Grundsätzlich bin ich völlig frei von Anflügen schlechten Gewissens, wenn ich ein Wochenende ohne Mann und Kinder verbringe. Das ist Zeit, die wichtig für mich ist, um aufzutanken und mich mal um mich selbst zu kümmern. Allerdings habe ich schon Bedenken für solche Trips übermäßig viel Geld auszugeben. Einerseits weil ich allein unterwegs bin und andererseits ist die Reisekasse natürlich strapaziert, seit wir als Familie in den Schulferien verreisen müssen.
Zum Glück habe ich eine Freundin, die aus Berlin kommt und deren Eltern noch in Kreuzberg wohnen. Wir haben also kurzer Hand ihre Eltern gefragt, ob wir im Winter mal bei ihnen wohnen dürfen, wenn sie unterwegs sind. An einem sehr grauen Januar-Wochenende war es dann soweit!
Entspannung ist Konsens
Ich habe seit Wochen eine Stirnhöhlenentzündung mit mir herumgetragen und meine Freundin hat die ganze Woche vorher kranke Kinder gepflegt. Es war also klar, dass wir ganz entspannt machen und nicht die Clubs abreißen würden. Alles was draußen stattfindet, konnte man bei Kälte und Nieselregen sowieso vergessen. Trotzdem muss man natürlich Dinge tun, die man mit Kindern nicht machen kann, wenn man schon mal kinderfrei hat. Wir haben uns auf Ausschlafen, Museen, Saunieren, Bummeln, unterbrechungsfreies Klönen und dann wieder Ausschlafen geeinigt.
Durch die schnelle ICE-Verbindung von Hamburg-Altona nach Berlin war ich innerhalb von zwei Stunden ganz entspannt in Berlin. Weil meine Freundin erst abends aus Leipzig angereist ist, bin ich erstmal allein in die Bauhaus-Ausstellung in der Berlinischen Galerie gegangen.
Es ist schon etwas anderes, ob man alleine in ein Museum geht oder mit Kindern. Zwar hatte die Ausstellung eine ganz tolle Station, an der man selber ganz leicht künstlerisch tätig werden konnte und die auch den Kindern Spaß gemacht hätte. Aber in seinem eigenen Tempo die Exponate anzuschauen und Dinge in Ruhe zu lesen, habe ich wirklich genossen.
Tatsächlich ist mir aber aufgefallen, dass ich überhaupt nicht weiß, was in Hamburger Museen gerade so los ist, weil ich es kaum noch schaffe, mich zu Hause auch mal darum zu kümmern.
Fancy muss man früher reservieren
Danach habe ich meine Freundin in Kreuzberg getroffen und wir haben die Wohnung bezogen. Eigentlich wollten wir uns in einem koreanischen Restaurant treffen, aber da waren schon am Vortag keine Reservierungen mehr möglich. Beim Japaner in der Nähe hätten wir auch nur noch Plätze an der Bar haben können, so dass wir dann einfach schräg gegenüber ins "Bastard" gegangen sind. In Berlin sollte man also rechtzeitig reservieren. Da saßen wir dann auch ganz gemütlich bei Rotwein und Tapas und haben uns wieder auf den neuesten Stand gebracht.
Das Ausschlafen hat auch phänomenal funktioniert. So eine Privatwohnung ist da auch einfach deutlich besser für geeignet als ein Hotel, wo irgendwann immer die Nachbarn mit den Türen knallen. Außerdem kann man im Pyjama frühstücken.
Bikini-Wetter
Nachdem wir den wichtigsten Punkt abgehakt hatten, wollten wir dann eigentlich eine Jeans für meine Freundin kaufen. Mit Kindern ist Jeans kaufen immer eine Qual, weil sie keinen Bock haben zu warten und im besten Fall auch noch unqualifizierte Kommentare abgeben. Online ist auch doof, weil man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit was zurückschicken muss. Wir waren dann auch in einem Laden mit toller Auswahl an fairen Bio-Jeans, aber ihre Größe gab es trotzdem nicht. Natürlich.
Dann sind wir ins Bikini Berlin gefahren. Das Bikini ist ein Einkaufszentrum am Breitscheidplatz, das ganz viele Pop Up- und Flagshipstores und einen Foodcourt beherbergt. Das Bikinihaus ist übrigens auch archtektonisch interessant, weil es ein denkmalgeschütztes Gebäude aus den 50ern ist, das entkernt und aufwändig umgebaut wurde. Eigentlich wollte ich mir Schuhe kaufen, habe aber keine gefunden. Natürlich. Wir sind dann auch ganz entspannt durch die Geschäfte gebummelt und haben da endlich auch was Koreanisches zu essen bekommen.
Auf dem Nachhauseweg sind wir in Kreuzberg noch bei der Bravo Bravko Kuchenwerkstatt vorbeigegangen. Da war es aber brechenvoll, so dass wir uns das köstliche Backwerk dann einfach in unserer gemütlichen Dachgeschosswohnung gegönnt haben.
Auftauen und Abtauchen
Am Abend haben wir uns ins Liquidrom aufgemacht. Das Liquidrom liegt unter dem Tempodrom, einer Veranstaltungshalle, und ist genau das richtige im Winter.
Dort gibt es ein Solebecken, in dem man sich einfach treiben und den Unterwassersounds lauschen kann. Dazu gibt es mehrere Saunen, Dampfbäder und die Möglichkeit, sich sich eine Massage zu buchen. Aber auch ohne Massage waren wir fast vier Stunden bis kurz vor Mitternacht da und es war herrlich. Sowohl für meine Stirnhöhle, wie auch für meine verklebten Faszien war das derart wohltuend, dass es auch ein kleiner Wellness-Urlaub war.
Dementsprechend gut und lange haben wir danach auch geschlafen.
Schön und schöner
Am Sonntag, als das Wetter besonders grässlich war, haben wir das Bröhan-Museum besucht. Als erstes wurde ich mit Berliner Charme darüber informiert, dass man in überhaupt keinem Museum nirgendwo auf der Welt einen Trolley abgegeben könne. Zum Glück hat eine andere Besucherin mir gesteckt, dass das auf der anderen Straßenseite in der Sammlung Scharf-Gerstenberg sehr wohl gehe. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gar keine Lust mehr wieder zurückzugehen. Aber "Nordic Design - Die Antwort aufs Bauhaus" hat dann doch "Lebenskleckse -Todeszeichen, Horst Janssen zum Neunzigsten" geschlagen.
Die Ausstellung hat mir ausnehmend gut gefallen. Die sehr ausführliche Führung konnten wir uns leider aus Zeitnot nicht ganz zu Ende anhören. Aber es war spannend in den Zeitgeist des letzten Jahrhunderts einzutauchen und die Designklassiker zu sehen, die sich daraus entwickelt haben.
Im Bröhan-Museum gibt es übrigens immer sonntags auch eine Werkstatt, wo man analog zu den Ausstellungen selber Werkstücke gestalten kann. Leider war auch das mit unseren Zugtickets nicht vereinbar. Aber immerhin konnten wir uns noch die Jugendstil- und Art Deco-Stücke ansehen, die das Bröhan-Museum ständig beherbergt. Da ging mir als 20er-Jahre-Liebhaberin natürlich das Herz auf.
Und vorbei...
So schön das Wochenende auch war, es war auch ganz schnell wieder zu Ende. Meine Freundin und ich sind wieder in die Bahn gesprungen und in entgegengesetzte Richtungen gefahren. Zum Gute-Nacht-Küsschen war ich wieder zu Hause und bin extrem entspannt in die neue Woche gestartet! Kurzum: Ich kann es Euch nur empfehlen!
Das Rezensionsexemplar von "Die Afterwork Familie" von Nathalie Klüver wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom Trias Verlag zur Verfügung gestellt. Mithin Werbung.
Work, work, work
Natalie Klüver, die auf "Eine ganz normale Mama" bloggt, hat wieder ein Buch geschrieben: Die Afterwork Familie! Der Titel trifft so präzise den Zeitgeist, dass es fast schmerzt. Tatsächlich kenne ich gar keine anderen Familien mehr als Afterwork Familien, wenn nicht gerade ein Elternteil Elternzeit macht. Es haben einfach alle einen Job in den sie früher oder später zurückkehren. Trotzdem möchten wir alle in der kurzen Zeit, die uns nach der Arbeit bleibt, eine schöne Zeit mit unserer Familie zu verbringen.
