlich praktisch, wenn man mal mit kleinem Gepäck fliegt, weil man das Seifenstück nicht eintüten muss.
Jetzt habe ich also auch umgestellt und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Auch mit langen Haaren kein Problem!

Meine 6-jährige zockt Nintendo Labo – Testbericht

         



Dankenswerter Weise sind mir für die Testdauer von Nintendo Deutschland die Nintendo Switch, ein Nintendo Labo Multi-Set sowie 1-2-Switch und Kirby Star Allies leihweise zur Verfügung gestellt worden.

Es liegt in der Familie

Wir sind ein Zocker-Haushalt. Mit 5 Jahren saß ich erstmals am C64 und später hatte ich ab dem SNES immer eine Nintendo-Konsole bei mir stehen. Auch während des Studiums habe ich fröhlich MMORPGs (Massive Multiplayer Online Roleplaying Games) gezockt. Das war auch gut so, denn sonst hätte ich den Mann nie kennengelernt. Wer noch einen Gameboy und ein Dialogkabel hat, darf sich übrigens jederzeit gerne mit mir verabreden.

Gameboy, Nintendo

Nintendo Switch als Konsole to go

In der logischen Folge durfte meine Große jetzt die Nintendo-Switch ausprobieren. Natürlich erst, nachdem ich ein bisschen "Kirby Star Allies" darauf gespielt habe und der Mann und ich "1-2-Switch" über den Fernseher ausprobiert haben. Das geniale an der Konsole ist, dass man nicht nur zu Hause am Fernseher damit spielen kann, sondern sie auch ein Handheld, wie früher der Gameboy, ist. Mann kann sie also auch einfach vom Fernseher abstecken und dann unterwegs auf dem kleinen Bildschirm weiterspielen.

Nintendo Labo

Zum Glück sind wir nicht nur ein Zocker-Haushalt, sondern auch ein Bastel-Haushalt. Nintendo Labo ist nämlich die Kombination aus vorgestanzten Papp-Bastelbögen, aus denen man Geräte baut und der Nintendo Switch-Konsole, die man dann in die Pappe steckt, um dann mit diesem zusammengesetzten Gerät zu spielen.

Nintendo, Switch, Labo, Basteln, Pappbogen

Für Origami-Liebhaber

Das Bauen der Papp-Gerätschaften, der Toy-Cons, hat meiner Großen total Spaß gemacht, so dass wir tatsächlich alle im Multi-Set enthaltenen Spielzeuge gebaut haben.

Nintendo, Labo, Switch, Anleitung, Bildschirm


Je nachdem, wie viele Teile verarbeitet werden, dauert der Bau auch schon mal ein paar Stunden. Das Schöne an den Toy-Cons ist, dass nichts nachlässig ausgestanzt ist oder schief zugeschnitten. Es passt alles haargenau und funktioniert, ohne dass man sich ärgern muss. Die Anleitung zum Bau bekommt man auf einem Modul mit dazu, so dass man sie nur vom Bildschirm ablesen braucht. 6-Jährigen muss man natürlich noch vorlesen, aber sobald die Kinder lesen können, geht das auch ganz allein, weil alles sehr verständlich und für Doofe erklärt ist (man kann aber auch vorspulen).

Nintendo, Switch, Labo, Modul, Multi-Set

Die Toy-Cons

In dem Multiset sind fünf verschiedene Toy-Cons enthalten: ein ferngesteuertes "Auto", ein Haus, ein Motorrad, eine Angel und ein Klavier

Das "Auto"

Als erstes haben wir einen kleines Einsteiger-Robo-Gefährt gebaut, das nur wenige Teile hat und sich durch die Vibrationen über die Tischplatte bewegen kann. Da es keine Räder hat, sieht es zwar nicht aus wie ein Auto, sondern eher wie etwas, das das Imperium bauen würde, aber das ist ja sogar eher besser. Das Bauen ging schnell und es hat gleich Spaß gemacht, es fernzulenken.

Nintendo, Switch, Labo, Fernlenk-Auto, Auto, Remote controlled Auto

Das Klavier

Dann haben wir das Klavier gebaut. Das war für mich auch ein bisschen ein Test, wie meine Tochter mit einem Musikinstrument umgeht. Sie wollte nämlich auch schon eine Geige haben. Ich bin leider total unmusikalisch und daher bei solchen Wünschen notorisch skeptisch. Als Kind hatte ich aber auch ein Kinder-Keyboard, auf dessen Tasten mein Opa farbige Punkte geklebt hatte, so dass ich mit entsprechend übersetzten Noten darauf spielen konnte, ohne bereits Noten lesen zu können.