Das ist auch genau das Thema des Buches: Wie es gelingt, die Zeit, die man mit seinen Kindern hat, so zu gestalten, dass nicht alle heulen oder völlig fertig mit den Nerven sind.
Geteilter Erfahrungsschatz
Natalie Klüver hat selbst drei Kinder und kennt sich mit allen Tücken des Alltags aus. Egal, ob Abholen von der Kita, Medienkonsum, Einkaufen, Hausaufgaben, Abendessen oder ins Bett gehen, alle Situationen, die regelmäßig zur Eskalation geeignet sind, werden von ihr beleuchtet. Sie gibt einem konkrete Tipps an die Hand, um bereits im Vorfeld für Entspannung zu sorgen. Fast wichtiger ist aber, dass sie einem sagt, dass es bei allen gleich unberechenbar läuft und man nicht auf ganzer Erziehungslinie versagt hat. Das Buch ist wie ein warmes Kopfstreicheln für alle Mütter, die ihr Bestes geben und dann doch wieder am Verzweifeln sind. Erschöpfung und Verunsicherung, wenn der Tag mal wieder in schlechter Laune endet, sind nicht selten. Dazu kommt dann oft noch ein permanent schlechtes Gewissen gegenüber der Familie und dem Arbeitgeber, weil man das Gefühl hat, niemandem hunderprozentig gerecht zu werden.
"Die Afterwork Familie" nimmt den Druck raus. „Weniger ist mehr“, „Realistisch bleiben“, „Entspann Dich“ und „Gut ist gut genug“. Das sind die Glaubenssätze die einem beim Lesen immer wieder entgegenspringen. Theoretisch weiß man das natürlich eigentlich alles, es kommen aber ja immer wieder Zweifel auf. Bei diesem Elternding macht man ja ständig Sachen zum ersten Mal.
Kinder miteinbeziehen
Mein Lieblingskapitel ist übrigens das darüber, wie es gelingt, Kinder in die Hausarbeit einzubeziehen. Natalie Klüver traut Kindern nämlich viel zu und ermuntert Eltern ihre Kinder zu selbstständigen Personen zu erziehen. In ihrem Buch gibt sie nicht nur praktische Tipps, die auf eigenen Erfahrungen beruhen, sondern streut auch immer wieder interessante Studienergebnisse ein, wie z.B., dass Kinder häufiger im Haushalt mithelfen, wenn auch die Väter im Haushalt mitanpacken.
Besonders gut gefällt mir aber, dass sie immer wieder darauf hinweist, dass gemeinsam verbrachte Zeit nicht nur mit aufwendigem oder kostspieligem Programm Quality Time ist. Auch ganz banale Alltäglichkeiten, wie das gemeinsame Wäsche machen, können eine schöne Zeit sein, die man mit seinen Kindern verbringt. Genau das kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Es dauert etwas länger, wenn die 3-jährige bei der Wäsche hilft, aber sie macht das so lieb und ist so stolz darauf, dass sie hilft und schon Dinge alleine schafft, dass es uns beiden großen Spaß macht. Ich weiß auch noch, dass ich es absolut faszinierend fand, wenn mein Opa samstags das Treppenhaus geputzt hat. Besonders Feudeln gehörte zu meinen absoluten Highlights. Als Eltern muss man diese Begeisterung natürlich nutzen. Wenn man den Kindern nicht beibringt, wie der Haushalt läuft, solange sie das spannend finden, hat man eigentlich verloren.
Lasst sie Kinder sein
Über viele Dinge, die in diesem Buch gepriesen werden, kann man natürlich geteilter Meinung sein. Tiger Moms werden zum Beispiel überhaupt keine Freude an diesem Buch haben. Nathalie Klüver ist überzeugte Verfechterin davon, Kinder viel frei spielen zu lassen und vertritt diese Überzeugung in Ihrem Buch auch mit der Chuzpe einer Dreifachmutter. Ich habe mich aber auch gefragt, wieso ausgerechnet das Kinderturnen im Buch so schlecht wegkommt, wo ich das doch so wichtig finde. Aber da hat jede Familie natürlich andere Schwerpunkte auf die sie mehr Wert legt.
Kritikpunkt
Eine Sache, die mir aber tatsächlich negativ an dem Buch aufgefallen ist, ist die laxe Einstellung zur Ernährung. Zwar ist der Autorin durchaus bewusst, dass unterzuckerte und aufgedrehte Kinder nicht zu einem entspannten Nachmittag beitragen. Trotzdem wird immer wieder geraten auch schon Kindern im Kita-Alter nachmittags isolierte Kohlenhydrate in Form von Laugen- oder Rosinenbrötchen zu geben. Tatsächlich ist auch der einzige Tipp in diesem Buch, von dem ich nur abraten kann, der, nach der Kita warmen Kakao als tägliches Ritual einzuführen. Da der Blutzuckerspiegel nach dem Kakao genauso schnell sinkt, wie er zuvor durch die Zuckerinfusion in die Höhe schnellt, ist mit diesem Ritual wenig Entspannung gewonnen.
Fairer Weise muss man sagen, dass Natalie Klüver in anderen Bereichen, wie Medienkonsum wahrscheinlich strenger ist als ich. Aber gerade bei der Ernährung bin ich bereit diesen Kampf zu kämpfen. Ernährungsgewohnheiten begleiten einen oft durch das ganze Leben. Nicht ohne Grund sind in Deutschland Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten auf dem Vormarsch. Man tut Kindern einfach keinen Gefallen damit, wenn man nährstoffarme Lebensmittel in tägliche Gewohnheiten einbindet.
Fazit
Insgesamt ist das Buch supergut zu lesen. Es hat mutterfreundlich kurze Kapitel, gibt einem ganz konkrete Tipps für mehr Struktur im trubeligen Alltag an die Hand und nicht zuletzt lernt man auch noch einmal sehr viel über das Denken und Verstehen der Kinder. Überhaupt werden die Kinder in diesem Buch sehr liebevoll betrachtet. Ich kann also wirklich jedem, der arbeitet und Kinder hat, empfehlen dieses Buch zu lesen, wenn es im Familienalltag ab und zu knirscht. Es liefert sehr wertvolle Ansätze, um die gemeinsame Zeit für alle entspannter zu gestalten.
Im ersten Teil der Interviews hat Jenny schon wahnsinnig viel zu ihrem Job bei der DKMS erzählt. Sie hat aber auch selber schon Stammzellen für einen Blutkrebspatienten gespendet. Als ich mich bei der DKMS registriert habe, habe ich mir tatsächlich wenig Gedanken darüber gemacht, wie man überhaupt Stammzellen spendet - haben andere schließlich auch schon geschafft. Deswegen hatte ich aber jede Menge Fragen an Jenny zum eigentlichen Prozedere.
Was passiert genau bei der Stammzellenspende?
Erzähl uns doch mal wie genau das abläuft, nachdem ich meinen Abstrich an der Mundschleimhaut gemacht habe und mein Wattestäbchen an die DKMS geschickt habe. Jetzt habe ich vielleicht jahrelang nichts gehört und was passiert dann?
Es gibt irgendwo einen Patienten mit der Diagnose Blutkrebs und der braucht einen Spender. Der Arzt wendet sich dann erst an das zentrale Knochemarkspenderregister (ZKRD) und startet eine Suche nach einem Spender mit den Humanen Leukozytantigen-Merkmalen (HLA-Merkmale) des Patienten. Wenn die Suche erfolgreich ist, kann das ZKRD dem Arzt z.B. sagen, dass es 5 Spender bei der DKMS und zwei Spender bei der Stefan-Morsch-Stiftung gibt. Der Arzt bekommt dann zunächst nur den Übereinstimmungsgrad der HLA-Merkmale und weitere Informationen, wie die Blutgruppe (die muss nicht übereinstimmen, es ist aber besser) mitgeteilt. Anhand dieser Merkmale wählt der Arzt den Spender aus, der am besten passt. Dann kontaktiert das ZKRD die DKMS, weil nur die DKMS die persönlichen Daten des Spenders hat. Jetzt wirst du von der DKMS kontaktiert. Du bekommst die Information, dass es eine Übereinstimung gibt und wirst gebeten eine Blutprobe abzugeben und den medizinischen Fragebogen auszufüllen. Dann wird von den Ärzten der DKMS geprüft, ob der Spender prinzipiell gemäß Fragebogen zu einer Spende zugelassen werden kann. Dazu wird die Blutprobe unabhängig komplett durchtypisiert, für alle Merkmale, die schon bei der Aufnahme typisiert wurden. Hier sollen Fehler ausgeschlossen werden und es werden Infektionsmarker gemacht, so dass eine Infektion mit HIV, Syphilis, Hepatitis B und C etc. ausgeschlossen wird. Wenn das alles in Ordnung ist, bekommt der Arzt eine Mitteilung, dass die Merkmale bestätigt wurden und der Spender prinzipiell spenden kann.
Dann muss sich der Arzt entscheiden, welchen Spender er haben möchte und es geht in die wirkliche Spendenvorbereitung. Die DKMS kontaktiert dich dann wieder, dass ganz konkret du als Spender ausgewählt worden bist. Die weitere Spendenorganisation läuft auch komplett über die DKMS. Es wird ausgemacht, in welcher Klinik die Spende erfolgt. Dabei kommt es darauf an, ob Knochenmark angefragt wurde oder über die periphere Methode gespendet werden kann, weil nicht in jeder Klinik beides möglich ist. Es wird aber immer versucht, so wohnortnah wie möglich eine eine Klinik zu finden. Es gibt aber zwei große Zentren in Köln und in Dresden, die sich auf Stammzellenentnahme spezialisiert haben. Für den Spender wird alles organisiert, von der Anreise über das Hotel bis zum Kliniktermin.
In der Klinik gibt es dann eine Voruntersuchung, bei der der entnehmende Arzt dich noch einmal auf Herz und Nieren prüft.
Es kommen auf den Spender also keinerlei Kosten zu und alles wird von der DKMS für ihn organisiert.
Wie fühlt es sich an?
Wie war das bei deiner eigenen Spende? Hast du Knochenmark gespendet?
Nein, ich habe über die periphere Methode gespendet. Zur Entnahme war ich in Tübingen und dort habe ich dann bei der Voruntersuchung den Ablauf nochmal genau erklärt bekommen. Ich habe bereits dieses Medikament erwähnt, das man bei der peripheren Methode bekommt. Das sind Spritzen, die man sich gibt, wie so kleine Thrombose-Spritzen.
Die gibt man sich dann, genau wie beim Beinbruch, einfach selber in die Fettfalte am Bauch?
Ja genau, in die Individualschicht *grinst*. Dieses Medikament kann natürlich auch Nebenwirkungen haben, bzw. die eigentliche Wirkung ist das, was einem die Probleme macht. Du nimmst das Medikament ja, damit sich deine Stammzellen vermehren. Die Stammzellen sitzen im Knochenmark und wenn sie sich vermehren, ist irgendwann einfach weniger Platz im Knochenmark. Die Folge davon ist, dass du Knochenschmerzen bekommst.
Ist das so ähnlich, wie die Wachstumsschmerzen, die man früher als Kind hatte?
Na ja, vielleicht so ein Zwischending aus Wachstumsschmerzen und Gliederschmerzen. Du merkst aber schon, dass es der Knochen ist. Vor allen Dingen im Kopf, weil der Schädelknochen extrem viele Stammzellen hat und aber auch das Brustbein und die Rippen. Das ist dann wie ein Druck, der dort entsteht. Man kann sich dann krankschreiben lassen, viele arbeiten aber auch weiter - ich auch. Es ist aber auch möglich, ganz normale Schmerzmittel zu nehmen, wenn es einem zu viel wird. Es ist aber auch absolut auszuhalten, das ist wirklich nicht so tragisch.
Aushalten könnenMütter ja. Also nicht schlimmer als eine Schwangerschaft?
Nein, um Gottes Willen! (Wir müssen beide lachen.)
Am fünften Tag der Medikamentengabe bin ich dann in die Klinik gegangen und habe die Zugänge gelegt bekommen. Auf der einen Seite fließt das Blut raus in die Maschine und auf der anderen Seite fließt es zurück zu einem. Das ganze dauert so ungefähr sechs Stunden, je nachdem wie viele Stammzellen gebraucht werden. Ich als kleine, leichte Person habe z. B. für einen 100-Kilo-Mann gespendet und man berechnet die Zellzahl die er braucht pro Kilogramm Körpergewicht. Es gab da also ein Gap und dann passiert es, dass man noch einen zweiten Tag zur Entnahme muss, damit die angeforderte Zellzahl auch wirklich gesammelt werden kann.
Bekommt man das bei der Spende gesagt, für wen man spendet?
Ja, am Tag der Spende wird einem gesagt, ob man für eine Frau, einen Mann oder ein Kind spendet, wenn man es wissen möchte. Vorher nicht. Ich durfte dann z. B. wissen, dass ich für einen Mann aus Frankreich spende.
Hat man nach der Spende noch Nachwirkungen?
Das kommt auf die Entnahmemethode an. Bei der peripheren Methode hat man eher vorher die Beeinträchtigungen und die sind sofort nach der Entnahme weg, weil wieder Platz im Knochenmark ist. Das ist natürlich sehr geil. Ich bin aus dem Bett gestiegen und hab gedacht: "Super!". Dann darf man auch sofort nach Hause gehen.
Bei der Knochmarkentnahme werden parallel von zwei Ärzten die Beckenkammknochen punktiert. Eine Kollegin von mir hat schon Knochenmark gespendet und die hat das Gefühl nach der Entnahme als eine Art Prellungsschmerz beschrieben. Es kann sich also auch wie ein Pferdekuss auswirken.
Okay, das kennen alle Mannschaftssportler ja auch zur Genüge.
Bei der Knochenmarkentnahme bleibst du in der Regel dann noch eine Nacht im Krankenhaus, weil bei der Entnahme oberhalb des Beckenkammknochens ein kleiner Schnitt gemacht wird, der natürlich genäht wird.
Wie geht es nach der Spende weiter?
Hat man als Spender nach der Spende dann noch irgendetwas zu tun?
Die DKMS versucht immer Informationen vom Patienten zu bekommen. Die erste Info bekommt man als Spender normalerweise nach einem halben Jahr, wenn der Spender es wirklich wünscht - das wird immer erst abgefragt. Lebt der Patient, ist er entlassen worden, wie geht es ihm ganz grob? Nach zwei Jahren hat man - je nach Herkunft des Patienten - die Möglichkeit, den Patienten kennen zu lernen, wenn beide das wünschen. Das ist aber von Land zu Land unterschiedlich. Z.B. erlaubt Frankreich nur einen einmaligen Briefkontakt, Holland erlaubt gar keinen Kontakt und die USA erlauben, wie Deutschland, ein Treffen nach zwei Jahren.
Ansonsten freut sich die DKMS natürlich, wenn der Spender die Nachsorge mitmacht. Da wird nach einem Monat sowie nach sechs Monaten gebeten, eine Blutprobe und einen Gesundheitsfragebogen abzugeben, um zu überprüfen, ob gerade die Zellzahlen wieder normal sind. Danach wird nur noch jährlich um die Abgabe eines Gesundheitsfragebogens gebeten, einfach zur Überprüfung etwaiger Spätfolgen.
Sind denn bisher Spätfolgen bekannt?
Diese Nachsorge wird schon lange betrieben. Bei der DKMS gibt es ein Programm, bei dem auch Spender, die letztendlich nicht gespendet haben, ebenfalls gebeten werden, diese Fragebögen auszufüllen. Dann werden Pärchen gebildet aus einem Spender, der gespendet hat und einem, der nicht gespendet hat, um zu vergleichen, ob der eine oder der andere eine höhere Inzidenz bestimmter Erkrankungen hat. Bisher gibt es da überhaupt keine Auffälligkeiten. Es gibt also keinerlei Nachteile, die man durch eine Spende hat.
Hast du bei deiner Spende denn etwas gehört, wie es dem Patienten mit deiner Spende ergangen ist?
Ich habe nach einem halben Jahr und nach einem Jahr die Nachricht erhalten, dass er lebt und er ist auch relativ schnell entlassen worden. Weitere Informationen werden in Frankreich dann leider nicht erteilt, so dass ich darüber hinaus nichts weiß.
Das ist dann also auch kein persönlicher Brief von dem Patienten, sondern die Nachricht erhälst du auch über die DKMS?
Ja, das läuft alles über die DKMS. Die DKMS fragt das regelmäßig an und manche Kliniken beantworten diese Anfragen und andere eher nicht. Das ist ein bisschen Glückssache. Bei meiner Spende war es mir aber wichtig zu wissen, dass der Patient erst einmal initial überlebt hat. Ich denke mir immer, dass wenn er wirklich einen Rückfall erlitten hätte, wäre ich auch erneut angefragt worden. Die Möglichkeit gibt es natürlich, dass der gleiche Spender nochmal angefragt wird. Je nach Art des Rückfalls kann es aber auch sein, dass der Arzt dann einen anderen Spender bevorzugt.