Kinderklavier, Bunte Töne, Nintendo, Switch, Labo


Genauso funktioniert das Labo-Klavier auch, nur dass es nicht genug Tasten hat und man für einen Oktavenwechsel noch einen Schalter betätigen muss. Das Bauen hat wieder astrein geklappt, das hat sie ganz geduldig gemacht, obwohl es wirklich viele Teile sind.

Nintendo, Switch, Labo, Klavier, bauen


Das Spielen auf dem Klavier war ihr dann aber zu schwierig. Wir hatten ein kleines Liederbuch mit Kinderliedern, wo die Noten in Farben übersetzt waren. Lieder, die in einer Tonart bleiben, gingen so gerade. Leider muss man für die meisten Lieder zwischendurch umschalten und das war ihr dann noch zu viel.
Der Mann, der eigentlich der Musiker in der Familie ist, hat das noch ein paar Mal mit ihr probiert und ein paar Übungen gemacht. Leider hat ihr das keinen Spaß gemacht und sie ist auch immer richtig sauer geworden, wenn es nicht so geklappt hat, wie sie sich das vorgestellt hat.
Am tollsten fanden es eigentlich beide Kinder, von normalen Tönen auf den Katzenchor umzustellen und dann damit Lärm zu machen.

Das Haus

Ich nehme es mal vorweg: Wir haben einen neuen Mitbewohner.
Der absolute Liebling meiner Tochter war das Haus, in dem ein tamagotchiesques Tierchen wohnt. Meinen Tamagotchis war nie ein langes oder auch nur ein nicht ganz kurzes Leben beschieden, weshalb ich die nie gut leiden konnte. Meine Tochter hat das Tierchen aber in ihr Herz geschlossen und zum Glück kann es auch nicht sterben.
Sie hat dann auch richtig Energie entwickelt, um sich da reinzufuchsen und herauszufinden, was passiert, wenn man die verschiedenen Knöpfe in allen möglichen Kombinationen drückt. Es gibt eine Trillion Möglichkeiten mit kleinen Spielen Futter für das Tierchen zu erhalten, Törtchen daraus zu backen und dann sein Aussehen zu verändern. Bezeichnender Weise ist es in dem Labo-Haus meistens genauso unordentlich, wie in ihrem Kinderzimmer.

Nintendo, Labo, Switch, Haus, Multi-Set


Ich steh ja auf Easter Eggs, darum zeig ich Euch in einem kleinen Video mal, was nachts in diesem Haus passiert, wenn das Tierchen schläft.

Das Motorrad und die Angel

Wir haben dann auch noch das Motorrad und die Angel gebaut und angetestet. Rennen fahren und Fische aus dem Meer ziehen fand meine Große aber eher langweilig.

Fazit

Insgesamt muss man aber sagen, dass die Labo-Geschichte eine schöne Kombination aus Basteln und Konsolenspielen ist. Durch die Verschiedenheit der Geräte werden unterschiedliche Vorlieben bedient, so dass für jeden etwas dabei ist. Das Basteln war ein schöner Zeitvertreib an Herbstnachmittagen, aber die Kinder müssen schon etwas Geduld mitbringen. Dafür lernen sie aber auch, dass sie sorgfältig arbeiten müssen, wenn ihr Gerät am Ende halten und funktionieren soll.
Ein Nachteil ist, dass die Papp-Gerätschaften fertiggebaut relativ viel Platz wegnehmen, weil sie natürlich auch nicht gedrückt werden dürfen. Aber wenn man auf einem Schrank etwas Platz hat geht das.

Nintendo, Switch, Labo, Toycons

Die Geräte sind natürlich auch nicht unendlich haltbar und vergniedeln nach häufigem Gebrauch vermutlich. Erstmal waren sie bei uns aber ganz widerstandsfähig, aber nach Lebensende können sie dann zumindest ins Altpapier.