Welche Gründe hat es, dass die Kontaktaufnahme zwischen Spender und Patient so streng geregelt ist?
Durch die zwei Jahre Wartezeit in Deutschland soll vermieden werden, dass Druck auf den Spender ausgeübt werden kann, erneut zu spenden, wenn es zu einem Rückfall kommt. Nach zwei Jahren ist es relativ unwahrscheinlich, dass es zu einem Rückfall kommt - zumindest zu einem, bei dem der gleiche Spender noch einmal gefragt werden würde.
Blutkrebs kann jeden treffen
Nach den DKMS-Zahlen erkrankt alle 15 Minuten ein Mensch in Deutschland an Blutkrebs. Gibt es Umstände die das Risiko an Blutkrebs zu erkranken erhöhen? In Verruf ist da ja zum Beispiel die unmittelbare Nachbarschaft zu Atomkraftwerken.
Ja, das ist ungünstig. Äußere Umstände können da immer einen Einfluss haben. Man kann jetzt aber nicht sagen, wenn du rauchst, dann bekommst du in jedem Fall Blut- oder Lungenkrebs. Da gehört auch immer Glück oder Pech dazu. Bei manchen Blutkrebserkrankungen spielt Vererbung eine Rolle, aber auch nicht bei allen. Dementsprechend ist es weitgehend unvorhersehbar, wer an Blutkrebs erkrankt.
Wenn ich mir die Spendenaufrufe der DKMS ansehe, scheint das Alter der Blutkrebspatienten sehr unterschiedlich zu sein. Leider sind da auch sehr oft Kinder bei.
Das liegt mit daran, dass eine Blutkrebsart eher bei Kindern vorkommt und eine andere eher im Alter. Die Blutkrebsarten unterscheiden sich auch in der Aggressivität, bei einigen Arten kann man auch lange warten auf eine Spende. Was viele nicht wissen: Eine Stammzellenspende braucht man auch nicht unbedingt nur bei Blutkrebs, sondern kann auch bei Sichelzellenanämie in Betracht gezogen werden, was in afrikanischen Ländern recht verbreitet ist. Es sind also nicht immer nur bösartige Erkrankungen, die behandelt werden.
Bevor beim ZKRD angefragt wird, wird aber zuerst immer in der Familie des Patienten ein Spender gesucht, oder?
Ja, wenn der Arzt initial anfängt für den Patienten zu suchen, wird immer erst die Familie durchsucht. Geschwisterkinder haben eine 50 prozentige Wahrscheinlichkeit zum Patienten zu passen. Eltern passen immer nur zur Hälfte, weil man immer nur einen Teil weitergibt. Das gleiche gilt natürlich für Kinder. Bei weiter entfernten Verwandten wird es immer schwieriger. Bei Cousinen besteht z.B. nur noch eine ganz geringe Wahrscheinlichkeit, dass sie zu 100 Prozent zum Patienten passen. Wobei es aber auch die Möglichkeit gibt halb-passend zu spenden, weswegen viele Mütter oder Väter auch für ihre Kinder spenden. Diese Möglichkeit besteht auch bei Fremdspendern, aber natürlich wird immer zuerst nach einer vollständigen Übereinstimmung gesucht.
Die DKMS versucht über diverse Kanäle Menschen zu motivieren sich zu registrieren. Es gibt z.B. auch Registrierungsevents bei Sportvereinen oder Unternehmen. Gibt es etwas, was besonders gut läuft und was man unbedingt anregen sollte, wenn man an geeigneter Stelle in einem Verein oder Unternehmen sitzt? Mein Mann hat sich z.B. beim Football Agency Cup der deutschen Werbeagenturen registriert.
Es gibt da Firmen, die sehr aktiv mit der DKMS zusammen arbeiten. Zum Beispiel die deutsche Telekom macht fast jedes Jahr eine Registrierungsaktion. Bei Unternehmen ist es oft der Betriebsrat, der sich darum kümmert oder oft sind es auch die Chefs, die sich bei der DKMS melden. Bei Unternehmenstypisierungen ist es aber so, dass die DKMS darum bittet, und das macht es etwas schwierig, dass das Unternehmen die Typisierungskosten trägt. Auch bei Laufveranstaltungen ist die DKMS ganz oft vor Ort, vom Neumarkter Stadtlauf bis zu den ganzen Businessruns. Auf www.dkms.de gibt es online auch eine Karte, auf der alle kommenden Typisierungsaktionen eingezeichnet sind. Geldspenden kann man einfach zentral an die DKMS richten und kann das dann natürlich auch von der Steuer absetzen.
Jenny, vielen herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, so ausführlich die Fragen einer gänzlich Uninformierten zu beantworten! Ich habe so viel gelernt!
Registrierung für Naschkatzen
Eine schöne Möglichkeit jemanden liebevoll zur Registrierung als Stammzellenspender zu animieren ist übrigens der LifeLolli. Der LifeLolli wurde von der Knochenmarkspenderzentrale des Universitätsklinikums Düsseldorf entwickelt. Im Inneren des Lollis befindet sich ein Wattestäbchen mit dem man den Wangenabstrich machen kann und es dann zurückschickt.
Auch hier gilt: Wenn ihr bereits bei der DKMS oder einer anderen Spenderdatei registriert seid, registriert euch bitte nicht doppelt!
Vielleicht wissen es gar nicht alle von Euch, aber ich bin Partnerin von LAUFMAMALAUF in Hamburg und gebe jeden Tag Outdoor-Fitness-Kurse für Mütter mit Ihren Babies. Meistens gehen wir nach dem Training auch noch einen Kaffee trinken. Oft reden wir dann über das Stillen, Wickeln und Schlafen. Manchmal aber auch nicht. Denn da sitzen ja nicht nur Mütter, sondern auch hochqualifizierte Frauen. Letztens saß ich zwischen einer Onkologin aus dem Krankenhaus St. Georg und Jennifer Wuchter, einer Doktorin der Biologie, die gerade aus Tübingen nach Hamburg gezogen ist und vorher über fünf Jahre in der Zentrale der DKMS (Deutsche Knochemarkspenderdatei) gearbeitet hat. Jenny hat auch selber bereits für einen Blutkrebspatienten Stammzellen gespendet.
Glaubt mir, ich habe noch nie soviel über Leukämie und Stammzellenspenden gelernt, wie bei diesem Kaffee.
Weil ich das ganze Thema mega interessant finde und euch das nicht vorenthalten wollte, habe ich Jenny im Interview nochmal von vorne bis hinten über die DKMS und die Stammzellenspende ausgefragt.
Jenny, wofür genau warst du bei der DKMS zuständig?
In meiner Abteilung haben wir alle eingehenden Typisierungen auf Richtigkeit überprüft. Gleichzeitig war ich aber auch im Projektmanagement für die Auslandsstandorte tätig. Da ging es darum, Spender erneut zu typisieren. Spender, die vor langer Zeit aufgenommen wurden, wurden nach damaligem Stand typisiert, was nicht mehr den heutigen Möglichkeiten entspricht. Mittlerweile kann man deutlich mehr Merkmale typisieren. Deswegen kann es immer sein, dass man als Spender noch einmal angeschrieben wird, damit präzise nachtypisiert werden kann.
Ich war überrascht, wie einfach es war, die Registrierung durchzuführen mit dem Wangenabstrich. Früher musste noch eine Blutprobe abgegeben werden, oder?
Ja, es war ganz lange nur mit Blutprobe möglich sich zu registrieren. Dann wurde darauf umgestellt, dass bei Vor-Ort-Aktionen Blut abgenommen wurde und die Bestell-Kits mit den Wattestäbchen bestückt wurden. Mittlerweile ist es so, dass sogar der CMV-Status (Cytomegalie Virus) aus dem Wattestäbchen bestimmt werden kann. Das wurde ganz lange für undurchführbar gehalten. Glücklicherweise konnte meine Abteilung hier ganz eng mit unserem Labor zusammenarbeiten und so dazu beitragen, dass der CMV-Status aus dem Wattestäbchen bestimmt werden kann. Das war ein toller Durchbruch! Seit es möglich ist, auch den CMV so zu bestimmen, werden quasi alle Registrierungen mit dem Wattestäbchen vorgenommen.
https://youtu.be/hLumL1rhTdg
Wieso ist das bei einer Knochenmarkspende relevant, ob jemand das Zytomegalie-Virus trägt?
Eine CMV-Infektion kann nach einer Transplantation schwere bis tödliche Verläufe nehmen, obwohl sie ja bei gesunden Menschen häufig komplett unbemerkt bleibt. Allerdings ist es momentan noch so, dass man für einen CMV-negativen Patienten auch einen CMV-negativen Spender will und anders rum. Das hat etwas damit zu tun, das potentiell durch CMV-positive Spender auch Virus mit übertragen werden könnte, allerdings auch Antikörper um eine Infektion in Zaum zu halten. Da wird aber noch rege diskutiert unter den Ärzten und das Vorgehen ist noch bestimmt, durch die Vorerfahrungen die ein Arzt gemacht hat. Erste Publikationen zu dem Thema kommen aber.
Wieviele Menschen sind in Deutschland bei der DKMS registriert?
In Deutschland sind ca. 6 Millionen Menschen bei der DKMS registriert und noch ungefähr 2 Millionen Menschen bei anderen Spenderdateien. Es gibt insgesamt 26 verschiedene Spenderdateien, wovon die DKMS die größte ist. Also ungefähr 10 Prozent der Bevölkerung, wobei man aber auch nur zwischen 18 und 61 Jahren spenden kann. Frühestens mit 17 Jahren kann man sich registrieren und mit 61 Jahren fällt man aus medizinischen Gründen wieder raus.
Sollte man sich in allen diesen 26 Spenderdateien registrieren lassen oder gibt es da einen Datenabgleich?
Bitte nie bei mehreren Spenderdateien registrieren! Wenn man sich nämlich zum Beispiel bei drei verschiedenen Spenderdateien registriert, führt das dazu, dass bei der Suche im zentralen Knochenmarkspenderregister drei passende Spender angezeigt werden. Dort liegen die Daten nämlich nur anonymisiert vor. Wenn die Spender dann über die jeweiligen Spenderdateien kontaktiert werden, stellt sich leider heraus, dass es sich um ein und den selben Spender handelt. Das ist für den Patienten psychologisch ganz schlecht. Manche Ärzte sagen den Patienten sehr offen, wie es mit der Spendersuche läuft. Wenn man dann erst denkt, dass es mehrere Spender gibt und sich dann herausstellt, dass es doch nur einer ist, ist das natürlich nicht optimal.
Obwohl bereits so viele Menschen registriert sind, sucht die DKMS aber trotzdem ständig weiter Spender. In meiner persönlichen Bubble habe ich immer den Eindruck, dass längst alle Menschen bei der DKMS registriert sind. Aber der DKMS fehlen immer noch ganz viele Leute, die sich aus unterschiedlichen Gründen noch nicht als Spender registriert haben.
Ja, definitiv! Man muss bei der Erklärung, warum immer mehr Spender gebraucht werden, etwas vorsichtig sein, wie man sich ausdrückt. Aber die Wahrscheinlichkeit, einen Spender zu finden, hängt auch immer von der eigenen Abstammung ab. Ein abstammungsmäßig deutscher Mensch findet in der deutschen Bevölkerung auch relativ leicht einen Spender. Es gibt aber auch hier immer Ausnahmen von Personen mit seltenen Merkmalen, da gehöre ich zum Beispiel auch zu. Dann findet man auch nicht so leicht einen Spender. Kritischer wird es je mehr gemischt-ethnische Elternpaare es im Stammbaum eines Menschen gibt. Wenn sich also die HLA-Merkmale ( "Humane Leukozyten-Antigene" - die Merkmale die bei Spender und Patient übereinstimmen müssen) mischen z.B. zwischen einem Europäer und einem Amerikaner, dann wird es immer unwahrscheinlicher, dass man einen passenden Spender findet, weil es nicht so viele Spender mit dem gleichen gemischt-ethnischen Background gibt.
Jeder Mensch hat sechs HLA-Merkmale und die kommen auf beiden Chromosomen im Erbgut vor. So hat jeder Mensch also je zwei Genvarianten der einzelnen HLA-Merkmale. Ein Chromosom wird dabei von der Mutter und eins vom Vater vererbt. Optimaler Weise muss eine Übereinstimmung von fünf HLA-Merkmalen (= zehn Genen) hergestellt werden können. Die HLA-Merkmale werden ganz krass in einer Bevölkerungsgruppe vererbt. In Deutschland gibt es zum Beispiel ganz typische Merkmale, in Griechenland, als europäischem Land, sind die Merkmale noch sehr ähnlich, es gibt aber schon einige Besonderheiten. Geht man nach Indien sind die HLA-Merkmal ganz anders verteilt. Mischt sich das dann, hat man einen indischen und einen deutschen Strang und braucht diese Mischung dann auch als Spender.
Zwischen 17 und 61 Jahren kann aber jeder Spender sein oder gibt es Ausschlussgründe?
Ein hartnäckiger Irrglaube ist es, dass sich homosexuelle Männer sich nicht typisieren lassen dürfen. Das war früher tatsächlich so und ist auch fälschlich immer wieder mal in der Presse. Dieses Verbot besteht heute jedoch nicht mehr.
Es gibt aber andere Ausschlussgründe. Typischer Weise sind das schwere Erkrankungen, also wenn man bereits eine Krebserkrankung, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hatte, weil das bei einer Stammzellenentnahme zu größeren Problemen führen könnte. Bei Schilddrüsenerkrankungen kann man sich registrieren, ist aber eventuell dann bei einer Spende auf eine der beiden möglichen Entnahmenarten eingeschränkt. Grundsätzlich kann man auch über die periphere Methode Knochenmark spenden, da wäre man dann eingeschränkt auf die Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkammknochen.
Wie spendet man Stammzellen bei der peripheren Methode?
Es gibt zwei Methoden zu spenden. Einmal die Knochenmarkentnahme, wo der Beckenkammknochen unter Vollnarkose punktiert wird und ein Knochemark-Blut-Gemisch entnommen wird. Bei der peripheren Methode bekommst du vorher über fünf Tage ein Medikament, das sogenannte gCSF. Das ist ein hormonähnlicher Stoff, der dafür sorgt, dass sich deine Stammzellen vermehren. Die Stammzellen werden dann aus dem Knochenmark ins Blut ausgeschwemmt und die werden dann mit einer Art Dialyse entnommen. Du wirst sechs Stunden an eine Dialyse angeschlossen, dein Blut fließt in eine Maschine, durch Zentrifugation werden dann die Stammzellen abgefiltert und den Rest des Blutes bekommst du wieder. Mittlerweile werden 80% der Präparate über diese periphere Methode gewonnen und nur zu 20% über die Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkammknochen. Das hängt aber davon ab, welche Art "Stammzellenprodukt" der Patient braucht. Das entscheidet der Arzt des Patienten.
Eine Knochenmarkspende darf man übrigens auch mit einem schweren Bandscheibenvorfall nicht mehr machen. Dann darf man nur noch über die periphere Methode spenden. Bei der Neuaufnahme wird erfragt, ob schwere Erkrankungen vorliegen. In der Vorbereitung auf die Spende muss man dann einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen und in einem letzten Schritt wird man dann noch vom Entnahmearzt untersucht. Der Entnahmearzt entscheidet dann, ob beide Entnahmearten möglich sind. Wenn nur noch eine Entnahmeart möglich ist, wird das dem Arzt des Leukämiepatienten mitgeteilt. Der entscheidet dann, ob ein alternativer Spender gesucht wird oder ob der ursprünglich angefragte Spender spenden soll, obwohl nicht die gewünschte Spendenmethode durchgeführt werden kann.
Das heißt aber, es gibt noch jede Menge Menschen, die noch nicht registriert sind und nicht zu alt, zu jung oder zu krank sind. Es kostet aber nichts, sich typisieren zu lassen?
Ganz genau. Es ist natürlich sehr hilfreich, wenn man etwas spendet, denn - na klar - entstehen bei der Typisierung Kosten, das sind ungefähr 35 Euro pro Typisierung. Aber prinzipiell muss man diese Kosten nicht übernehmen, wenn man sich als Spender registrieren lässt.
Nach dieser ersten Flut von Informationen, erzählt Jenny im zweiten Teil des Interviews wie es sich anfühlt, selber Stammzellen für einen Krebspatienten zu spenden.