Jump 'n Run

Ich habe sie übrigens auch mal Kirby spielen lassen, obwohl ich da leichte Bedenken hatte, dass sie dem Spielwahn verfällt. Zu meiner allergrößten Überraschung hat sie das aber gar nicht angefixt. Sie hat sich wieder riesig aufgeregt, wenn was nicht geklappt hat (soweit hab ich mich erkannt), so dass wir es dann erst nochmal ad acta gelegt haben. Dann hatte ich es ihr nochmal angeboten und erklärt und vorgespielt, aber sie wollte es trotzdem nicht noch einmal versuchen. Jump 'n Run war ihr anscheinend noch etwas zu komplex, das verschieben wir daher auf später. 

(>'-')> <('-'<) ^(' - ')^ <('-'<) (>'-')> 

Die nächste Generation

Nach unserer Testphase sind wir zu dem Entschluss gekommen, unsere alte Wii durch eine Switch zu ersetzen. Es soll aber tatsächlich schon in diesem Jahr eine verbesserte Version der Switch auf den Markt kommen, so dass wir den Release auf jeden Fall noch abwarten. Darüber, was genau geändert werden soll, kursieren bisher nur Gerüchte. Bisher gab es bereits Spekulationen über einen neuen Bildschirm und energieeffizientere Leistung, zuletzt hieß es auf Gamona aber auch, dass die neue Switch deutlich kleiner werden könnte.
Das aber nur als kleiner Tipp, falls Ihr jetzt auch angefixt seid.

Achtsamkeit beim Shopping

 


60 Kleidungstücke pro Jahr

Laut Greenpeace kauft jeder Deutsche rund 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Sechzig.
Das sind fünf Kleidungstücke pro Monat. Ein Teil pro Woche.
Das möchte ich für mich nicht. An diesem unmäßigen Konsum hängen so viele Chemikalien dran, die in Flüsse geleitet werden, so viele Frauen und Kinder, die für einen Hungerlohn nähen müssen, so viele vergeudete Rohstoffe. Ehrlicher Weise hätte ich aber auch gar nicht ganz genau sagen können, wie viel ich wirklich in einem Jahr kaufe. Deshalb war mein guter Vorsatz im letzten Jahr, dass ich nur sieben Kleidungsstücke für mich kaufen möchte. Dass ich achtsam einkaufe.

Shopping-Verzicht

Das Jahr ließ sich ganz gut an. Tatsächlich hatte ich nicht das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Da war auch kein Jieper, jetzt dringend los zu gehen und etwas kaufen zu müssen. Klamotten-Shopping ist tatsächlich auch ätzend, solange man kleine Kinder hat. Die Zeit, die man früher für einen gemütlichen Einkaufsbummel hatte, ist einfach nicht mehr über. Internetshopping nervt auch, weil man schon bei der Suche so viel Zeit verschwendet und dann noch die blöden Pakete hin und her schicken muss.
Ich habe übrigens auch nicht extra-viel für mich genäht. Da hatte ich natürlich auch wieder kaum Zeit zu und wenn ich dazu komme, haben Kindersachen meist Vorrang.

Der Jahreseinkauf

Label, Nachricht, Unterschied, Jacke 
Nachricht in meiner Jacke

Das erste Teil habe ich im Februar im Urlaub an der Nordsee gekauft. Ich hab schon sehr lange eine leichte Winterjacke für den Hamburger 10° Grad-Winter gesucht und bin im Schlussverkauf fündig geworden. Nicht bio, nicht fair, aber zumindest nicht von Kindern hergestellt und vegan, also ohne Fellkragen.
Dann hab ich mir mal zwei neue BHs geleistet und war aus purer Faulheit  und Zeitknappheit bei H&M.
Mitten im Sommer ist mir dann aufgefallen, dass ich einen neuen Bikini brauche. Da hab ich zumindest versucht online einen nachhaltig hergestellten Bikini zu kaufen. Leider waren die im Juli in Deutschland ausverkauft. Da es dann auch keinen Sinn macht, sowas aus dem Ausland liefern zu lassen, hab ich dann einen ganz normalen bei einem Hamburger Versandhaus bestellt.
In den Herbstferien hatte ich dann Zeit für einen richtig schönen Shoppingbummel in Holland. Ich habe ein Kleid für eine anstehende Hochzeitsparty mitgenommen, einen Sweater und eine Strickjacke. Da habe ich dann auch Ernst gemacht und bio und/oder fair gekauft. Dummerweise war dann mein Kontingent für das Jahr voll. Leider hatte ich noch ein Kleid anprobiert, das nix für eine Hochzeit war, aber super saß und ganz weich und fair und bio war. Ich habe zwei Wochen drüber nachgedacht und dann gecheated. Das Kleid habe ich mir vom Mann zu Weihnachten gewünscht. Aber dafür gab es dann eben nichts Anderes. Fand ich legitim.
Es waren also genau genommen acht Teile in 2018.