Ich weiß noch wie wichtig mit sechs Jahren meine Einschulung für mich war. Ein Riesenschritt und wahnsinnig aufregend. An ein paar Teile aus meiner Schultüte erinnere ich mich immer noch. Am faszinierendsten fand ich das Thermometer in Pandaform und kleine Brauseherzen waren auch drin. Dementsprechend hatte ich letzten Sommer leichten Druck, dass meine Große nicht enttäuscht ist, wenn sie in Ihre Schultüte guckt.
Wichtig war mir, dass nicht zu viele Süßigkeiten drin sind, nicht zu viel Plastikspielzeug und dass die Schultüte nicht zu schwer wird. Man muss ja doch damit rechnen, dass die frischen Erstklässler die Schultüte den ganzen Tag nicht aus der Hand geben.
Schultüte, Einschulung
Wenn man die Schultüte endlich gekauft, gebastelt oder genäht hat und davor sitzt, kommt sie einem ganz schön groß vor. Da geht wirklich eine Menge rein. Ich empfehle trotzdem, sie wirklich voll zu machen. Die Eltern eines Mitschülers meiner Großen hatten nur Sachen für die Federtasche in die Schultüte gepackt und den Rest dann mit Packpapier ausgestopft. Geht auch, aber nicht zufällig gibt es zur Einschulung hin in vielen Supermärkten die Aufsteller mit Schweinespeck oder Brausepulver-Ufos, die genau unten in die Schultüte passen. Vielleicht nimmt man dann lieber sowas als Füllmaterial. Packpapier ist natürlich gesünder, das Kind dann aber wahrscheinlich auch deutlich unfröhlicher.
Ganz praktisch war, dass meine Tochter mich schon mehrere Wochen im Voraus immer wieder zu Beschaffenheit und Inhalt der Schultüte befragt hat. Daher wusste ich dann ungefähr, worüber sie sich freuen würde. Hauptsächlich Süßigkeiten. Weil ich aber nicht nur Naschi kaufen wollte, habe ich mich dafür entschieden, einen Mix aus Schnobkram, Schulsachen und Spielzeug zu nehmen.
In die bunte Tüte hab ich eigentlich alles reingepackt was geil ist, von Kirschcola bis saurem Schnuller. Die hat aber auch schon einiges gewogen, deshalb habe ich auch noch Schweinespeck und ein paar leichte Kleinigkeiten dazu gepackt. Das war so die Menge, bei der ich den Eindruck hatte, die kann ich ihr selbst überlassen. Ich wollte ungern die ganze Zeit nach der Einschulung hinter ihr herlaufen und "Aber nicht alles auf einmal essen" rufen.
Vor der Einschulung bekommt man von der Schule eine Liste, was die Erstklässler an Ausrüstung brauchen. Zum Glück sind da auch Dinge drauf, die so klein sind, dass sie in die Schultüte passen.
Bleistift, Radiergummi, Schere und Buntstifte waren von der Schulliste. Das Heft habe ich ihr zum "Schule spielen" für zu Hause mit reingelegt. Weil sie immer Tesa bei mir klaut, hat sie dann noch Washitape bekommen, das auch sehr schnell verbastelt wurde. Die Etiketten waren irgendwie ein Fehlgriff, weil sie in der Schule noch gar keine Bücher hatte, die sie einpapieren musste. Aber das kommt ja vielleicht noch.
Bei den Spielzeugen war meine Auswahl etwas durchwachsen. Während ich von der ersten bis zur sechsten Klasse quasi jede Pause Gummitwist gesprungen bin, interessiert meine Tochter das gar nicht. Das Langeweileroulette kommt leider kaum zum Einsatz, weil wir so selten freie Wochenenden haben. Der Superhelden Flieger war sofort kaputt und der Rubikwürfel hat auch ziemlich schnell den Geist aufgegeben. Das war vielleicht auch gut so, weil schon das kleine Geduldspiel mit dem Löwen meine Tochter richtig in Rage bringt. Die Murmeln habe ich tatsächlich wieder eingezogen, weil die quer durch die Wohnung verteilt haben. Auf alten Dielen ist das leider ein Perpetuum Mobile. Richtig gut angekommen ist aber das Drecksau-Kartenspiel. Nicht nur, dass beide Kinder gern und oft Drecksau rufen, nein, tatsächlich ist die Spielmechanik auch gut und beruht nicht nur auf Zufall.
Gefunden habe ich die Sachen in unserem Spielwarenladen, in diesen Gedönsläden, die alles führen und unserem Partybedarfs- und Ballonladen, der auch einen Schultütentisch hatte.
Mein Mann hat übrigens die Geschwisterschultüte gebaut, weil ich irgendwann untergegangen bin mit Geburtstags- und Einschulungsvorbereitungen. Das ist natürlich nicht nötig aber die Lütte hat sich super gefreut. Eigentlich war da auch nicht viel drin: Obstriegel, Rosinen und getrocknete Aprikosen, ein Lolli, Drops und ein fahrender Marienkäfer. Das war bei der Einschulungsfeier ganz praktisch, weil die Lütte da ein bisschen beschäftigt war und etwas essen konnte.
Die Große hat übrigens schon gefragt, ob man wieder eine Schultüte bekommt, wenn man in die zweite Klasse kommt.
Das Rezensionsexemplar von "Rabenvater Staat" von Jenna Behrends wurde mir dankenswerter Weise für die Rezension vom DTV zur Verfügung gestellt. Mithin Werbung.
Die junge CDU-Frau
Jenna Behrends hat Rechtswissenschaften studiert und eine journalistische Ausbildung gemacht. Sie ist 28 Jahre alt, Mutter und erzieht ihre Tochter getrennt vom Vater. Kein ganz ungewöhlicher Lebensentwurf in Deutschland 2019. Aber Jenna Behrends ist in der CDU aktiv und sitzt für die CDU in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin Mitte.
Bei der letzten Europawahl erreichte die CDU bei den Wählern unter 30 Jahren gerade einmal 14%. Nicht nur die Wählerschaft der CDU, auch die Mitglieder vergreisen zusehends. Aus der medialen Debatte über die letzte Europawahl konnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass Philipp Amthor das einzige aktive Mitglied der CDU unter 30 ist. Sogar der Bundesvorsitzende der "jungen" Union, Tilman Kuban, ist mittlerweile 32 Jahre alt. Im Schnitt sind weibliche CDU-Mitglieder laut Wikipedia 33 Jahre älter als Jenna Behrends. Sowieso sind aber nur ein Viertel der CDU-Mitglieder weiblich.
@Forschungsgruppe Wahlen
Allein aus diesen Zahlen kann man ablesen, dass Jenna Behrends in ihrer Partei etwas Besonderes ist. Als sie mit 23 Jahren ihre Tochter bekommen hat, ist sie der CDU beigetreten. Auch gesamtgesellschaftlich betrachtet ist das etwas Besonderes. Oft ist diese fordernde Zeit der Familie vorbehalten und junge Mütter haben weder Zeit noch Energie für politisches Engagement.
Die süße Maus
Bundesweit bekannt wurde Jenna Behrends mit einem offenen Brief, der auf Edition F veröffentlicht wurde, in dem sie den Sexismus und Stutenbissigkeit in der CDU anprangert. Kurz darauf saß sie mit ihrer Tochter auf dem Spielplatz, die BILD-Zeitung rief an und der Shit-Storm nahm seinen Lauf. Davon hat Jenna Behrends 2018 in einem Panel auf der Blogfamilia berichtet. Das Medieninteresse hatte schlicht alptraumhafte Züge. Sowas wünscht man per se niemandem.
Auf Spiegel-Online gibt es eine Rückschau auf die Affäre in der Jenna Behrends als "die Maus" bekannt wurde. Tatsächlich gibt diese Beschreibung der Geschehnisse aber auch einen Einblick in die Funktionsweise der CDU, die zur Hauptsache aus alten Männern und Philipp Amthor besteht. Auf der Leipziger Buchmesse 2019 habe ich Jenna Behrends getroffen und sie als sehr sympathisch im Gespräch kennengelernt. Vom Typ wirkt sie eher zart, leise und etwas zerbrechlich - grundsätzlich eher untypisch für Politiker. Aber da sie jetzt schon ein paar Jahre in der Politik ist, sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Außerdem finde ich, dass Politikerinnen zugestanden werden muss, dass sie nicht das Gehabe von männlichen Kollegen annehmen müssen, um gehört zu werden.