Fashion, Mode, fair, bio, Armed Angels, Nachhaltigkeit Beipackzettel in meinem Kleid

 

Achtsamkeit erreicht

Viel interessanter ist aber eigentlich, was die selbst gesetzte Begrenzung mit einem macht. Bei jedem Kauf habe ich viel genauer nachgedacht, ob ich das Teil wirklich brauche. Wenn ich nur überlege, ob ich sowas schon habe, es haben möchte und ob ich es mir leisten kann, dann ist ein Kleidungsstück deutlich schneller gekauft. Wenn ich mir aber überlege, ob dieses Teil es wert ist, eins der sieben Kleidungsstücke zu sein, die ich in diesem Jahr kaufe, dann hängt man doch eine ganze Menge nochmal wieder zurück. Die rein mengenmäßige Beschränkung hat also tatsächlich zu mehr Achtsamkeit beim Shopping geführt.
Gleichzeitig habe ich mehr auf die Qualität der einzelnen Stücke geachtet und ob sie fair und/oder bio hergestellt wurden. Wenn man nur wenig kauft, kann es natürlich sein, dass man mehr Budget frei hat. Ich muss allerdings sagen, dass ich überrascht war, dass die nachhaltigen Kleidungsstücke nicht so teuer waren, wie ich gedacht hätte, sondern eher im normalen preislichen Rahmen lagen.
Auf jeden Fall behält man aber den genauen Überblick, wie viel man wirklich im Jahr so kauft. Am Ende kocht aber alles wieder darauf herunter, dass man bei jedem Kauf darauf achten sollte, wem man sein Geld wofür gibt.
Und nicht vergessen: Die nachhaltigste Kleidung ist die, die oft getragen wird und lange hält.

"Keine Kinder sind auch keine Lösung" von Nina Straßner - Rezension



Ein Rezensionsexemplar von "Keine Kinder sind auch keine Lösung" von Nina Straßner wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom Bastei Lübbe-Verlag zur Verfügung gestellt. Mithin Werbung.

Das Manifest für Familien

Keine Kinder sind auch keine Lösung. Banal, aber wahr. Zumindest für mich und auch gesamtgesellschaftlich.
Trotz dieses bereits politischen Titels hatte ich eigentlich einen juristischen Ratgeber im Stile von "Don't worry, be Mami" erwartet - nur in witziger. Immerhin ist der Untertitel ja auch "Schützenhilfe von der Juramama".
Aber weit gefehlt.

Dieses Buch ist ein Manifest.

Ursprünglich sollte das Buch "Fuck you very much" heißen. Diesem - viel ehrlicheren - Titel standen leider verlagsseitig Bedenken entgegen.
Immerhin haben diese geflügelten Worte es noch ins Vorwort geschafft. "Keine Kinder sind auch keine Lösung" startet nämlich fulminant mit der Schimpftirade eines aufgebrachten Mannes. Und mit sowas kennt Nina Straßner sich aus. Neben Ihrer regelmäßigen Kolumne für die Brigitte Mom, wurden auch schon Artikel von ihr in der Süddeutschen Zeitung und der ZEIT veröffentlicht. Da sich in öffentlichen Kommentarspalten von Zeitungen leider sofort Maskulinisten und Rechte einfinden, wenn eine Frau es wagt, ihre politischen Ansichten zu veröffentlichen, kann sie auf ein breites Portfolio an dummdreisten Beschimpfungen zurückgreifen.

So viel Freude, so viel Wut

Das Buch beginnt aber tatsächlich mit juristischen Tipps, die man jedem entgegenschleudern kann, der einem beim Supermarkt-Einkauf mit Kindern gut gemeinte Ratschläge oder bevormundende Kommentare aufnötigt. Wenn Nina Straßner nämlich mit einem in diesem Buch nicht hinter dem Berg hält, ist das ihr Zorn. Sehr vielschichtigem, aber wohl begründetem Zorn. Was manche für undamenhaft halten mögen, halte ich für sehr berechtigt und längst an der Zeit. Ich hielte es sogar für sehr heilsam, wenn mehr Frauen ihrer Wut Ausdruck verleihen würden. Das besondere an Nina Straßner aber ist, dass sie nicht nur einen 300 Seiten langen Rant geschrieben hat, sondern dass diese schöne Frau und Juristin dabei auch noch einen sehr intelligenten Humor beweist. Es geht nicht gerecht zu auf der Welt.

Nina Strassner

Die redegewandte Rechtsanwältin holt in ihrem Buch auf jeden Fall zum Rundumschlag aus. Nicht nur Jan Hofer, Siegmar Gabriel, der Playboy, die Shape und die Bunte bekommen mit grober Kelle ihr Fett weg, nein, hauptsächlich auch der Staat mit seinen frauen- und familienbenachteiligenden Regelungen.

Geburtshilfe in Not

Ein ganzes Kapitel ist, sehr zu Recht, der Misere in der Geburtshilfe gewidmet. Die Missstände in der Geburtshilfe werden anhand von Fallbeispielen noch einmal sehr deutlich aufgezeigt. Insbesondere mit Blick auf die Niederlande zeichnet die Autorin aber auch ein Bild, wie es besser gehen könnte. Das fand ich sehr lesenswert.

Kinderwunschunterbindung

Während die unterirdischen Gehälter von Hebammen zumindest mittlerweile im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen sind, hat mich dieses Buch auf ein Problem aufmerksam gemacht, das mir bisher gänzlich entgangen ist. Natürlich hat jeder Paare im Bekanntenkreis, die lange versuchen ein Kind zu bekommen oder bei denen es auch gar nicht klappt. "Zwanzig Prozent der Paare in Deutschland, die Kinder haben wollen, scheitern an den körperlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Fortpflanzung,...". 20 Prozent!
Und als wäre der ganze seelische Stress nicht furchtbar genug, übernehmen die Krankenkassen seit 2004 nur noch 50% der nicht unerheblichen Kosten für drei Behandlungen der In-Vitro-Fertilisation.

Die Vorstellung, dass Paare es sich nicht leisten können, überhaupt nur zu versuchen ein Kind zu bekommen, treibt mir die Tränen in die Augen. Insbesondere wenn man sich klar macht, wie viele teuere Operationen über 90jährigen kurz vor ihrem Ableben noch aufgeschwatzt werden, weil die Kliniken gut daran verdienen. Als ich davon gelesen habe, habe ich tatsächlich sofort nach einer Online-Petition gesucht, um die Betroffenen zu unterstützen, bin aber leider nicht fündig geworden. Hier wird einfach sehr blauäugig auf eine profitable Zukunftsinvestition verzichtet. Darüber hinaus wird Menschen in einer ohnehin sehr schwierigen Situation das Leben nochmal so viel schwerer gemacht, dass es nicht auszuhalten ist.

#RegrettingFatherhood

Quasilegendär ist das Kapitel in dem Nina Straßner den Andi seine Fatherhood regretten lässt, indem sie einfach mal eine klassische deutsche Mutterkarriere einem Mann anheftet. Der Effekt ist wahnwitzig. Was Mütter tagtäglich durchmachen, wirkt bei Andi derart wirklichkeitsfern und ungerecht, dass man schreien möchte.

Handfeste Tipps

Neben wüsten Pöbeleien auf alle, die es verdient haben, zeigt die Autorin aber auch die rechtlichen Fallstricke auf, die Eltern erwarten, wenn sie nicht verheiratet sind. Darüber stolpern traditionell hauptsächlich die Mütter, die nach Jahren der aufopferungsvollen Care-Arbeit dann  ihre wohlverdiente Rente in Altersarmut fristen. Ein romantisches Leben in wilder Ehe kann nämlich leider ganz unschöne monetäre Folgen haben.

Ganz in ihrem Element ist Nina Straßner selbstverständlich, wenn sie alle arbeitsrechtlichen Aspekte rund um befristeten Arbeitsverhältnisse, Schwangerschaft, Elternzeit und die regelmäßig folgenden Teilzeitverträge beleuchtet. Auch Mutterschutz, Kündigungsschutz und Berufsverbot sowie wer wann Mutterschaftsgeld erhält werden juristisch genauestens aufgedröselt. Das ist gerade auch für Selbstständige äußerst hilfreich.
Sie trägt dazu nicht nur die "schönsten" Fälle zum Thema vor, sondern hält natürlich auch mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg, was das Ganze leider nicht erträglicher, aber zumindest viel lesenswerter macht.