Ich möchte hinzufügen, dass es mir selbst ein Rätsel ist, wieso eine junge Frau überhaupt in die CDU eintritt. Aber als Hamburgerin kenne ich persönlich auch schlicht niemand mehr, der in der CDU ist. In der SPD, bei den Grünen, in der FDP - ja, aber nicht bei der CDU. Allerdings muss man anerkennen, dass es nicht doof ist, wenn man eher konservativen Wertvorstellungen anhängt und etwas bewegen möchte, sich in der großen konservativen Partei zu engagieren.
Die Familienpolitikerin
Jetzt hat Jenna Behrends ein Buch herausgebracht. Für viele überraschend und zur großen Enttäuschung der Verlage wollte Jenna Behrends kein Buch über Sexismus in der CDU schreiben, sondern über Familienpolitik. Klar: Sex sells, Familienpolitik eher nicht.
Als Mutter von bald zwei Kindern war Jenna Behrends aber die Familienpolitik wichtiger und deshalb hat sie "Rabenvater Staat - warum unsere Familienpolitik einen Neustart braucht" geschrieben.
In Ihrem Buch durchleuchtet Jenna Behrends die aktuelle Familienpolitik einmal vollumfänglich und lässt auch Fehler ihrer eigenen Partei nicht unerwähnt. Sie begibt sich damit freiwillig, wie sie selbst schreibt, auf "vermintes Gelände". Einerseits, weil sich natürlich keiner in das eigene Familienkonzept reinreden lassen möchte und andererseits, weil das ganze Politikfeld extrem ideologiebehaftet ist. Ganz richtig stellt sie aber fest, dass das Private politisch wird, wenn es darum geht "Zeit für Verantwortung zu schaffen" in der die nächste Generation herangezogen wird.
Flickenteppich Familienpolitik
Beim Lesen wird schnell klar, dass die Autorin sich durch unfassbare Mengen an Statistiken, Berichten und freudlosen Zahlenkolonnen gegraben haben muss. Es gibt insgesamt die aberwitzige Menge von über 150 verschiedenen staatlichen Leistungen, die Familien beanspruchen können. Jenna Behrends bemängelt diese Förderung nach dem Gießkannenprizip. Das politische Leitbild sei verloren gegangen und es gebe keine zielgerichtete Förderung. Teilweise widersprächen die Förderungen sich sogar. Dabei sollte eine Regierung sich klar darüber sein, welches Ziel ihre Politik in erster Linie anstrebt. Soll der Alleinverdienerhaushalt gefördert werden oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Steht Kinderarmut im Fokus oder eine höhere Geburtenrate? Es fehle an der Steuerungsfunktion der Förderungen.
Im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD steht die Familienpolitik auch augenscheinlich nicht im Fokus. Die Vereinbarungen sind schwammig formuliert und im Verhältnis knapp gehalten. Tatsächlich ist es für den Bürger auch hochgradig unklar, wer in der Bundesregierung für familienpolitische Maßnahmen verantwortlich ist. Im Buch wird nachvollziehbar aufgeschlüsselt, welche Ministerien neben dem Familienministerium ihre Finger im Spiel haben und wieso das nicht gut für die Konsequenz der Familienpolitik sein kann.
Generationengerechtigkeit wiederherstellen
Genau wie beim Lesen von "Keine Kinder sind auch keine Lösung" kocht einem als Mutter die Wut hoch, wenn das derzeitige Rentenmodel erläutert wird. Eltern zahlen für ihre Kinder, Kinderlose sorgen für die Rente vor, die Kinder zahlen dann für die Rente von beiden. Hier verschweigt Jenna Behrends auch nicht, dass es Adenauer war, der uns dieses unausgewogene System eingebrockt hat. Sie fordert eine Unterstützung von Eltern aus Steuermitteln und zwar nicht als Umverteilungsmaßnahme, sondern als Zukunftsinvestition in die Familie als "Keimzelle des Staates".
Familienrecht modernisieren
Jenna Behrends hat bei der Recherche für ihr Buch mit zahlreichen Familien im gesamten Bundesgebiet von Angesicht zu Angesicht gesprochen. Dabei ist ihr eine Vielzahl von gelebten Familienwirklichkeiten begegnet. Gerade Familien, die nicht aus einem Ehepaar mit Kindern bestehen, fänden sich im aktuellen Familienrecht nicht ausreichend wieder. Anhand anschaulicher Alltagsbeispiele schildert sie die enormen Probleme, die daraus für Menschen, die in anderen Familienmodelle leben, tagtäglich entstehen. Einen Satz aus dem Kapitel "Politik, die zum echten Leben passt" halte ich dabei für besonders bemerkenswert: "...die Politik bekommt auf Dauer ein Problem, wenn sie nicht mit dem übereinstimmt, was gesellschaftlich gelebt und gewollt wird". Genau das musste die CDU bei den letzten Europawahlen schon in Bezug auf Ihre Klimapolitik erfahren. Insbesondere die Parteiführung hat in ihren Stellungnahmen aber, gelinde gesagt, uneinsichtig reagiert.
Steuerliche Vergünstigungen überarbeiten
Ein weiterer Punkt, der von Jenna Behrends angeführt wird und der nachvollziehbar einer Neuregelung bedarf, sind die Steuersätze. Es ist schlicht unverständlich, wieso Windeln mit dem vollen Mehrwertsteuersatz besteuert werden und Ferkel, die von Schweinezüchtern gekauft werden nur mit dem ermäßigten Steuersatz von 7%. Meines Erachtens tatsächlich nur dadurch erklärbar, dass Eltern vermutlich die schlechtesten Lobbyisten der Republik sind. Trecker auf den Autobahnen ziehen einfach deutlich besser, als ein angedrohter Geburtenstreik, wenn man doch schon Kinder hat.
Ebenso wird im Kapitel "Politik, die mit Steuern steuert" die bereits vieldiskutierte Frage aufgeworfen, wieso die Ehe an sich einer Subventionierung durch das steuerliche Splittingverfahren bedarf. Die Ungerechtigkeit dieser Regelung wird im Buch besonders deutlich am Beispiel einer verwitweten Mutter, die durch den Tod ihres Mannes nicht nur auf einmal allein mit zwei Kindern, sondern durch den Wegfall des Ehegatten auch noch steuerlich schlechter dasteht. Interessanterweise setzt sich Jenna Behrends nicht für ein Familiensplitting ein, sondern für eine individuelle Besteuerung aller Steuerpflichtigen. Nachvollziehbar würden dadurch die Fehlanreize, die das Ehegattensplitting schafft, wegfallen und Allein- und Zuverdienerehen wären weniger attraktiv. Jenna Behrends rechnet mit freiwerdenden Mitteln in Höhe von 15 Milliarden Euro, die für wirkliche Familienförderungen eingesetzt werden könnten.
Durchschaubarkeit schaffen
Eine weitere Forderung der CDU-Politikerin ist, mehr Transparenz für Familien zu schaffen. Leistungen, die der Staat zur Verfügung stellt, sollen natürlich auch von den Berechtigten abgerufen werden können. Dies scheitert aktuell daran, dass kaum eine Familie den Überblick über die mehr als 150 staatlichen Leistungen habe. Dazu käme, dass der Föderalismus mit seinen länderspezifischen Regelungen die Abrufbarkeit deutlich erschwere. Jenna Behrends schlägt für mehr Übersichtlichkeit eine Bündelung von Leistungen und die zentrale Zuständigkeit eines Familienbüros vor.
Kinderbetreuung sichern
Als Berliner Bezirkspolitikerin kommt Jenna Behrends nicht um das Thema der Kinderbetreuung herum. In Berlin ist die Situatoin mittlerweile derart schwierig, das es die Eltern auf die Straße treibt. Allerdings ist die Lage auf Grund der unterschiedlichen Zielsetzungen der zuständigen Länder und der jeweils zur Verfügung stehenden Mittel von Bundesland zu Bundesland derart unterschiedlich, dass die Probleme auch sehr verschieden sind. Insgesamt fordert Jenna Behrends aber ausreichende Plätze und mehr Qualität in der Kinderbetreuung. Zur Not auch durch Erhöhung bzw. Wiedereinführung der Elternbeiträge.
Fazit
Am Ende des Buches bin ich sehr froh, dass Jenna Behrends über Familienpolitik und nicht über Unappetitlichkeiten in der greisen CDU geschrieben hat. Erstens findet Familienpolitik trotz der großen betroffenen Wählergruppe viel zu wenig Beachtung und zweitens scheint es kaum Politiker zu geben, die Familienpolitik in all ihrer Kompliziertheit zu ihrem Thema machen. Da kann eine junge Frau, die noch mitten in der Familienphase ist, der Familienpolitik nur gut tun. Auch wenn man sich manchmal wünschte, dass sie lauter und ärgerlicher wäre, angesichts der geschilderten Ungerechtigkeiten - weniger Maus. Aber solche Frauen finden in der CDU offenbar wenig Unterstützung.