Blogfamilia, 2018, Rechtsanwältinnen, Bloggerinnen, Juristinnen, Nina Straßner, Sandra Runge Juramama & Smartmama auf der Blogfamilia 2018

Das dicke Ende kommt zum Schluss

Während man vielleicht bei einigen Kapiteln einen Kloß im Hals hat oder gut sichtbar eine Ader an der Schläfe pocht, zieht sich einem beim letzten Kapitel der Hals komplett zu. Da geht es nämlich um die Rente und den Generationenvertrag. Fairer Weise muss man sagen, dass die Autorin einem gleich zu Beginn des Kapitels zu einem Eimer Espresso und Wein rät. Das ist dann auch nötig, weil sie ganz banal ein Ehepaar mit Kindern und eins ohne Kinder vergleicht und anhand dieses Vergleichs darlegt, wie der Staat Kinderkriegen bestraft. Fast hätte ich danach freiwillig das Atmen eingestellt.

I have a dream...

Nach der Lektüre ihres Buches kommt man nicht umhin, Nina Straßner dafür zu bewundern, dass sie mit ganz klaren Worten die Ungerechtigkeiten benennt, die immer wieder die treffen, die keine ausreichende Lobby haben, um sich zu wehren. Sie macht einem mit glasklaren Argumenten bewusst, wie miserabel die Menschen in unserem Land eigentlich behandelt werden, wenn es sich nicht zufällig um kinderlose, weiße, alte Männer handelt. Und wer jetzt denkt: "Na ja, sooooo schlimm ist es ja nun auch wieder nicht.", der sollte sich am allerdringendsten dieses Buch kaufen.
Ich wollte oder habe tatsächlich nach jedem zweiten Kapitel dieses Buches eine empörte Mail an zuständige Entscheidungsträger geschrieben.

Mein Lieblingskapitel in diesem Buch heißt übrigens auch "Bevor ich mich jetzt aufrege, ist es mir lieber egal". Offenkundig ist das kein Zitat der Autorin. Und das ist auch gut so, weil man sich erstmal aufregen muss, bevor man sich engagiert. Zum Glück haben immer mehr Menschen den Impuls sich zu engagieren - aber kaum einer regt sich so schön auf wie Nina Straßner.
Ich erwarte diese Frau demnächst in einem politischen Amt und prophezeie ihr (hoffentlich selbsterfüllend) einen steilen Aufstieg vom Kieler Rathaus aus in die Bundespolitik.
Mit ihrem Manifest in der Handtasche.

Der Handfeger-Test

An alle die das Buch gelesen haben oder bald lesen werden, habe ich abschließend eine Frage: Wärt ihr bezüglich des Handfegers in der Küche genauso verfahren wie Nina?
Ich hätte das hunderprozentig genauso gemacht, aber wenn man es liest, fühlt es sich ein bisschen verrückt an.

Don't worry, be Mami von Sandra Runge - Rezension



Ein Exemplar von „Don't worry, be Mami“ wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom Blanvalet Verlag zur Verfügung gestellt.

Ein Kind, viele Sorgen

In "Don't worry, bei Mami" erzählt Sandra Runge ihre Geschichte. Diese Geschichte beginnt damit, wie sie nach ihrer ersten Elternzeit von ihrem Arbeitgeber knallhart verarscht wurde. Ganz dreist wurde sie an ihrem ersten Arbeitstag nach der Elternzeit ohne Vorwarnung entlassen. Man sollte denken, dass dies ein Zusammentreffen von unglücklichen Umständen und miesestem Führungsstil war, das in dieser Form nur selten vorkommt. Leider ist dem nicht so. Frauen verlieren auf vielfältige Art und Weise ihre Jobs, nur weil sie ein Kind bekommen. Zum Glück ist Sandra Runge Anwältin und hat in ihrem Buch viele Ratschläge und Tipps zusammengefasst, wie man Schwangerschaft und Elternzeit möglichst ohne monetäre Einbußen und rechtlich abgesichert übersteht.
Es beginnt mit dem Steuerklassenwechsel, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist und endet mit der Haftung für durch Kinder verursachte Schäden.

Geballte juristische Expertise

Das Buch ist kein juristisches Fachbuch, sondern allgemein verständlich geschrieben. Wer aber erwartet, dass dieses Buch ohne juristische Fachbegriffe auskommt und alles ganz einfach erklärt ist, wird etwas enttäuscht werden. Grund hierfür ist schlicht, dass man juristische Normen und Sachverhalte präzise schildern muss, damit es nicht falsch wird. Trotzdem gibt es natürlich viele Erläuterungen. Sandra Runge leitet einen anhand ihrer Geschichte von Ratschlag zu Ratschlag. Die Story mag daher teilweise etwas konstruiert wirken und die Lieblingsfarbe von Juniors Löffel mag auch nicht jeden interessieren. Dafür erlebt man aber hautnah mit, wie der tägliche Wahnsinn mit Kind auch bei eigentlich aufgeräumten Juristinnen zuschlägt. Außerdem hat die Rahmengeschichte den Vorteil, dass das Buch überhaupt lesbar ist. Nichts ist schlimmer, als wenn juristische Sachbücher zu trocken sind, denn dann schafft man es meist gar nicht, sie überhaupt zu Ende zu lesen.

Die innere Anwältin

Dass man jedes Mal, wenn man das Buch sieht, den dümmlichen Ohrwurm "Don't worry, be happy" hat, muss man beim Kauf dieses Buches hinnehmen. Beinahe hätte ich das Buch übrigens nach den ersten Seiten nicht weiter gelesen. Die häufig zu Wort kommende "innere Anwältin" der Autorin erinnert mich nämlich latent an die "innere Göttin", wegen der ich schon von 50 Shades of Grey nicht mehr als einen Auszug lesen konnte. Zum Glück weiß die "innere Anwältin" irgendwann auch, wann sie die Schnauze zu halten hat.

Geldwerte Tipps

Elternratgeber, Kopfkissen, Schwangerschaft, Sandra Runge

Im günstigsten Fall liest man dieses Buch übrigens schon ganz in Ruhe in der Schwangerschaft. Wegen der Stilldemenz markiert man sich dann am besten die relevanten Stellen mit Post-Its und legt es zum Nachschlagen unters Kopfkissen, bis die Kinder ausgezogen sind. Dieses Buch spart einem eine Menge Nerven und im Zweifel auch eine Menge Geld. Gerade die Tipps zu Mutterschaftsgeld, rechtlicher Absicherung gegenüber dem Arbeitgeber, Steuerklassen, Hebammen- und Krankenkassenleistungen sowie Elterngeld sind bares Geld wert, so dass sich der Kaufpreis dicke lohnt.

Zukunftsmusik

Mein Abschnitt in "Don't worry, be Mami" ist übrigens der "Wiedereinstieg auf dem Ponyhof". In dieser Traumsequenz, die nur über zwei Seiten geht, schildert Sandra Runge, wie sie sich die perfekte Behandlung von Schwangeren und Müttern durch Arbeitgeber vorstellt.
So crazy, wie die Autorin das Szenario auf Ihrem Ponyhof schildert, finde ich das gar nicht. Die Doppelseite sollte man seinem Chef oder seiner Chefin ruhig mal kopieren und unter der Bürotür durchschieben. Bei Umsetzung dieser wenigen Maßnahmen wäre schon viel gewonnen in Deutschland!

Miss Multitasking

Sandra Runge, LAUFMAMALAUF, Sissi Rasche, Mompreneursgn="aligncenter" width="850"] Fotograf: Andreas Schwarz

Sandra Runge hat mittlerweile übrigens zwei Jungs und ihre eigene Kanzlei in Berlin. Dazu bringt sich vermehrt auch politisch ein, ist Gründerin von Coworking Toddler und hat einen sehr folgenswerten Blog unter www.smart-mama.de. Auf dem letzten Netzwerktreffen von LAUFMAMALAUF habe ich Sandra Runge übrigens persönlich bei einer Podiumsdisskussion mit anderen Mompreneurs erlebt. Und was soll ich sagen? Das zarte Persönchen ist engagiert, eloquent und fachlich top.
Und genau deshalb hilft einem auch ihr Buch auf den Punkt weiter.

 

 

Fit gezockt mit dem Nintendo Ring Fit Adventure (Testbericht)

Werbung - Die Gewinne werden von Nintendo Deutschland zur Verfügung gestellt. Für den Test wurde mir die Nintendo Switch sowie das Ring Fit...