Insgesamt muss ich sagen, dass ich beim Lesen nur an wenigen Stellen das Gefühl hatte, dass das Buch parteipolitisch eingefärbt ist. Einerseits erscheint die Autorin im Gegensatz zu ihrer Parteivorsitzenden erfrischend aufgeschlossen und andererseits weiß man natürlich überhaupt wenig darüber, wie jüngere CDUler ticken. Allerdings liegen die im Buch behandelten familienpolitischen Themen auch einfach derart im Argen, dass es aus Sicht von Menschen mit minderjährigen Kindern kaum Streit darüber geben wird, dass sie angegangen werden müssen. Die Frage ist vielmehr, wie sich eine Verbesserung dieser Punkte gegenüber den anderen gesellschaftlichen Interessengruppen durchsetzen lässt. Daher begrüße ich dieses Buch, weil es dem Leser Argumente und Zahlen an die Hand gibt, um diese Diskussion zu bestreiten.
Haare waschen ist bei meinem Kindern leider genauso unbeliebt wie in allen Kindergenerationen vor ihnen. Das Shampoo brennt in den Augen, das Auswaschen ist blöd und danach muss man sich auch noch kämmen. Wir haben deshalb lange versucht, es den Kindern möglichst angenehm zu machen, um die Dezibelzahl gering zu halten. Es gibt zuhauf Shampoos zu kaufen, die versprechen, die Augen zu schonen, die Haare leicht kämmbar zu machen, die nach Erdbeere duften und Prinzessinnen, Feuerwehrleute und Superhelden featuren. Hatten wir alles.
Leider hat das alles nicht dazu geführt, dass wir ohne viel Geschrei Haare waschen konnten. Nachdem ich also die Sinnlosigkeit solcher Maßnahmen eingesehen habe, ist mir aufgegangen, dass wir dann ja gar kein Shampoo in Plastikflaschen mehr brauchen.
Fast unverpackt eingekauft
Jetzt haben wir wieder einen kleinen Schritt gemacht, um den Plastikmüll, der in unserem Haushalt anfällt zu reduzieren. Ich habe meinen Kindern im Unverpackt-Laden einen Haarseife gekauft. Ich habe lange die Duftnoten verglichen und mich dann für das geringste Übel entschieden. Aus einem großen Glas habe ich mit einer Zange ein Stück Seife gefischt. Dazu habe ich noch eine Scheibe getrocknete Luffa-Gurke mitgenommen, damit ich die Seife auch artgerecht halten kann und sie nicht ständig nass und glipschig ist. Wenn einen der Sinneswandel spontan überkommt, stellen die Unverpackt-Läden übrigens auch eine kleine Papiertüte bereit. Ich habe mich zwar geschämt, musste aber immerhin nicht noch einmal anreisen. Zu Hause habe ich die Luffa-Scheibe in ein wenig bespieltes Holzschiffchen meiner Kinder gedrückt und so an der Duschkopf-fernen Seite der Badewanne platziert, dass sie nicht ständig nass wird.
Eine Stück Haarseife, das eher etwas kleiner ist als die gewöhnlichen Stücke Handseife, soll ca. 60 Haarwäschen reichen. Das kam bei uns auch ungefähr hin. Man muss nur aufpassen, dass das Seifenschiffchen nicht beim Planschen mit versenkt wird. Aber selbst dabei verliert man weniger von der Haarseife, als wenn die Kinder mal mit Schmackes auf die Shampooflasche drücken, um Riesenschaumberge zu machen.
Schritt für Schritt
Wir hatten zwischenzeitlich schon auf das Kinder-Shampoo von Weleda umgestellt. Das ist zumindest frei von synthetischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sowie auch gerade von den bedenklichen Rohstoffen auf Mineralölbasis. Aber auch hier war die Öffnung in der Verpackung nicht kleiner als bei Erwachsenen, obwohl man natürlich weniger Shampoo benötigt. Und wenn man als Erwachsener schon immer zu viel Shampoo aus der Tube herausdrückt, könnt ihr euch vorstellen, wie das bei Kindern aussieht, die sich auf Teufel komm raus selber die Haare waschen möchten. Außerdem bleibt natürlich die Plastikverpackung und der Unsinn, dass der Hauptbestandteil von Flüssigshampoo Wasser ist. Der Seife wird also Wasser zugesetzt, damit man sich in der Dusche damit die Haare einshampooniert. Das bedeutet mehr sinnloses Gewicht und Volumen beim Transport des Shampoos, wodurch wiederum mehr CO2 erzeugt wird, als wenn man eine feste Seife benutzt.
Plastik innen und außen
Kürzlich hat ÖKO-TEST Kindershampoos getestet und das Ergebnis war ziemlich bedrückend. Viele Kindershampoos erhalten Notenabzug, weil in ihnen PEG oder PEG-Derivate stecken. Diese werden zum Beispiel als Reinigungssubstanzen eingesetzt oder sorgen für die Schaumentwicklung. Sie können die Haut aber auch durchlässiger für Fremdstoffe machen, was bei der dünnen Kinderhaut doppelt blöd ist. Gleichzeitig enthalten die meisten Shampoos im Test synthetische Polymere. Das kann Mikroplastik sein, aber auch flüssiges oder gel-artiges Plastik, das so ins Wasser gelangt. Neben den Naturkosmetikprodukten waren nur sehr wenige konventionelle Shampoos frei davon.
Nicht mehr Gemecker als sonst!
Die Umstellung von Shampoo auf Haarseife verlief ganz reibungslos bei uns. Da meine Kinder auch bei angeblich supersoften Kindershampoos heulen, weil es in den Augen brennt, gab es in der Hinsicht keinen Unterschied. Allerdings finden meine Kinder bunte Plastikflaschen und riesige Schaumberge auch gut. Die Große ist mit sechs Jahren aber schon in einem Alter, in dem sie versteht, dass weniger Plastik besser ist. Die Lütte hat mit ihren zwei Jahren gesagt: "Oh! Eine Blume!" und dann war das Thema gegessen. Man sollte es sich aber ersparen, sich mit den Kindern vor das bunte Regal im Drogeriemarkt stellen und sie fragen, was sie haben wollen. Dann hat man es natürlich schwer.
Schön, finde ich an Haarseifen übrigens auch, dass sie genderneutral sind. Kindershampoos sind leider oft schon in Prinzessinnen und Fußballer aufgeteilt. Ökotest wirft zu Recht die Frage auf, ob gegenderte Kinderprodukte schon den Eindruck erwecken, Frauen benötigten zwingend andere Kosmetikprodukte als Männer. Das Frauen später mehr für das gleiche Produkt zahlen müssen, bemängelt insbesondere Pinkstinks seit Jahren.
Was Hänschen nicht lernt...
Ich habe mich mit der Umstellung auf Haarseife übrigens viel schwerer getan und mein Mann weigert sich noch immer. Mein Problem mit den festen Shampoos war bisher, dass ich mit dem Duft nicht klar kam. Wenn man so ein Glas mit Seifenstücken drin öffnet, duftet es natürlich sehr intensiv. Oft sind es auch starke Duftnoten, wie Rose oder Lavendel, die ich ohnehin nicht mag. Für die Kinder hatte ich eine Meersalzseife gewählt - fast ohne Duft. Nach 40 Jahren mit angenehm duftenden Shampoo aus Plastikflaschen musste ich mir einen ziemlichen Tritt geben. Zumal ziemlich lange Seife nicht fancy war, sondern irgendwie altbacken. Als Teil der Generation, die von Werbung in den 80ern total gebrainwashed wurde, muss man sich da erstmal schütteln.
Auf dem Heldenmarkt in Hamburg habe ich dann aber tatsächlich eine Seife mit leichtem Apfelduft von Unicorn gefunden, den ich angenehm fand. Als Gimmick dazu habe ich eine kleine Seife in einer Box aus Flüssigholz für unterwegs bekommen. Das ist natürlich praktisch, wenn man mal mit kleinem Gepäck fliegt, weil man das Seifenstück nicht eintüten muss. Jetzt habe ich also auch umgestellt und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Auch mit langen Haaren kein Problem!